Donnerstag, 2. April 2020

Panik vor Verkauf an Investorengruppe Real-Betriebsrat fürchtet um 10.000 Jobs

 "Es wird nichts mehr so sein, wie es war": Der Betriebsrat der Supermarktkette warnt massiv vor einem Kahlschlag unter den Beschäftigten, wenn eine Investorengruppe das Unternehmen übernimmt.
Roland Weihrauch/ DPA
"Es wird nichts mehr so sein, wie es war": Der Betriebsrat der Supermarktkette warnt massiv vor einem Kahlschlag unter den Beschäftigten, wenn eine Investorengruppe das Unternehmen übernimmt.

Kurz vor dem geplanten Verkauf der Supermarktkette Real an Finanzinvestoren warnt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Werner Klockhaus vor einem Kahlschlag unter den Beschäftigten. "Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10.000 Arbeitslosen", sagte Klockhaus in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Das heißt, fast jede dritte Stelle ist in akuter Gefahr. Es wird ein Drama."

Derzeit beschäftigt Real etwa 34.000 Mitarbeiter. Reals Mutterkonzern, die Metro AG, plant, alle 277 Real-Märkte in Deutschland an das deutsch-russische Konsortium X-Bricks zu verkaufen. Mitte Dezember hatte Metro-Chef Olaf Koch erklärt, er habe keinen Zweifel, dass Ende Januar ein Kauvertrag mit dem Bieterkonsortium unterschriftsreif sein werde.

Die meisten Mitarbeiter würden laut Klockhaus durch Filialschließungen ihre Stelle verlieren. Vor dem Aus stünden auch die Zentralverwaltung in Düsseldorf, die Logistik, Werbung und IT-Abteilung. "Nach dem Verkauf wird nichts mehr so sein, wie es war", prophezeit Klockhaus.

Das Konsortium zielt darauf ab, Real im Kern weiterführen. Filialen der Kette sollen aber auch an Wettbewerber verkauft oder geschlossen werden. manager magazin hatte bereits Anfang Dezember darüber berichtet, dass Metro wieder Gespräche mit X+Bricks aufgenommen hat.

Von der Politik fühlt sich Gesamtbetriebsratschef Klockhaus im Stich gelassen. Es habe zwar viele Gespräche auf allen Ebenen bis hin zu Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gegeben. Doch weitergeholfen hätte das nicht. Bundeswirtschaftsminister Altmaier habe sich bislang überhaupt nicht zu dem Verkauf geäußert, obwohl der Deal erhebliche Auswirkungen auf die Marktkonzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel haben werde.

Nach Einschätzung von Klockhaus fürchte die Politik offenbar ein Szenario wie beim Verkauf der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann. Hier hatte sich der Verkauf über Jahre hingezogen, weil sich die Bundesregierung eingemischt hatte.

rei

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