Spieleportfolio verdoppelt Netflix baut Gaming-Sparte aus – doch nur wenige Kunden wollen spielen

Damit die Netflix-Nutzerzahlen nicht noch weiter abstürzen, will der weltgrößte Streamingdienst die Gaming-Branche aufmischen. Hohe Investitionen fließen in das Spieleportfolio – das bislang allerdings fast niemanden interessiert.
Netflix will Gaming-Sparte aufmischen: Wer aktuell Netflix abonniert, bekommt auch Zugriff auf fast 30 kostenlose Spiele

Netflix will Gaming-Sparte aufmischen: Wer aktuell Netflix abonniert, bekommt auch Zugriff auf fast 30 kostenlose Spiele

Foto: Rafael Henrique / SOPA Images / LightRocket via Getty Images

Lange kannte das Wachstum von Netflix keine Grenzen. Doch seit Jahresbeginn verliert der weltgrößte Streamingdienst Kunden: Im ersten Quartal dieses Jahres verabschiedeten sich 200.000 Abonnenten, im zweiten Quartal kündigten 970.000 weitere. So viele Kunden hatte Netflix binnen so kurzer Zeit noch nie verloren. Allerdings war Netflix-Chef Reed Hastings (61) für das zweite Jahresviertel von einem noch größeren Verlust ausgegangen.

Auch die Anleger spüren den Abwärtssog: Nachdem die Netflix-Aktie  zu Jahresbeginn noch 600 US-Dollar wert war, büßte sie fast zwei Drittel an Wert ein. Aktuell notiert sie bei etwa 230 US-Dollar. Die Aktie dürfte zu den größten Verlierern des Börsenjahres gehören, wie das manager magazin bereits im April prophezeit hat. 

Nach jahrelang rasantem Wachstum leidet Netflix vor allem unter Rivalen wie Walt Disney, Warner Bros Discovery und Apple, die stark in ihre eigenen Streaming-Dienste investierten. Für den Streaming-Pionier sind die neuen Zahlen ein weiteres Warnzeichen.

Hohe Investition in das Gaming-Geschäft

Der Rückgang bei den Abonnentenzahlen drängt zum Umbau des Geschäftsmodells. Der Tech-Riese ist ins Geschäft mit Spielen eingestiegen. Wer aktuell Netflix abonniert, bekommt seit November 2021 auch Zugriff auf 24 kostenlose Spiele. Sie müssen als App heruntergeladen werden. Noch in diesem Jahr soll sich die Anzahl der Spiele im Portfolio verdoppeln. Dafür hat der Konzern unter anderem das Spielestudio Next Games für 65 Millionen Euro gekauft.

Ob die Millioneninvestition die richtige Krisenstrategie ist, ist fraglich. Denn laut Daten des App-Analyse-Unternehmens Apptopia nutzt kaum ein Netflix-Kunde dieses Angebot bisher, wie CNBC berichtet . Apptopia zufolge wurden die Netflix-Games insgesamt 23,3 Millionen Mal heruntergeladen und werden durchschnittlich von 1,7 Millionen Nutzern pro Tag gespielt. Klingt nach einer ordentlichen Zahl, doch im Vergleich zur Gesamtzahl der Netflix-Abonnenten macht das weniger als ein Prozent der 221 Millionen Kunden aus. Beliebte Handyspiele wie "Subway Surfers", "Roblox" und "Among Us", verzeichnen laut Apptopia jeweils mehr als 100 Millionen Downloads.

Dabei habe das Unternehmen laut dem leitenden Geschäftsführer Greg Peters gegenüber CNBC "viele Monate und, offen gesagt, Jahre" damit verbracht, Spiele einzuführen.

Ein Grund für die geringe Nutzerzahl der Netflix Games könnte sein, dass viele Nutzer noch nicht von dem Angebot wissen. Denn die Kategorie "Mobile Games spielen" findet sich mit dem Handy erst am unteren Ende der Netflix-Startseite. Wer am Rechner zugreift, findet die Kategorie gar nicht.

Netflix ist auf dem Gaming-Markt aktuell noch recht unsichtbar. Ob sich das mit dem neuen Spiele-Portfolio ändert, bleibt abzuwarten.

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