Online-Sexshop ProSiebenSat.1 verkauft Amorelie an Beate-Uhse-Mutter

Der Medienkonzern fokussiert auf sein Kerngeschäft und verkauft das einstige Vorzeige-Start-up Amorelie in die Niederlande. Die neuen Eigner haben ehrgeizige Pläne.
Will europaweit expandieren: Amorelie-Chefin Claire Midwood

Will europaweit expandieren: Amorelie-Chefin Claire Midwood

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Patrycia Lukas

Es ist das Ende einer Affäre, die mal als Liebesgeschichte begann. Die großen Hoffnungen, die der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 einst mit seinen Digitalgeschäften verband (man wollte "die größte Wachstumsplattform für Verbraucher im Internet schaffen"), sind längst verflogen, wie das manager magazin bereits berichtete.  Vom einstigen Star im Portfolio, dem Online-Sexshop Amorelie, trennt sich Konzernchef Rainer Beaujean (53) nun ganz. Er verkauft das Unternehmen an die niederländische EQOM-Gruppe.

EQOM baut damit sein Angebot in dem Segment aus. Seit zwei Jahren gehört schon der Erotikversand Beate Uhse zu der Gruppe, die im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat und zurzeit auf Einkaufstour ist: Anfang September hatte das Unternehmen zwei große Branchenunternehmen in Norwegen und den Niederlanden übernommen und als Ziel verkündet, bis 2025 ein Global Player mit 500 Millionen Euro Umsatz zu werden. Zu dem Amorelie-Deal sagte EQOM-Chef Eric Idema am Freitag: "Gemeinsam können wir nun weiter wachsen." Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Amorelie peilt unter Chefin Claire Midwood (50) für das laufende Jahr gut 60 Millionen Euro Umsatz an, es erwirtschaftet Jahresgewinne im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Amorelie wurde 2013 in Berlin gegründet, 2014 beteiligte sich ProSiebenSat.1 an dem Start-up und machte es durch Fernsehwerbung bekannt. Der Sender hält bislang 98 Prozent der Amorelie-Anteile über seine Digitalholding Nucom Group; die restlichen 2 Prozent besitzt die Gründerin Lea-Sophie Cramer (34), eine der einflussreichsten deutschen Digitalunternehmerinnen. EQOM soll nun sämtliche Anteile übernehmen. Nach Freigabe durch die Kartellbehörden soll das Geschäft bis Jahresende abgeschlossen werden.

Bei ProSiebenSat.1 nimmt das Ende der Digitalabenteuer damit weitere Formen an. Der deutsche Medienkonzern und der Finanzinvestor General Atlantic hatten vor gut drei Jahren die Holding Nucom gestartet, an der General Atlantic 28 Prozent hält; zuletzt standen die Zeichen allerdings auf Abwicklung. ProSieben-Chef Beaujean, intern als "Erbsenzähler" geschmäht , setzt auf das Kerngeschäft, zentrale Töchter Nucoms sollen an die Börse – oder eben verkauft werden.

Nachdem ProSiebenSat.1 die Marke Amorelie in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch TV-Werbung bekannt gemacht habe, solle sie nun europaweit expandieren, sagte Amorelie-Vorstandschefin Midwood. EQOM will nach eigenen Angaben "die Branche des sexuellen Wohlbefindens auf ein höheres Niveau heben. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Europäer ein Sexspielzeug auf dem Nachttisch hat." Der Markt gilt allerdings als gesättigt – einer der Gründe ist, warum in der Beziehung zum Sender am Ende die Luft raus war.

luk/dpa-afx
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