Lebensmittel-Riese Nestlé will Milliarden in Klimaschutz investieren

Saubere Lieferketten, mehr Produkte aus regenerativer Landwirtschaft, Umstellung auf 100 Prozent Ökostrom, 20 Millionen neue Bäume jedes Jahr – Nestlé startet eine milliardenschwere Klimainitiative.
Zucht junger Bäume in Peru: Nestlé will sein Wiederaufforstungsprogramm in Ländern, aus denen es Rohstoffe für die Produktion bezieht, deutlich ausweiten

Zucht junger Bäume in Peru: Nestlé will sein Wiederaufforstungsprogramm in Ländern, aus denen es Rohstoffe für die Produktion bezieht, deutlich ausweiten

Foto: Marc DEVILLE/ AFP

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé will in den nächsten Jahren für die Senkung seiner CO2-Emissionen 3,2 Milliarden Franken (2,95 Milliarden Euro) ausgeben. Unter anderem durch die Einführung der regenerativen Landwirtschaft entlang der gesamten Lieferkette soll bis 2050 das Netto-Null-Ziel erreicht werden, teilte der Lebensmittel-Riese am Donnerstag mit . Bis 2030 will Nestlé zudem seinen CO2-Ausstoß auf die Hälfte reduzieren. Am Donnerstag veröffentlichte das Unternehmen deshalb erstmals einen detaillierten Aktionsplan , wie es diese Klimaziele erreichen will. "Die Bewältigung des Klimawandels kann nicht warten", heißt es hierzu von Nestlé-Chef Mark Schneider (55).

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern konnte seinen direkten Treibhausgas-Ausstoß zwar seit 2010 um 17 Prozent senken. 2019 pustete Nestlé aber immer noch direkt und indirekt 5,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent in die Atmosphäre. Der Konzern hatte sich im vergangenen Jahr auf die Klimaziele der Vereinten Nationen verpflichtet und sich damit selbst unter Druck gesetzt, einen Klima-Fahrplan zu erstellen.

Während andere Konzerne wie etwa Siemens bereits bis 2030 klimaneutral sein wollen, strebt Nestlé dieses Ziel erst für 2050 an. "Wir betreiben keine Schwerindustrie. Mindestens zwei Drittel der Treibhausgase entstehen außerhalb unserer vier Wände, ein großer Teil in der Landwirtschaft", erklärte Konzernchef Schneider im Interview mit dem manager magazin.  "Wir müssen von Produkt zu Produkt schauen, wie wir es insgesamt klimafreundlicher herstellen können. Wir müssen gemeinsam mit unseren Lieferanten deren Produktionsprozesse verbessern."

Nestlé will mehr Produkte aus regenerativer Landwirtschaft

Von den erwarteten 3,2 Milliarden Franken an Investitionen werden laut der Mitteilung rund 1,2 Milliarden in die Einführung und Ausweitung der regenerativen Landwirtschaft gesteckt. Dadurch sollen etwa die Bodengesundheit verbessert und Ökosysteme wiederhergestellt werden. So will sich Nestlé nach eigenen Aussagen an den erforderlichen Investitionen der Bauern beteiligen, die Abnahmemengen erhöhen und den Bauern zugleich einen höheren Preis für die nach regenerativen Anbauverfahren erzeugten Produkte zahlen.

Bereits jetzt arbeitet Nestlé eigenen Angaben zufolge mit mehr als 500.000 Bauern und 150.000 Lieferanten zusammen, um sie bei der Anwendung von regenerativen Anbauverfahren zu unterstützen. Nestlé geht davon aus, so bis 2030 mehr als 14 Millionen Tonnen seiner Zutaten aus regenerativer Landwirtschaft beziehen zu können und damit die Nachfrage nach solchen Erzeugnissen anzukurbeln. Wegen des großen Emissionsanteils der Landwirtschaft liege es auf der Hand, dass die regenerative Landwirtschaft und die Wiederaufforstung Schwerpunkte auf Weg zum Netto-Null-Ziel seien, erläuterte Magdi Batato, Executive Vice President von Nestlé.

Nestlé will 20 Millionen Bäume pflanzen - pro Jahr

Der Schweizer Lebensmittel-Konzern kündigte zudem an, sein Wiederaufforstungsprogramm auszuweiten. So wolle Nestlé in den nächsten zehn Jahren in den Erzeugerländern jährlich 20 Millionen Bäume anpflanzen. Mehr Bäume bedeuten mehr Schatten für die Anbaupflanzen, mehr Bindung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre, höhere Erträge und Biodiversität sowie gesündere Böden. Auch sollen bis 2022 die Lieferketten der wichtigsten Agrarerzeugnisse wie Palmöl und Soja abholzungsfrei sein.

Als weitere Maßnahme will Nestlé aber auch bei seiner eigenen operativen Tätigkeit sparen. So will der Konzern innerhalb der nächsten fünf Jahre sämtliche 800 Standorte in 187 Ländern auf 100 Prozent Ökostrom umstellen und seine Fuhrparks auf umweltschonendere Fahrzeuge umstellen.

Auch beim Produktportfolio wolle das Unternehmen mehr "CO2-neutrale Marken" anbieten. Als Richtwert diene Nestlé dabei der Treibhausgasausstoß von 2018, der sich auf 92 Millionen Tonnen belief.

Die Investitionen werden der Mitteilung  zufolge "primär durch operative und strukturelle Effizienzsteigerungen finanziert, um die Initiative ergebnisneutral zu gestalten".

rei/dpa-afx
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