Bilanz des Mischkonzerns Oetker hofft auf Ende des Familienstreits

Lange hat es beim ostwestfälischen Mischkonzern gekriselt. Nun hat Firmenchef Richard Oetker angekündigt, noch in diesem Jahr eine Einigung zwischen den streitenden Familienmitgliedern zu erzielen. Knackpunkt ist die Nachfolge im Konzern.
Ende der Krise in Sicht? Die persönlich haftenden Gesellschafter Richard Oetker (r.) und Albert Christmann auf der Oetker-Bilanzpressekonferenz am Dienstag

Ende der Krise in Sicht? Die persönlich haftenden Gesellschafter Richard Oetker (r.) und Albert Christmann auf der Oetker-Bilanzpressekonferenz am Dienstag

Foto: DPA

Bielefeld - Der Familienstreit im ostwestfälischen Mischkonzern Oetker soll noch in diesem Jahr beendet werden. "Ja, es gab unterschiedliche Meinungen zur Strategie", räumte Konzernchef Richard Oetker am Dienstag bei der Vorstellung der Konzernbilanz für das Geschäftsjahr 2013 ein. Allerdings werde man sich familienintern in den verbleibenden sechseinhalb Monaten des Jahres wohl noch einigen. "Auf keinen Fall hat sich das bislang auf das operative Geschäft ausgewirkt."

Zerstritten hat sich die einstige Vorzeigefamilie der deutschen Wirtschaft über die familieninterne Nachfolge. Alfred Oetker, Halbbruder des Konzernchefs, will diesen im Jahr 2016 beerben. Die ältere Generation um Richard Oetker bevorzugt jedoch einen externen neuen Chef. Bis vor ein Schiedsgericht hat der Streit die Familie bereits geführt.

Oetker blickte am Dienstag auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr zurück. Die Entwicklung sei in einigen Segmenten unter den Erwartungen geblieben, das Ergebnis sei dennoch "im zufriedenstellenden Bereich", sagte der Konzernchef. Der Umsatz sank um 0,9 Prozent auf 10,84 Milliarden Euro - vor allem wegen des um 3,9 Prozent auf 5,25 Milliarden Euro gefallenen Umsatzes der Reederei Hamburg Süd. Die Sparte macht fast die Hälfte des Umsatzes der gesamten Gruppe aus.

Im Reedereigeschäft drücken vor allem der schwache Dollar sowie sinkende Frachtraten aufs Geschäft. Der Oetker-Konzern hatte lange mit der Reederei Hapag Lloyd über eine Fusion verhandelt, dann allerdings die entsprechenden Gespräche abgebrochen. Hintergrund sollen Meinungsverschiedenheiten unter den Gesellschaftern gewesen sein, den acht Kindern des 2007 verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker. Hapag Lloyd hat sich inzwischen mit der chilenischen Reederei CSAV zusammengetan.

Trotz des Umsatzminus der Reederei und einer Stagnation bei Deutschlands größter Brauereigruppe Radeberger, die ebenfalls zu Oetker gehört, könne man sich im Konzern nicht vorstellen, eine ganze Sparte zu verkaufen, sagte Finanzchef Albert Christmann am Dienstag. Eher denke man angesichts voller Kassen und einer stark gesunkenen Schuldenlast an Unternehmens-Zukäufe. Allerdings fehlt es derzeit wohl noch an passenden Übernahmekandidaten.

Ungeachtet des stagnierenden Geschäfts will die Unternehmensgruppe ihre Ziele nicht korrigieren. Im vergangenen Jahr hatte der damalige Finanzchef Ernst F. Schröder bekräftigt, den Umsatz der Gruppe innerhalb von zehn Jahren verdoppeln zu wollen. "Ich sehe keinen Grund, von diesem Ziel abzuweichen", sagte Richard Oetker am Dienstag - obwohl er eingestehen musste, dass auch das Jahr 2014 "sehr durchwachsen" angelaufen sei.

luk/dpa
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