Dienstag, 28. Januar 2020

Apothekenmodelle Pillen vom Parkplatz

Apotheke der Zukunft: Wo wir künftig Medikamente kaufen
Easyapotheke

Für ihre Gesundheit greifen die Deutschen immer tiefer in die Tasche - oft auch für rezeptfreie Mittelchen. Ein paar findige Unternehmer nutzen die Chancen, die der wachsende Markt bietet - und machen sich damit nicht nur Freunde.

Hamburg - Winterzeit ist Erkältungszeit. Auf der Straße, in der U-Bahn, auf Plakaten und sogar im Fitnessstudio werben die Verkäufer diverser Gesundheitsmittel derzeit um die Gunst der Kunden. Rabattcoupons, Pröbchen und Sonderangebote, wohin man sieht.

Es geht um viel Geld. Für Mittel zur Gesundheitspflege, die sogenannen OTC-Produkte (Over the Counter-Produkte ) greifen die Deutschen immer tiefer in die Tasche. Alleine im vergangegen Jahr waren es - je nachdem welchem Marktforscher man glaubt - zwischen 7,2 und 8,2 Milliarden Euro, die für die rezeptfreie Selbstmedikation flossen.

Schnupfensprays, Halstabletten und Grippemittel waren dabei die Umsatzbringer Nummer eins.

Bislang war das ein Geschäft, das vor allem die Apotheken machten. Und das sie nun mit Zähnen und Klauen verteidigen wollen. Zwar machen OTC-Produkte nur rund 16 Prozent des Gesamtumsatzes einer durchschnittlichen deutschen Apotheke aus. An manchen Standorten sind es Experten zufolge jedoch bis zu 70 Prozent.

OTC-Markt: Apotheken gegen Drogerie gegen Supermarkt

"Anders als bei verschreibungspflichtigen Medikamenten, kann eine Apotheke hier die Menge beeinflussen", sagte der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen. Entsprechend groß ist die Fläche, auf denen Apotheker denn auch ihr OTC-Angebot präsentieren.

Doch Konkurrenz, die am Kuchen mitverdienen will, wächst stetig. Vom Discounter über den normalen Lebensmittelhändler bis zum Drogeriemarkt - immer wieder gibt es Versuche, OTC-Produkte vom Hustenstiller über Gesundheitswässerchen bis hin zur eigentlich apothekenexklusiven Kosmetiklinie im eigenen Sortiment zu verankern.

Tendenzen, die die Apotheker mit juristischen Mitteln und mit ihrer Marktmacht im Keim zu ersticken suchen. An den Onlinehandel haben viele traditionelle Apotheker bereits Umsatz verloren. Geschätzt rund eine Milliarde Euro - rund 3 Prozent des Umsatzes - laufen bereits über den Onlinekanal.

Tatsächlich sind die Zeiten für die deutschen Apotheker in der Vergangenheit schwieriger geworden - auch wenn sich die Situation angesichts von Zugeständnissen aus der Politik zuletzt wieder gebessert hat. So macht eine durchschnittliche Apotheke in Deutschland mit 1,35 Millionen Euro Umsatz nach Betriebskosten rund 67.000 Euro Betriebsgewinn. Das sind 20.000 Euro mehr als im Vorjahr. Doch die Zeiten waren für die Apotheker schon einmal rosiger: 2003 strichen sie noch 7,4 Prozent des Umsatzes als Gewinn ein - heute sind es 6,4 Prozent.

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