Onlinebaumarkt ManoMano „Bauhaus, Obi und Hornbach sollten sich Sorgen machen“

Baumärkte wie Bauhaus, Obi oder Hornbach haben in der Krise einen Boom erlebt. Nun will der Online-Marktplatz ManoMano den Markt aufmischen – und hat dabei namhafte Investoren und ordentlich Anschubfinanzierung im Rücken.
ManoMano-Gründer: Philippe de Chanville (l.) und Christian Raisson

ManoMano-Gründer: Philippe de Chanville (l.) und Christian Raisson

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Audoin Desforges / Audoin Desforges / Pasco

Einhörner, Start-ups mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar, traben derzeit in Herden durch die deutsche und die europäische Start-up-Landschaft. Allein im vergangenen Jahr kamen laut einer Aufstellung des Tech-Investors GP Bullhound 52 dazu.

Nun ist die Herde wieder gewachsen: Die französische Online-Heimwerkerplattform ManoMano hat von namhaften Investoren 355 Millionen Dollar eingesammelt, unter den Geldgebern sind Namen wie Dragoneer (Spotify, Uber, AirBnB), der singapurische Staatsfonds Temasek oder General Atlantic.

Mit einer Bewertung von 2,6 Milliarden Dollar wagt ManoMano-Gründer Phil­ippe de Chan­ville (41) nun den Angriff auf die Großen der Branche: auf Bauhaus, Obi und Hornbach. Und könnte dabei vom massiven Trend zu E-Commerce im Baumarktbereich profitieren.

Zwar sieht die Plattform mit ihren 113 Millionen Euro Umsatz in Deutschland derzeit noch relativ winzig aus im Milliardenmarkt der Baumärkte, allerdings ist das Wachstum immens. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 165 Prozent.

In Frankreich ist die Plattform bereits profitabel

Noch größer sind die Ambitionen. Mit dem frischen Kapital will de Chan­ville die Werbeausgaben in Deutschland erhöhen und die Markenbekanntheit seiner Plattform hierzulande steigern, kündigte er im Gespräch mit manager magazin an. Er will Deutschland mit seinem Do-it-yourself-Milliardenmarkt Euro zum größten Markt für ManoMano machen. Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre soll mindestens die Milliardenmarke beim Umsatz fallen, sagt er.

Die Franzosen sehen sich selbst als Zalando der Baumarktbranche. Im Vergleich zu den Wettbewerbern unterhält der Newcomer keine eigenen stationären Läden mit eigener Ware. Die Franzosen agieren als Verkaufsplattform, mit der sie Händler, Hersteller und Endkunden verbinden und diese auch durch Experten virtuell beraten lassen – und kassieren dafür eine in der Regel eine niedrige zweistellige Marge.

Im Heimatland Frankreich funktioniert das bereits profitabel. Mehr als 10 Millionen verschiedene Produkte sind dort auf der Plattform zu finden, jeder zweite Franzose kennt die Marke bereits. In anderen Ländern sind die Franzosen noch nicht so weit. In Spanien und Großbritannien liegt die Markenbekanntheit immerhin bei gut 30 Prozent, in Deutschland kennt gerade einmal jeder Zehnte ManoMano, räumt de Chanville ein.

Der europaweite Umsatz hat sich zuletzt verdoppelt

Insgesamt erzielte die Heimwerkerplattform im vergangenen Jahr europaweit einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro, 60 Prozent davon in Frankreich. Im Vergleich zu 2019 hat sich der Umsatz im vergangenen Jahr europaweit verdoppelt. Für ihre Pläne wollen die Franzosen in den kommenden 18 Monaten 1000 neue Mitarbeiter anheuern – einen beträchtlichen Teil davon in Deutschland.

Daran, dass Online noch viel zu holen ist, haben die ManoMano-Gründer und ihre Investoren keine Zweifel. "Die Menschen haben in der Pandemie gemerkt, dass man viel online bestellen und sich bequem in die Wohnung liefern lassen kann: auch Heimwerkerbedarf", sagt de Chanville. Einen Online-Anteil von 25 bis 40 Prozent hält er in den kommenden Jahren für möglich.

Doch auch Bauhaus, Obi und Hornbach haben in den vergangenen Monaten online aufgerüstet und ihr Online- sowie Click-und Collect-Angebot deutlich ausgeweitet. So erwirtschaftete Hornbach über diese Kanäle im vergangenen Jahr pandemiebedingt bereits rund 17 Prozent seiner etwa 5,5 Milliarden Euro Umsatz.

Das schreckt de Chanville nicht, er will den Etablierten in ihrer kommoden Nische in den kommenden Monaten deutlich mehr Konkurrenz machen. "Bauhaus, Obi und Hornbach sollten sich Sorgen machen", sagt er. "In drei, vier Jahren wird in der Baumarktbranche nichts mehr so sein wie früher."

mihec
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