Handelskonzerne Paris vereitelt mögliche Megafusion mit Carrefour

Aus dem Megadeal zwischen Carrfour und der kanadischen Couche-Tard wird nichts. Frankreichs Regierung erstickt die Initiative schon im Keim. Die beiden Konzerne wollen jetzt zumindest über eine Partnerschaft sprechen.
Kein Big Deal: Carrefour gilt als größter Handelskonzern in Europa

Kein Big Deal: Carrefour gilt als größter Handelskonzern in Europa

Foto: Ahmad Yusni / dpa

Nach einer Veto-Drohung der Regierung in Frankreich haben die kanadische Alimentation Couche-Tard und der Einzelhandelsgigant  Carrefour Gespräche über einen möglichen milliardenschweren Zusammenschluss vorerst eingestellt. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire (51) hatte offen damit gedroht, einen Deal zu blockieren. Wie die Unternehmen am Samstagabend mitteilten, wollen sie aber weiter über mögliche Partnerschaften sprechen, beispielsweise beim Einkauf.

Mitte vergangener Woche hatte Carrefour mitgeteilt, die Kanadier seien auf den französischen Supermarktriesen "in freundlicher Absicht" zugekommen. Wie ein Zusammengehen konkret aussehen könnte, wurde nicht erklärt. An der Euronext Paris war der Kurs von Carrefour  zunächst zweistellig gestiegen.

Le Maire machte jetzt offenbar schwere Bedenken geltend: Carrefour sei mit mehr als 100.000 Beschäftigten der wichtigste private Arbeitgeber im Land, das Unternehmen stehe für rund ein Fünftel des Nahrungsmittelhandels in Frankreich. Die Eigenständigkeit des Landes bei der Nahrungsmittelversorgung stehe auf dem Spiel.

"Wir befürworten diese Operation nicht", hatte der mächtige Ressortchef im Sender BFMTV erklärt. "Die Nahrungsmittelsicherheit hat keinen Preis." Die Regierung habe ein Gesetz in der Hand, um Käufe in der Branche notfalls zu blockieren. Sein Ministerium reagierte am Sonntag auf Anfrage nicht auf die jüngste Entwicklung.

Die Unternehmen gingen in ihrer Erklärung nicht explizit auf die Veto-Drohung des Ministers ein und sprachen nur allgemein von "jüngsten Ereignissen", die sie dazu bewogen hätten, die Gespräche zu unterbrechen.

Alimentation Couche-Tard  hat sich in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stetig vergrößert - zuerst in Kanada, später in den USA. Der erst 1980 gegründete Einzelhändler betreibt weltweit mit mehr als 130.000 Beschäftigten - rund 22.000 davon in Europa - rund 14.200 Läden. In Europa ist der Konzern seit 2012 vor allem in Skandinavien und in den baltischen Staaten vertreten. Im letzten Geschäftsjahr setzte er knapp 60 Milliarden Dollar um. Zuletzt hatte Couche-Tard versucht, die australische Caltex Australia zu übernehmen, entschied sich jedoch in der Corona-Pandemie gegen ein Gebot.

Eine Übernahme von Carrefour hätte Couche-Tards Präsenz in Europa sowie Südamerika erhöht. Carrefour betreibt allein in Europa 2800 Supermärkte sowie gut 700 großflächige Einkaufsmärkte. Insgesamt betreibt Carrefour etwas mehr als 13.000 Märkte in mehr als 30 Ländern

Analysten zweifelten mögliche Synergien an

Am Markt war der Vorstoß von Couche-Tard Mitte vergangener Woche mit Verwunderung aufgenommen worden: Analysten hatten angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Onlinehändler eine Konsolidierung des Marktes in Europa und Frankreich erwartet. Zudem wachsen die Lebensmittelhändler in der Corona-Krise - sie sind von den staatlichen Lockdowns in der Regel nicht betroffen. Auch der nordamerikanische Sysco-Konzern hatte dem Management der Düsseldorfer zufolge Gespräche mit dem Großhändler Metro geführt - diese blieben aber ohne Ergebnisse.

rei/dpa-afx/Reuters
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