Nestlé und Co. Edeka-Chef warnt vor Preistreiberei

Der Lebensmittelriese Nestlé verdient gut, denn steigende Preise wälzt er auf die Kunden ab. Der Großhändler Edeka kritisiert dieses Verhalten und fordert mehr Solidarität ein. Es dürften nicht allein Verbraucher leiden, warnt Edeka-Chef Mosa.
"Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden": Edeka-Chef Markus Mosa appelliert an die Lebensmittelhersteller und spricht zugleich eine Warnung aus

"Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden": Edeka-Chef Markus Mosa appelliert an die Lebensmittelhersteller und spricht zugleich eine Warnung aus

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

Preiserhöhungen haben das Wachstum des Nahrungsmittelriesen Nestlé im ersten Quartal angeschoben. Der Umsatz des Schweizer Konzerns kletterte von Januar bis März auf 22,2 Milliarden Franken, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Damit erreichte der Hersteller von Nespresso, Maggi und Kitkat ein um Zukäufe, Verkäufe von Sparten und Währungseinflüsse bereinigtes Plus von 7,6 Prozent. Preiserhöhungen steuerten 5,2 Prozent zu dem Wachstum bei. Mit den höheren Preisen reagiert der Konzern auf steigende Kosten für Rohstoffe, Verpackung, Energie und Transport.

Nestlé wird auch weiter steigende Kosten an Kunden und Verbraucher weiterreichen und die Preise weiter anheben: "Die Kosteninflation steigt weiterhin kräftig an, weshalb im Verlauf des Jahres weitere Preisanpassungen und eindämmende Maßnahmen erforderlich sein werden", sagte Konzernchef Mark Schneider (56) am Donnerstag.

Mit dieser Ankündigung handelt sich Nestlé Kritik ein. So warnte Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka am Donnerstag seine Lieferanten davor, gedankenlos an der Preisschraube zu drehen. Es sei gefährlich, wenn einige Industriekonzerne versuchten, ihre Renditen mit überhöhten Preisforderungen zu maximieren, sagte Edeka-Chef Markus Mosa (54) am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz für 2021. "Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden", betonte er. "Wir werden weiterhin jede Forderung sehr genau prüfen", warnte Mosa ohne einzelne Lebensmittelproduzenten beim Namen zu nennen.

"Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden"

Edeka-Chef Markus Mosa

Edeka fordert von der Branche mehr Solidarität ein

Nicht vermeidbare Preis­erhöhungen dürften nicht allein den Verbrauchern aufgebürdet, sondern müssten in der gesamten Wertschöp­fungskette verteilt werden. Der Krieg in der Ukraine verschärfte die zuletzt steigende Inflation. In Deutschland hatten sich Nahrungsmittel im März binnen Jahresfrist bereits um 6,2 Prozent verteuert.

Der Edeka-Verbund steigerte im vergangenen Jahr den Umsatz um 2,9 Prozent auf 62,7 Milliarden Euro. Allein 34,7 Milliarden Euro davon entfielen auf die Supermärkte der rund 3500 selbstständigen Edeka-Händler. Rund 14,7 (Vorjahr: 14,6) Milliarden Euro steuerte der Discounter Netto bei. Edeka hatte sich unter anderem auch mit Filialen des Konkurrenten Real verstärkt. Erzrivale Rewe hatte 2021 den Gesamtaußenumsatz im Konzern um 2,5 Prozent auf 76,5 Milliarden Euro hochgeschraubt.

Nestlé erwartet weiter Ergebnismarge von 17 Prozent

Der Lebensmittelhersteller Nestlé konnte also seine Umsätze deutlich stärker steigern als Deutschlands größter Lebensmittelhändler. Konzernchef Schneider bekräftigte den Ausblick für das Gesamtjahr. Im Februar hatte Nestlé für 2022 ein organisches Plus von rund 5 Prozent und eine operative Ergebnismarge zwischen 17,0 und 17,5 (2021: 17,4) Prozent in Aussicht gestellt. Angesichts des Krieges in der Ukraine und den Sanktionen des Westens klammerte Nestlé das Russland-Geschäft aus den Wachstumszahlen aus. In Russland würden inzwischen nur noch lebensnotwendige Nahrungsmittel verkauft. 2021 hatte der Konzern in Russland 1,7 Milliarden Franken umgesetzt.

Der französische Wettbewerber Danone hatte am Vortag ebenfalls ein überraschend starkes Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gemeldet und seine Prognose bekräftigt.

rei/Reuters, dpa-afx