Umstrittenes Mineralwasser Nestlé stoppt Vittel in Deutschland und Österreich

Der Nahrungsmittelgigant stellt den Verkauf des bekannten Mineralwassers Vittel in Deutschland und Österreich komplett ein. Die umstrittene Wassergewinnung in dem gleichnamigen Ort in Frankreich will der Konzern aber dennoch fortsetzen.
Vittel: Spätestens im Sommer will der Konzern Nestlé das Wasser in Deutschland und Österreich vom Markt genommen haben

Vittel: Spätestens im Sommer will der Konzern Nestlé das Wasser in Deutschland und Österreich vom Markt genommen haben

Foto: imago images/ExSpo

Der Nahrungsmittelriese Nestlé befindet sich mit seinem Mineralwasser Vittel wegen der umstrittenen Wassergewinnung schon länger in der Kritik. Im vergangenen Oktober zeichnete sich ab, dass der wichtige Vertriebspartner Lidl das in Frankreich gewonnene Wasser nicht mehr verkaufen wird. Nun stellt Nestlé das Geschäft mit der Marke Vittel in Deutschland und in Österreich noch vor dem Sommer komplett ein, sagte ein Sprecher auf Anfrage von manager magazin.

Der Schweizer Lebensmittelkonzern begründet den Schritt mit einer veränderten Premium-Strategie in Nestlés Wassersparte. Dieser wird auch die Marke Contrex zum Opfer fallen. Nestlé wolle sein Angebot nun stärker auf die hochpreisigen Marken San Pellegrino und Acqua Panna fokussieren, wie der Sprecher weiter ausführte. Zuvor hatte die "Lebensmittelzeitung"  darüber berichtet.

Hierzulande schwächelt die Marke Vittel dem Bericht zufolge schon länger – vermutlich auch wegen der öffentlichen Kritik rund um die Wasserversorgung im gleichnamigen französischen Quellstandort für das Wasser. Verkaufszahlen nannte der Sprecher nicht, widersprach aber der These, das nun beschlossene Aus für die Mineralwassermarke stünde in einem Zusammenhang mit der Kritik. Der Rückzug aus Deutschland und Österreich habe zudem "keinerlei Konsequenz" für die Marke in anderen Märkten. "In Frankreich zum Beispiel hat Vittel noch eine große Bedeutung."

Zugleich zeigte sich der Sprecher "zuversichtlich" für das Wassergeschäft in Deutschland. Der Konzern wolle mit den Marken San Pellegrino und Acqua Panna verstärkt in den Einzelhandel und die Gastronomie vordringen und sie zugleich weiterentwickeln. So werde das Unternehmen zum Beispiel in Premium-Limonaden unter dem Namen San Pellegrino investieren.

Nestlé hatte bereits im vergangenen Jahr das Wassergeschäft in den USA erheblich zurückgefahren. Der Konzern verkaufte damals ein Paket regionaler Wassermarken zum Preis von 4,3 Milliarden US-Dollar an Finanzinvestoren.

Nestlé wird Wassergewinnung in Vittel nicht stoppen

Trotz aller Kritik und der für einzelne Märkte neu ausgerichteten Premium-Strategie werde Nestlé an der Wassergewinnung im Ort Vittel festhalten, erklärte der Sprecher auf Nachfrage weiter. In der französischen Kleinstadt fördert der Konzern das Mineralwasser seit Anfang der 1990er-Jahre aus mehreren Brunnen. Dort darf Nestlé jährlich bis zu einer Million Kubikmeter Wasser abpumpen, das der Konzern dann in Flaschen abfüllt und europaweit verkauft – mit erheblichen Konsequenzen für den Grundwasserspielgel, kritisieren Umweltschützer und Anwohner schon lange. Dieser soll insbesondere aufgrund der Wassergewinnung durch den Lebensmittelriesen jährlich um 30 Zentimeter absinken. Nestlé lege die Ortschaft mit seinem Vorgehen zusehends trocken, so die Kritiker. Der Konzern sieht sich nach eigenen Angaben etwa für ein Viertel der örtlichen Grundwasserentnahmen in der Verantwortung.

rei