Rekordumsatz im Corona-Jahr Onlinehandel will 100-Milliarden-Grenze knacken

Läden dicht und das Virus allgegenwärtig – die Deutschen kaufen deshalb mehr online ein. Der E-Commerce werde aber auch nach Corona wachsen, ist der Branchenverband überzeugt. Der Trend sei unumkehrbar.
Pakete, Pakete, Pakete: Logistikzentren wie jenes von Amazon in Leipzig müssen angesichts fortlaufend steigender Onlinebestellungen immer mehr Waren umschlagen

Pakete, Pakete, Pakete: Logistikzentren wie jenes von Amazon in Leipzig müssen angesichts fortlaufend steigender Onlinebestellungen immer mehr Waren umschlagen

Foto: Peter Endig/ dpa

Das geänderte Konsumverhalten der Deutschen hat dem Onlinehandel im Corona-Jahr 2020 ein kräftiges Wachstum beschert. Der Bruttoumsatz von Waren im E-Commerce  stieg um 14,6 Prozent auf 83,3 Milliarden Euro, teilte der Branchenverband BEVH am Dienstag mit. Mehr als jeder achte Euro, den die Haushalte in Deutschland für Waren ausgaben, sei damit in den Kassen der Onlinehändler gelandet. Verbraucher kauften im Internet vor allem deutlich mehr Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Drogeriewaren und Medikamente.

"Die Corona-Pandemie hat die Entwicklung des Handels hin zum E-Commerce deutlich beschleunigt", erklärte Verbandspräsident Gero Furchheim. "Diese Entwicklung wird sich nicht mehr umkehren." Der Kauf im Internet sei im Alltag der Menschen angekommen. Für dieses Jahr setzt die Branche auf 12,5 Prozent Wachstum bei Waren. Die Umsätze für verkaufte Waren und Dienstleistungen könnten im laufenden Jahr erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten, teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel weiter mit.

Medikamente und Lebensmittel mit starken Zuwächsen

Der Umsatz mit Medikamenten im Internet erhöhte sich 2020 massiv um fast 54 Prozent, der Handel mit Lebensmitteln sogar um zwei Drittel. Der Handel mit Drogeriebedarf kletterte um über 35 Prozent.

Digitale Dienstleistungen brachen allerdings massiv um 52,8 Prozent ein, Furchheim sprach von einem "brutalen Rückgang". Denn wegen der Reisebeschränkungen gingen Buchungen rund um Reisen um fast 46 Prozent zurück, Käufe von Flug-, Bahn- und Bustickets sowie Mietwagen um knapp 63 Prozent. Event-Tickets für Sport, Konzerte, Theater und Kino sackten im Lockdown sogar um drei Viertel ab.

Fast jeder dritte Onlinekäufer war 2020 älter als 60 Jahre, nach knapp einem Viertel in 2019, wie aus einer Studie im Auftrag des BEVH hervorgeht. Vier von zehn Kunden kaufen inzwischen mehr als einmal pro Woche im Netz ein. Fast drei von vier Nutzern wollen demnach künftig mehr oder genauso viel im Internet bestellen. Vor einem Jahr hatte nur gut jeder Zweite dies vor.

40 Prozent kaufen mehr als einmal wöchentlich online ein

Fast jeder zweite im E-Commerce umgesetzte Euro wurde auf Onlinemarktplätzen und sogenannten Plattformen verdient. Grund für das Wachstum von gut 20 Prozent ist laut Verband ein Zuwachs an großen und kleinen Händlern, die über diese Infrastruktur im Internethandel erstmals aktiv geworden sind.

Was im Internet bestellt wird, müssen Logistiker liefern. Die Deutsche Post profitierte vom Onlinehandel im Corona-Jahr erheblich: Der Paketboom hatte sich zum Jahresende noch mal beschleunigt und bescherte der Post 2020 einen Vorsteuergewinn von 4,8 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr soll das Ergebnis auf 5,4 Milliarden Euro klettern.

rei/Reuters/DPA
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