Montag, 17. Juni 2019

Marktplatz-Hype im Einzelhandel Hoffen auf den Plattform-Boost

Plattformkurs: Wer alles den Plattformturbo einschaltet
REUTERS

Es hat einmal wieder gedauert, bis das Konzept auch in Deutschland wirklich angekommen ist. Als hierzulande im vergangenen Jahr "Plattformökonomie" zum Finanzwort des Jahres gekürt wurde, hatten in den USA die ersten Sharing-Marktplätze den Börsengang schon lange hinter sich - oder machten sich wie Uber oder Lyft bereit dazu.

Mittlerweile wird das Thema Marktplatz auch hierzulande virulent. Nach großen Playern wie Zalando oder Otto wollen nun auch Händler wie Douglas oder Engelhorn als Marktplatz durchstarten. Und auch Reiseunternehmen wie Tui, Marriott oder AirAsia wollen sich zum Marktplatz wandeln, auf denen Kunden neben den eigenen Produkten auch eine Auswahl externer Angebote finden.

Die Neuerfindung ist allerdings oft aus der Not geboren. Die Unternehmen merken, dass sie auf ihren traditionellen Pfaden nicht weiterkommen. "Die großen Plattformen nehmen ihnen Umsatz weg" , fasst der Plattform-Experte Hamidreza Hosseini das Dilemma zusammen.

"Ungefähr 9 bis 11 Prozent des Weltsozialproduktes werden mittlerweile über Plattformen erwirtschaftet", sagt Hosseini, der mit seinem Unternehmen Ecodynamics Unternehmen bei der Entwicklung eigener Plattformen berät und Plattformökonomie an der WHU lehrt. Ein Anteil der in den vergangenen Jahren geradezu rasant gestiegen ist.

Auch Eva Stüber, Leiterin Forschung und Beratungsabteilung am Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln, beobachtet die Entwicklung. Sowie eine weitere Folge der Digitalisierung für die Händler: "Der Druck auf die Margen wächst stetig." Die Ursache dafür sieht Stüber vor allem in der zunehmenden Transparenz durch das Internet.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung