Sportartikel-Rivalen Puma wächst deutlich schneller als Adidas

Während Adidas seine Umsatzaussichten für das laufende Jahr nach unten korrigiert, hebt Konkurrent Puma seine Prognose an. Trotz des schwierigen Marktumfelds erzielte der Konzern im zweiten Quartal einen Rekordumsatz.
Die Nummer drei auf dem weltweiten Sportartikelmarkt: Vorstandschef Björn Gulden (Bild Archiv) hob die Umsatzerwartungen für Puma an

Die Nummer drei auf dem weltweiten Sportartikelmarkt: Vorstandschef Björn Gulden (Bild Archiv) hob die Umsatzerwartungen für Puma an

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Daniel Karmann/ dpa

Anders als der größere Rivale Adidas muss Puma trotz des anhaltenden Gegenwinds in China keine Abstriche bei seinen Prognosen machen. Die Nummer drei auf dem weltweiten Sportartikelmarkt hob am Mittwoch die Umsatzerwartung für das laufende Jahr sogar an: Puma rechnet währungsbereinigt nun mit einem Plus von 15 Prozent, bisher hatte Vorstandschef Björn Gulden (57) mehr als 10 Prozent angepeilt.

Die Inflation und hohe Transportkosten verwässerten aber die Margen, so dass Puma das Gewinnziel nicht erhöht. "Es ist für alle nicht leicht", sagte Gulden. "Wir müssen uns nur besser schlagen als der Rest." Das schafft Puma offenbar: Der Nachbar Adidas hatte mit Verweis auf das lahmende China-Geschäft die Umsatz- und Gewinnprognosen deutlich zurückgeschraubt.

Adidas machte die erneuten Corona-Beschränkungen in China für den Umsatzeinbruch dort verantwortlich. Puma-Chef Gulden sieht den Hauptgrund in den Boykottaufrufen gegen westliche Textilkonzerne, die seit mehr als einem Jahr zur Zielscheibe in den sozialen Medien geworden sind - als Reaktion auf die Kritik des Westens am Umgang Chinas mit der uigurischen Minderheit in Xinjiang. Die Corona-Lockdowns verhinderten nur eine schnellere Erholung auf dem einstigen Wachstumsmarkt. Im zweiten Quartal lagen die Umsätze von Puma in China 44 Prozent unter Vorjahr. "China war bis vor zwei Jahren unser profitabelster und schnellstwachsender Markt", sagte Gulden. "Wir haben zwei Jahre verloren."

China-Geschäft bei Puma weniger wichtig

Adidas-Chef Kasper Rorsted (60) hat die Hoffnung aufgegeben, dass das China-Geschäft im zweiten Halbjahr wieder wachsen wird. Er rechnet deshalb 2022 statt eines Umsatzwachstums von mindestens 11 Prozent weltweit nur noch mit einem Zuwachs von 5 bis 9 Prozent. Im zweiten Quartal waren es sogar nur 4 Prozent.

Puma erreichte dagegen mit einem Plus von 18 Prozent erstmals überhaupt die Zwei-Milliarden-Marke, weil das Geschäft in Amerika und Europa brummt. Dass es in China noch in diesem Jahr besser wird, hält auch Gulden für unrealistisch. Bei Puma spiele das China-Geschäft aber keine so große Rolle wie bei Adidas, schrieb Stifel-Analyst Cedric Lecasble. Adidas erwirtschaftete dort 2021 mehr als jeden fünften Euro, Puma nur jeden neunten.

Puma will Preise moderat und nur bei neuen Modellen anheben

Puma bleibt deshalb bei dem Ziel, das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in diesem Jahr auf 600 bis 700 (2021: 557) Millionen Euro zu steigern, nach der ersten Jahreshälfte stehen schon 342 Millionen zu Buche, 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Margen stehen aber wie bei Adidas unter Druck. Gulden will bei Preiserhöhungen gleichwohl vorsichtig bleiben, um die Kundschaft nicht zu verschrecken: für bestehende Modelle will er höhere Preise vermeiden, nur bei neuen Kollektionen "neue Preispunkte setzen", die zwischen 5 und 9 Prozent höher sind. "Trotz steigender Kosten werden wir uns weiterhin darauf konzentrieren, unsere Verkaufspreise wettbewerbsfähig zu halten", sagte er. Umsatzwachstum und höhere Marktanteile seien wichtiger als kurzfristige Gewinnoptimierung.

Mit Lagerbeständen hat Puma auch weniger Probleme als die Konkurrenz. "Ich glaube, es gibt noch kein Überangebot", sagte Gulden. Vor einem Jahr, als Nachschubprobleme die Branche plagten, wäre man über die heutige Situation froh gewesen. Nur die Ware, die für China und Russland vorgesehen war, müsse nun woanders verkauft werden. Das versucht auch Adidas – fürchtet aber, das werde auf die Marge drücken.

sio/Reuters
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