Verlierer im Kaufhof-Poker  Der Traum ist aus

Enttäuscht über die Niederlage im Bieterwettbewerb um Kaufhof: Karstadt-Eigner und Immobilien-Unternehmer René Benko

Enttäuscht über die Niederlage im Bieterwettbewerb um Kaufhof: Karstadt-Eigner und Immobilien-Unternehmer René Benko

Foto: Hans Klaus Techt/ dpa

Auf eine Antwort verzichtete der neue Kaufhof-Eigner wohlwissentlich. Doch der Blick von Hudson's-Bay-Chef Richard Baker sprach Bände. Auf die Frage, ob Karstadt durch die Übernahme von Kaufhof leiden würde, breitete sich ein siegessicheres Grinsen auf dem Gesicht des 49-Jährigen aus. "Wir sind sehr konkurrenzbetont", betonte der neue Kaufhof-Eigner mit Blick auf den angeschlagenen Konkurrenten. "Wir sind es gewohnt, unsere Kräfte zu messen. Und wir freuen uns darauf." Ach ja, außerdem sei er "bullish", dass Kaufhof der Konkurrenz weitere Marktanteile abjagen könne.

Worte, die Karstadt-Eigner René Benko wohl vernommen haben dürfte. Davon, dass er sich Illusionen macht, was ihm mit dem Erscheinen eines finanzstarken Wettbewerbers auf dem deutschen Markt droht, ist nicht auszugehen.

Benko hat gekämpft bis aufs Letzte. Hatte die Mehrheit am operativen Geschäft der Luxushäuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger abgegeben, um im Bietergefecht um Kaufhof mit einem erfahrenen Handelspartner an seiner Seite punkten zu können.

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Sogar zu einer Job- und Standortgarantie für Kaufhof und Karstadt hatte sich der Österreicher durchringen können - sofern der Deal über die Bühne gegangen wäre. Und auch noch dazu, dass Karstadt künftig als Tochter vom Kaufhof firmiert hätte.

Genützt hat es nichts.

Der einst wie aus dem Nichts aufgetauchte Tiroler, der mit kreativen Deals und Chuzpe Karstadt schließlich komplett vom damaligen Investor Nicolas Berggruen erwarb, ist im Poker um die Metro-Tochter Kaufhof leer ausgegangen. Der Traum von einer deutschen Warenhaus AG aus den beiden Ketten ist geplatzt.

Signa sieht "historische Chance" vertan

Man bedauere die Entscheidung sehr, hieß es denn auch bei Signa. Die "historische Chance" eines Zusammengehens von Kaufhof und Karstadt - vergeben.

Nun steht Karstadt alleine da - gegen einen Gegner, der ihn an Größe und Know-How deutlich überragt. Und alleine, darüber sind sich viele Handelsexperten einig, wird es extrem schwierig für Karstadt.

Muss Karstadt jetzt noch mehr Blut lassen

Zwar betonte Karstadt im Zuge des Übernahmepokers immer wieder, dass es im Warenhausgeschäft aufwärts gehe. Die letzten Zahlen, die allerdings noch von Ende vergangenen Jahres stammen, sprechen da noch eine andere Sprache.

Um 6 Prozent  gingen laut Vorstand im wichtigen Weihnachtsgeschäft im November und Dezember die Umsätze zurück. Vor allem im Textilbereich - einem der Kerngeschäfte moderner Kaufhäuser - hakte es erheblich.

Entsprechend war von unausweichlichen, "einschneidenden personellen Veränderungen" die Rede, um das wirtschaftliche Überleben des Traditionskonzern zu sichern. Zahlen, die die laut Signa zuletzt "äußerst positive Entwicklung der Karstadt Warenhaus GmbH" untermauern, legte das Unternehmen indes nicht vor.

Branchenkenner gehen daher auch davon aus, dass der neue Optimismus in erster Linie politisch motiviert war. Unter anderem, um bei Kaufhof doch noch zum Zuschlag zu kommen.

"Wir sind im Entertainment-Business"

Der neue Eigner jedenfalls hat von Anfang an klar gemacht, dass er bereit ist, in seine Neuerwerbung Kaufhof zu investieren. "Wir sind im Entertainment-Business", sagt Baker. Und: "Starke Warenhäuser benötigen Investments. Und wir haben genug Geld, das auch durchzuziehen."

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Das Geld für Kaufhof selbst stammt allerdings nicht aus HBC-Schatullen. Dafür habe man Immobilien und das operative Geschäft beliehen, erklärte Baker. Ein Vorgehen, das bei HBC Tradition hat. Und genug Raum für Investitionen lässt, die HBC anders als andere Investoren in der deutschen Warenhausgeschichte allerdings bei seinen Zukäufen auch tätigte.

Geld hat auch Benko - und das nicht erst seit dem letzten Kadewe-Deal, der wieder neue Millionen in die Schatullen der Signa-Investoren gespült haben dürfte.

"Größer ist besser"

Doch HBC hat noch mehr, "nämlich Know-How", sagt Jörg Funder. "Die beherrschen das Geschäft aus dem Effeff ", sagt der Handelsexperte von der Fachhochschule Worms. "Und haben dazu auch noch jede Menge Onlineerfahrung".

Vor allem aber sind sie Benko in einer Sache voraus: In schierer Größe. Rund neun Milliarden Euro Umsatz dürften die acht Handelsketten unter dem HBC-Dach künftig machen, schätzt der Konzern. An 464 Standorte. Werte, bei denen Benko nicht mithalten kann. "Größer ist besser", sagt HBC-Vorstand Jerry Storch selbstgewusst.

Was macht Benko?

Ganz aufgeben, glaubt Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, sollte man Karstadt und Benko allerdings noch nicht. Benko sei keiner, der schnell aufgebe. "Der wartet erst einmal ab."

Interessant wird auch sein, wie sich die Warenhauslandschaft in drei Jahren von heute entwickeln wird. Dann nämlich, wenn die Bestandsgarantien für die bestehenden Läden und das Personal ablaufen.

Denn nach Einschätzung von Handelsexperten könnten auch aktuell noch existierende Kaufhof-Filialen zu viele sein, um sie nachhaltig betreiben zu können. "Langfristig werden nur 50 bis 70 Filialen in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern sich lohnen", glaubt Funder.

Allerdings hat HBC mit Saks Off auch Handels-Konzepte am Start, die sich von klassischen Warenhäusern deutlich unterscheiden.

Und genau so scheinen die Kanadier das Geschäft auch zu sehen. "Das Warenhaus ist im Grunde nichts anderes als eine leere Box" brachte es HBC-Vorstand Storch bei der Pressekonferenz zum Kaufhof-Deal auf den Punkt. "Da kann man alles hineintun."

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