Donnerstag, 5. Dezember 2019

Kampf gegen den Fachkräftemangel Nestlé will Mitarbeiter mit 18 Wochen bezahlter Familienzeit locken

Nestlé-Zentrale in Vevey, Schweiz: Der Anbieter von Baby- und Kleinkindnahrung will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern - und sein Image aufpolieren

Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé Börsen-Chart zeigen will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei seinen weltweit mehr als 300.000 Mitarbeitern fördern. Mütter und Väter könnten zusammen mit staatlichen Leistungen künftig eine Familienzeit von bis zu 18 Wochen ohne Gehaltseinbußen nehmen, teilte Nestlé am Mittwoch in Frankfurt mit. Das Modell sei geschlechtsneutral und gelte auch für Familien, die ein Kind adoptieren oder ein Pflegekind aufnehmen wollten. Das Programm starte Anfang 2020 und solle bis 2022 global umgesetzt sein.

Weltweit fallen staatliche Leistungen für Eltern oft weniger großzügig aus als hierzulande. Als Anbieter von Baby- und Kleinkindnahrung will Nestlé zudem bei dem Thema sein Image bessern. "In Deutschland erhalten Eltern schon eine umfassendere Versorgung als in vielen anderen Ländern", sagte Ralf Hengels, Vorstand Personal Nestlé Deutschland. "Wir wollen mit den neuen Standards einen Schritt weitergehen und beiden Elternteilen zusätzlich zu den staatlichen Leistungen eine weitergehende bezahlte Freistellung anbieten."

Elterngeld in Deutschland wird bei Bedarf aufgestockt

In der Bundesrepublik beträgt das Elterngeld maximal 1800 Euro netto pro Monat. Gemessen an den oft hohen Gehältern in der Industrie bedeutet es für Familien dennoch Einbußen. Bei deutschen Angestellten stocke Nestlé die Differenz zwischen Elterngeld und Gehalt in dem Zeitraum auf, so dass quasi das normale Gehalt weiterlaufe.

In der Schweiz, wo der Konzern seine Zentrale hat, gibt es etwas vergleichbares wie das Elterngeld nicht. Dort haben die Mütter für den Zeitraum von 14 Wochen nach der Geburt bezahlten Mutterschaftsurlaub, danach müssen sie wieder arbeiten gehen. Die Väter haben je nach Arbeitgeber bei der Geburt eines Kindes ein bis fünf Tage frei. Ob die von Nestlé versprochenen 18 Wochen Familienzeit inklusive der 14 Wochen Mutterschutz gewährt werden oder exklusive, konnte der Konzern auf Nachfrage nicht beantworten. "Die Juristen prüfen gerade die länderspezifischen Umsetzungen der Familienzeit" erklärte eine Sprecherin gegenüber manager magazin.

Immer mehr Firmen buhlen mit Zusatzangeboten um junge Fachkräfte

Angesichts des Fachkräftemangels und vieler junger Menschen ohne ausgeprägtes Karrieredenken wächst branchenübergreifend der Druck auf die Firmen, gute Mitarbeiter bei Laune und im Betrieb zu halten. Immer häufiger versuchen Firmen, auch mit Zusatzleistungen im Ringen um die besten Kräfte zu bestehen. Erst vergangene Woche hatte der IT-Konzern Hewlett Packard Enterprise seinen Angestellten weltweit eine sechsmonatige Elternzeit bei voller Weiterbezahlung angeboten.

Auch andere Unternehmen in der Branche werben mit Familienfreundlichkeit: Beim Softwarekonzern SAP Börsen-Chart zeigen dürfen die rund 21.000 Mitarbeiter in Deutschland sogar fast gänzlich frei entscheiden, wann sie von wo arbeiten. Ins Büro kommen sollen sie nach Möglichkeit nur einmal pro Woche. Außerdem hat das Unternehmen Krippen- und Kindergartenplätze, Eltern-Kind-Büros und Sonderzahlungen nach der Geburt eines Kindes im Angebot. Ein SAP-Sprecher sagt, die Rückkehrquote der Eltern nach der Elternzeit betrage 100 Prozent. Beim Technologieunternehmen Microsoft Börsen-Chart zeigen erhalten Mütter hierzulande eine Prämie für die Geburt eines Kindes, Väter dürfen sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub nehmen.

mg/dpa

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