Dienstag, 22. Oktober 2019

Offerte aus Österreich Osram empfiehlt Aktionären AMS-Angebot - notgedrungen

Osram-Logo: Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen ihren Aktionären die Annahme des Angebots von AMS - aber nur aus finanziellen Gründen

Der österreichische Halbleiterhersteller AMS ist so gut wie am Ziel: Vorstand und Aufsichtsrat des Münchener Lichtkonzerns Osram empfehlen ihren Aktionären die Annahme des Übernahmeangebots - allerdings nur aus finanzieller Sicht. Die Bedenken am Konzept der Österreicher bleiben. Die Aktie von Osram Börsen-Chart zeigen stieg am Montag leicht um 0,3 Prozent auf 37,66 Euro und notierte damit weiter unterhalb des von AMS angebotenen Kaufpreises von 38,50 Euro je Aktie.

Vorstand und "mehrheitlich auch der Aufsichtsrat" seien nach sorgfältiger Prüfung zu dem Entschluss gekommen, dass die Offerte "aus finanzieller Sicht" attraktiv sei, teilte der Konzern am Montag in München mit. In den Gremien gebe es aber Bedenken zum vorgelegten Konzept, hieß es. Die finanzielle Attraktivität sei jedoch höher zu gewichten als die Kritikpunkte.

AMS hatte Osram Anfang September 38,50 Euro je Aktie geboten und den Lichtkonzern damit mit insgesamt 3,7 Milliarden Euro bewertet. Mit ihrem Angebot durchkreuzten die Österreicher die Pläne der Finanzinvestoren Bain und Carlyle, die in ihrer im Juli unterbreiteten Offerte nur 35 Euro je Aktie geboten hatten. Damals hatten Vorstand und Aufsichtsrat sich einhellig für das Angebot von Bain und Carlyle ausgesprochen.

Konzept von Bain und Carlyle sei tragfähiger

Aus Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat sei das unternehmerische Konzept von Bain und Carlyle insgesamt tragfähiger, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme beider Gremien zur AMS-Offerte. Während die beiden Finanzinvestoren Osram als Ganzes erhalten wollen, will AMS sich Osram einverleiben. Der Sensorspezialist interessiert sich für das Opto-Halbleiter-Geschäft und die Autozuliefersparte. Von der Digitalsparte und der LED-Produktion für das Verbrauchergeschäft wollen sich die Österreicher trennen.

AMS hat zwar zugesagt, Teile der Osram-Produktion aus Asien nach Deutschland zu verlagern und damit den Standort Regensburg zu stärken. Osram bezweifelt allerdings, dass dieser Plan aufgeht. Die angestrebte Verlagerung aus Malaysia nach Bayern sei schwieriger und für das Geschäft weniger erfolgversprechend als von AMS angenommen. Insgesamt seien die Kostensenkungen von 300 Millionen Euro im Jahr, die AMS bei einer Zusammenlegung beider Konzerne einkalkuliert, keineswegs sicher. Osram äußerte auch die Befürchtung, dass AMS mit einer Integration des dreimal so großen deutschen Konzerns scheitern könnte. AMS setzte im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Euro um, Osram mehr als vier Milliarden Euro.

Osram-Chef Berlin will Aktien nicht an AMS verkaufen

Der Konzernbetriebsrat lehnte die Offerte vollständig ab. Er sprach AMS die Fähigkeit ab, einen Konzern wie Osram zu integrieren. Auch das Gros der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsgremium sprach sich einem Unternehmenssprecher zufolge dagegen aus. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet unter AMS einen Stellenabbau. Osram beschäftigt weltweit rund 25.000 Mitarbeiter, davon rund 6500 in Deutschland.

Osram-Chef Olaf Berlien und fünf Aufsichtsratsmitglieder kündigten an, ihre Aktien nicht an AMS verkaufen zu wollen. Darunter seien zwei Vertreter der Anteilseigner, teilte Osram mit. Lediglich zwei weitere Aufsichtsratsmitglieder, die ebenfalls Osram-Aktien halten, wollten diese an AMS veräußern. In der Stellungnahme zum Angebot von Bain und Carlyle hatten alle diese Spitzenmanager noch einhellig angekündigt, ihre Anteile den Investoren anzudienen.

Die Aktionärsstruktur ist bei Osram breit aufgestellt, zu den Großaktionären gehört unter anderem die Investmentgesellschaft der Allianz, AGI, mit insgesamt gut 9 Prozent. Finanzkreisen zufolge ist die Gesellschaft bereit, ihr Aktienpaket zu verkaufen. "Wenn sich keine besseren Optionen ergeben, wird Allianz Global Investors seine Aktien AMS andienen", sagte eine mit den Plänen vertraute Person. AGI wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Das Angebot von Bain und Carlyle hatte AIG zuvor als zu niedrig abgelehnt.

AMS will europäische Weltmarktführer schaffen

Trotz des Widerstands von Osram scheint der Deal damit so gut wie in trockenen Tüchern zu sein. AMS zieht dennoch alle Register und versucht jedwedes Risiko auszuschließen. So kauften die Österreicher bereits Aktien über die Börse und kommen nun auf einen Anteil von rund 2,8 Prozent. Zudem hat das Unternehmen die Mindestannahmequote von 70 auf 62,5 Prozent gesenkt. Und über die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro sollen die eigenen Aktionäre bereits Ende Oktober abstimmen. Mit dem Geld will AMS einen Teil der Kredite zur Osram-Übernahme finanzieren.


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AMS selbst sieht in dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen die Chance, einen europäischen Weltmarktführer in der Beleuchtungselektronik aufzubauen. "Die Kombination schafft neue Märkte", sagte AMS-Vorstandschef Alexander Everke am Montag in München. Den Widerstand der IG Metall und des Osram-Betriebsrats will AMS überwinden: "Wir wollen und werden dort nicht aufgeben und einen konstruktiven Dialog haben", sagte Everke. Im Zuge der Übernahme sollten zwar "mehrere hundert Stellen" in Deutschland abgebaut werden, aber auch einige hundert Ingenieure eingestellt werden. Die Offerte für Osram läuft noch bis 1. Oktober, ebenso wie die Offerte von Bain und Carlyle.

mg/dpa-afx, rtr

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