Otto greift Amazon mit Logistikdienstleistungen an Wie Otto Amazon Händler abjagen will

Logistikzentrum von Amazon: Künftig will auch Otto solche Dienste für kleine Händler organisieren

Logistikzentrum von Amazon: Künftig will auch Otto solche Dienste für kleine Händler organisieren

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

In Sachen Logistik lief es bei der Otto-Group zuletzt nicht so gut. Weil es für den Versandhändler immer schwieriger wird, geeignetes Personal für seine Logistiktochter Hermes zu bekommen, und sich die steigenden Kosten nur schwer an die Endkunden weitergeben lassen, sucht der Hamburger Versandhändler aktuell nach einem Partner, der bei Hermes einsteigt oder sogar die Mehrheit übernimmt. Probleme, wie sie ähnlich auch die Konkurrenz hat. Die Post schrieb im Brief- und Paketgeschäft zuletzt sogar rote Zahlen.

In einem anderen Bereich witterte der Hamburger Traditionshändler hingegen jede Menge Potenzial, das er mithilfe eines noch ziemlich jungen Eigengewächses  heben will: Im Fullfillment - das heißt mit Dienstleistungen für Onlinehändler, vom Lager über Verpackung und Versand bis hin zur Bearbeitung von Retouren. Auf diesem Gebiet will Otto dem Platzhirschen Amazon nun Konkurrenz machen.


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An sich ist Fullfillment kein neuer Geschäftszweig für Otto. Über seine Töchter Hermes- oder Baur-Fullfillment bietet der Versandhändler schon jetzt Kunden entsprechende Dienste an.

Nun haben sich die Hamburger jedoch einen neuen Kundenkreis herausgepickt, der bisher nicht von den firmeneigenen Dienstleistern bedient wurde: Kleine und mittelgroße Händler. Ein Klientel, das bislang vor allem Konkurrent Amazon mit seiner Offerte Fullfillment by Amazon (FBA) bediente.

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Auf acht Milliarden Euro schätzen Experten den deutschen Fullfillment-as-a-Service-Markt aktuell. Rund 2,8 Milliarden entfallen dabei auf kleine Kunden, wie sie Otto nun mit seiner Tochter ODC ins Visier nehmen will. Europaweit liegt der Anteil demnach sogar bei mehr als 15 Milliarden Euro.

ODC, (ondemandcommerce.de), das keine eigenen Warenhäuser und Logistikdienste betreibt, sondern nur die Technologie stellt und als Fullfillment-Partner agiert, ermöglicht es den Händlern nach eigenen Angaben, ohne Grundgebühr und Mindestvolumen ihre Shops an die Plattform anzubinden. Über diese organisiert er für die Händler dann das gesamte Handling: von Warenhauslagerung und Kommissionierung über das Einpacken bis hin zur Auslieferung und bei Bedarf sogar das Handling von Retouren.

Wie ODC gegenüber Amazon punkten will

Und selbst das Versendung von Produkten, die über den Marktplatz bei Amazon verkauft wurden, hat ODC im Angebot. Auch die Anforderung, die Amazon an sogenannte "Prime-by-Merchant"-Händler stellt, erfüllt ODC als Fullfillment-Partner nach eigenen Angaben.

Dafür arbeitet ODC deutschlandweit mit Dienstleistern in den verschiedenen Bereichen zusammen - im Logistikbereich unter anderem mit Anbietern wie Hermes, DHL oder DPD. Auch Same-Day-Delivery oder der Versand von Kühlware ist in einigen Städten bereits verfügbar.

Bislang hat ODC, das am 1. Oktober offiziell an den Start gegangen ist, nach eigenen Angaben 60 Kunden - vor allem kleinere Start-ups wie den Nahrungsergänzungsmittelhändler Ahead, das Modelabel Souleway oder das Food-Start-up Edamama.

Doch ODC-CEO Christian Athen hat große Pläne - und mit der Otto-Gruppe Strukturen im Rücken, die beim Wachsen enorm helfen dürften. So ist Otto aktuell dabei, sein Plattformgeschäft auszubauen und immer mehr externe Händler auf Otto.de zu holen. Bislang konzentriert sich der Versandhändler dabei noch auf Kunden mit mehr als 1000 Artikeln im Sortiment. Doch diese Schwelle soll künftig sinken - was für ODC weitere Kunden bringen könnte.

Über die Einkaufszentrumsentwickler ECE gebe es zudem die Option in deutschen Innenstädten so genannte Microdepots zu betreiben, stellt Athen in Aussicht. Innerstädtische Lager, die die Auslieferung in Metropolen deutlich erleichtern und vor allem schneller machen dürften.

Zunächst will sich das erst 2018 gegründete ODC erst einmal aufs Deutschlandgeschäft konzentrieren, wie Athen sagt. Doch eine Ausweitung auf den europäischen Markt und auch darüber hinaus ist bereits angedacht.

Wachstumsambitionen, die selbst einem Jeff Bezos Freude machen würden. Wären es nicht die eines Konkurrenten, der ihm das eigene Geschäft streitig machen will.

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