Freitag, 26. April 2019

Paketdienste Kampf um die Vormacht an der Haustür

Logistik: Wie die Paketdienste versuchen, der Päckchenflut Herr zu werden
DPA

Die Päckchenflut, die Paketdienste jeden Tag mit im Internet bestellter Ware an deutschen Haustüren abliefern, wächst rasant. Doch wer nimmt das Paket sicher an, wenn niemand zu Hause ist? Es tobt eine Verdrängungsschlacht um Paketkästen, faltbare Paketbutler und um jeden Zentimeter Platz vor der Haustür.

Hamburg - Ünsal A. hat die Nase gestrichen voll. In seinem kleinen Hamburger Schumacherladen türmen sich die Pakete meterhoch. Die Tür ist kaum noch zu öffnen. Wenn Kunden ihre frisch besohlten Schuhe abholen wollen, muss sich der Inhaber erst an waschmaschinengroßen Kartonstapeln vorbeipressen, die der Bote des Paketdienstes GLS gestern dagelassen hat. "Ich mach das nicht mehr länger mit", stöhnt er. Dass das so ein Ausmaß annimmt, hätte er nie gedacht. "Und wissen sie, was ich pro Paket, das ich annehme kriege? Gerade einmal 50 Cent."

Wie A. geht es derzeit vielen Kioskbesitzern in Deutschland. Von den Paketdiensten als günstige Lösung bei der Auslieferung gefeiert, haben DHL, DPD, UPS & Co in den letzten Monaten deutschlandweit zehntausende solcher Annahmestellen aufgemacht - als günstiger Versuch, näher an den Endkunden zu rücken und sich nervige und vor allem teure Zweitzustelllungsversuche zu sparen.

So toll die aktuellen Wachstumsraten im Paketgeschäft auch sind. Der boomende E-Commerce bringt die Paketdienste an ihre Grenzen. Alleine im vergangenen Jahr legte die Zahl der Pakete an Endkunden um rund 11 Prozent auf mehr als 1,1 Milliarde Sendungen zu, wie eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesverbands ECommerce und Versandhandel (BEVH) ergab.

Setzt sich der Trend zum Onlineshopping fort, könnten es Schätzungen zufolge 2018 schon mehr als zwei Milliarden Päckchen sein, die an Privatverbraucher gehen - der sogenannte B2B-Markt ist dabei nicht eingerechnet. Und auch dem Online-Lebensmittelhandel sagen Experten noch massives Steigerungspotenzial voraus.

Der Markt wächst - die Ansprüche auch

Doch das rasante Marktwachstum kostet. Weil immer mehr Anbieter ein Stück vom wachsenden Markt für Logistikdienstleistungen abhaben wollen, steigt der Preisdruck. Nur wer billig ist, kann mitspielen, was dazu führt, dass die Inhaber von Paketshops für ihre Dienste nur einen Hungerlohn bekommen.

"Das lohnt sich nicht, das kann sich gar nicht rechnen", kommentiert ein Branchenkenner Einnahmen von rund 50 Cent für die Annahme, Aufbewahrung und das Handling der Ausgabe eines einzelnen Päckchens. Aber angesichts des massiven Preisdrucks in der Branche, sei einfach niemand bereit, mehr zu zahlen. "Wenn der eine Paketshopbetreiber hinschmeisst, findet sich dann eben der nächste Gutgläubige, der es versucht."

Dass immer mehr Paketshops nicht die Lösung sein können, hat die Branche mittlerweile erkannt. "Das ist Murks. Das kann so nicht funktionieren", räumt ein Vertreter eines großen Logistikdienstleisters ein.

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