Millennials trinken weniger Kaffee War's das mit dem Kaffee-Hype?

Kaffee: Noch immer das Lieblingsgetränk der Deutschen - doch seine Hipness flaut ab

Kaffee: Noch immer das Lieblingsgetränk der Deutschen - doch seine Hipness flaut ab

Foto: Getty Images

Das Geschäft mit Kaffee war bislang ein echter Selbstläufer. Gleich reihenweise machten in den großen Städten neue Cafés auf. Im Angebot: Oft eigene Röstungen, Spezialitäten aus bestimmten Anbaugebieten, häufig gebraut aus ökologischen oder fair gehandelten Bohnen. Und natürlich Trendgetränke wie Cold-Brew.

Die Leute, darunter auch viele Millennials, liefen den Betreibern die Türen ein, um die angesagtesten Kaffeetrends nicht zu verpassen. Und in möglichst hipper Atmosphäre, mit kostenlosem WLan an ihren Kaffeespezialitäten zu nippen oder diese - "to go" - mitzunehmen.

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Kaffeewissen: Kleines Kaffee 1x1

Foto: Blue Bottle Coffee

Ein Milliardenmarkt, auf den sich Konsumgüterriesen wie Nestlé, der deutsche Milliardärsclan Reimann und seit kurzem auchCoca-Cola mit Begeisterung stürzten - um - nicht nur hierzulande - gleich reihenweise die angesagtesten Ketten  aufzukaufen - und an dem Kaffee-Hype ordentlich mitzuverdienen.

Doch zumindest in Deutschland droht nun ein hartes Erwachen. Denn den jungen Kunden, auf die die Konsumgüterriesen einen beträchtlichen Teil ihrer Hoffnungen setzten, scheint der Kaffeedurst immer mehr zu vergehen.  Darauf deuten zumindest die Ergebnisse aktueller Kaffeestudien hin.

Zwar ist Kaffee noch immer das liebste Getränk der Deutschen - rund 162 Liter trinkt rein statistisch jeder pro Kopf und Jahr. Doch: Tranken vor zwei Jahren noch 76 Prozent aller Bundesbürger täglich Kaffee, ist der Anteil 2018 auf 72 Prozent gesunken, wie eine kürzlich veröffentlichte Kaffeestudie von Aral ergeben hat.  Für die Erhebung, eine der drei wichtigsten Untersuchungen auf den Gebiet in Deutschland, hatten Marktforscher online 1.001 Konsumenten befragt.

Nicht einmal jeder zweite Millennial trinkt noch täglich Kaffee

Vor allem bei den jungen Leuten wird heutzutage längst nicht mehr so viel Kaffee getrunken, wie noch vor Jahren: Nur noch 42 Prozent der 18- bis 35-Jährigen trinken demnach täglich Kaffee.  2012 waren es noch 63 Prozent. Seitdem ist der Anteil kontinuierlich gesunken.

Zum Vergleich: Bei den Über-46-Jährigen liegt der Anteil der täglichen Konsumenten mit 85 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Eine Beobachtung, wie sie ähnlich auch der Kaffeeröster Tchibo ins seinem aktuellen Kaffee-Report 2018  macht. Auch dort liegen die Millenials mit ihrem Kaffeekonsum deutlich hinter dem der älteren Bevölkerungsteile zurück.

Und auch die Zahl derjenigen Jungen, die nur einmal im Monat zum Kaffeegetränk greifen, liegt mit 2,6 Prozent  deutlich über den älterer Vergleichsgruppen, wo die Zahl der Wenigtrinker gerade einmal bei 0,3 Prozent liegt.

Dass der Kaffeekonsum - zumindest in den eigenen vier Wänden vor allem bei Jungen mittlerweile rückläufig ist, beobachtet auch die GfK bereits seit einigen Zeit. "Wir sehen seit einiger Zeit, dass die Kaffee-Menge, die junge Leute beispielsweise im Lebensmitteleinzelhandel kaufen, sinkt", berichtet Florian Wedepohl, Experte im Bereich Consumer Panels bei GfK und zuständig für die Warengruppe Kaffee.

Gründe dafür sieht er mehrere. Zum einen werde durch Technologien wie Kaffee-Vollautomaten, Kapsel- oder Padmaschinen weniger Überschuss, wie beispielsweise zu viel gekochter Filterkaffee, produziert und weggeschüttet. Und viele junge Leute tränken ihren Kaffee mittlerweile verstärkt auch außer Haus, on-the-go oder auch am Arbeitsplatz.

Millennials konsumieren anders

Entscheidend, vor allem für den sinkenden Kaffeekonsum zu Hause sei aber auch, dass typische Konsumgelegenheiten, wie ein gemeinsames Frühstück oder die nachmittägliche Kaffee-und-Kuchen-Runde immer mehr aus dem Alltag verschwänden.

Dass der Kaffeemarkt in Zukunft von jetzt auf gleich wegbricht, darum müssen vor allem die Kaffeeketten aber nicht bangen. Denn während klassischer Kaffee im Supermarkt großteilig über Sonderangebote verkauft wird, gehen die Pro-Kopf-Ausgaben für Kaffee weiter aufwärts.

Gab laut dem letzten Tchibo- Kaffeereport 2010 jeder Bundesdeutsche statistisch gesehen noch 38,60 Euro im Jahr für Kaffee aus, lag der Wert 2017 bereits bei 46,10 Euro - also fast 20 Prozent höher.

Und noch etwas spricht dafür, dass die Reimanns, Nestlé und auch Coca-Cola mit ihren Milliardeninvestments auch für die Zukunft nicht ganz daneben liegen. Mit ihrer Vorliebe für ökologisch angebauten , womöglich auch noch fairen Außer-Haus-Kaffee hat die junge Generation sich einen eher teuren Geschmack angeeignet als ihn die eher älteren Filterkaffeefans pflegen. Die Chancen stehen also gut, dass sich zumindest ein Teil der Millennials auch künftig seinen Kaffee einiges kosten lassen wird.