Umsatzprognose angehoben Verbraucher zahlen für Nestlés Wachstum

Nestlé bleibt auf Erfolgskurs. Der weltgrößte Lebensmittelhersteller wälzt die Auswirkungen der Inflation auf die Verbraucher ab – um sich selbst zum Wachstum zu verhelfen.
Kann sich freuen: Dank der Preissteigerungen für seine Produkte konnte Nestlé-Chef Mark Schneider den Umsatz des Konzerns in die Höhe schrauben

Kann sich freuen: Dank der Preissteigerungen für seine Produkte konnte Nestlé-Chef Mark Schneider den Umsatz des Konzerns in die Höhe schrauben

Foto: ARND WIEGMANN / REUTERS

Der Nahrungsmittelriese Nestlé hat im zweiten Quartal erneut die Inflation an die Verbraucher weitergegeben. Die Kosten für viele der von dem Unternehmen verkauften Produkte sind um durchschnittlich 6,5 Prozent gestiegen. Das ist der stärkste Preisanstieg im ersten Quartal seit mehr als einem Jahrzehnt.

Nestlé-Chef Mark Schneider sagte in einer Pressekonferenz am Donnerstag, das Unternehmen führe die Preiserhöhungen durch, um die "erhebliche und beispiellose Kosteninflation" in den Griff zu bekommen. Denn so kann der Hersteller von Vittel, Nespresso, Maggi oder Kitkat die eigenen Kosten senken, die von Treibstoff bis hin zu Verpackungen und Arbeitskräften in die Höhe schnellen. Der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Preissteigerungen bei den Energiekosten sowie anhaltende Probleme in den Lieferketten sorgen für die schlimmste Inflation seit Jahrzehnten.

Zwar hat sich der Preisauftrieb in Deutschland im Juli leicht abgeschwächt. Dennoch kosteten Nahrungsmittel im Juli 14,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und auf einen nachhaltigen Rückgang der Teuerung können die Menschen nach Einschätzung von Ökonomen vorerst nicht hoffen, "Im September könnte sie sogar wieder ansteigen, weil dann die temporären Entlastungsmaßnahmen entfallen", schrieb die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngst veröffentlichten Monatsbericht.

Umsatzwachstum von 8 Prozent

"Natürlich tun wir alles, was wir können, um die Verbraucher vor steigenden Preisen zu schützen, aber wir müssen auch unser Unternehmen schützen", sagte Schneider.

Doch offenbar hat der Nestlé-Chef seine gestiegenen Kosten so an die Verbraucher abgegeben, dass das Unternehmen sogar noch seine Ziele erhöhen kann. Der weltgrößte Lebensmittelhersteller rechnet nun mit einem Umsatzwachstum von 7 bis 8 Prozent in diesem Jahr. Bisher war das Unternehmen von etwa 5 Prozent ausgegangen. Der Umsatz mit Kaffee wuchs bereits im hohen einstelligen Bereich, während Süßwaren ein zweistelliges Wachstum verzeichneten. Die Bereiche Säuglingsnahrung, Wasser und Milchprodukte stiegen ebenfalls. Der Schweizer Lebensmittelriese schließt sich den Konkurrenten Unilever und Danone an, die alle ihre Umsatzprognosen in dieser Woche angehoben haben, da die Nachfrage nach teureren Markenartikeln anhält.

Edeka-Chef Markus Mosa (54) ist so erzürnt über die von einigen Lebensmittelherstellern geforderten Preise, dass er gegenüber dem manager magazin über das "Geschäftsgebaren einiger international agierender Konzerne der Markenartikelindustrie" schimpft.  Die Produzenten riefen enorme Preiserhöhungen auf und begründeten dies in der Regel mit den gestiegenen Preisen, vor allem für Rohstoffe. Für Edeka, Rewe und Co. grenzt das an Wucher. "Zahlreiche Konzerne versuchen, auf der aktuellen Inflationswelle mitzureiten", sagt Mosa. Er beobachte "immer häufiger unfaire Industriepraktiken". Viele Forderungen beruhten nicht auf echten Kostensteigerungen; es gehe darum, "Gewinnmargen nicht nur zu festigen, sondern diese sogar kontinuierlich auszubauen".

Während der Umsatz bei Nestle weiter wächst, könnte die Rentabilität jedoch ein zweites Jahr lang sinken. Im April hatte Schneider bereits gewarnt, dass die Einhaltung der Margenprognose seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und dem zunehmenden Inflationsdruck schwieriger geworden sei. Die Margen für das Gesamtjahr liegen nun bei 17 Prozent, dem unteren Ende einer zuvor prognostizierten Spanne von 17 bis 17,5 Prozent.

sio mit Nachrichtenagenturen
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