Donnerstag, 19. September 2019

Schweizer versilbern milliardenschweren Vermarktungsdeal Nestlé will in Deutschland mit Starbucks-Kaffee noch mehr Geld verdienen

Starbucks Kaffee: Margen von bis zu 40 Prozent

Der Kaffeedurst der Deutschen ging zuletzt zurück. Dennoch setzt Nestlé auf Deutschland. Der Lebensmittelriese will seinen milliardenschweren Vermarktungsdeal mit Starbucks versilbern und 19 neue Kaffeeprodukte des US-Konzerns in deutsche Märkte bringen. Eine zahlungskräftigere Klientel scheint hier noch Garant für hohe Margengewinne zu sein.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé treibt nach einem milliardenschweren Vermarktungsdeal mit Starbucks sein Kaffee-Geschäft in Deutschland voran. Ab September bringe das Schweizer Unternehmen 19 neue Kaffeeprodukte der US-Kette hierzulande in den Einzelhandel, teilte Nestlé am Freitag mit. Mit dem Start weite der Konzern seine weltweite Präsenz mit der Marke Starbucks aus. Bisher sei das Sortiment in 14 Ländern eingeführt.

Deutschland als viertgrößter Kaffee-Markt weltweit sei für Nestlé wichtig, sagte Gerd Müller-Pfeiffer, Geschäftsführer der Kaffee-Sparte in Deutschland. "Jeder Deutsche trinkt im Schnitt mehr als 2,7 Tassen Kaffee am Tag". Auch das sei global eine Top-Position. Mit dem Starbucks-Angebot wolle Nestlé junge Käufer ansprechen, die bereit seien, für Trends mehr zu bezahlen.

Kaffeedurst der Deutschen rückläufig

Eine Studie aus dem vergangenen Jahr allerdings zeigt: Der Kaffeedurst der Deutschen geht zurück. Zwar ist Kaffee noch immer das liebste Getränk der Deutschen - rund 162 Liter trinkt rein statistisch jeder Kopf pro Jahr. Doch war zuletzt der Anteil der Deutschen, die laut eigenen Angaben täglich Kaffee konsumieren, von 76 Prozent auf 72 Prozent gesunken. Vor allem junge Leute - also die Zielgruppe von Starbucks - würden längst nicht mehr so viel Kaffee trinken , wie noch vor Jahren: Lediglich 42 Prozent der 18- bis 35-Jährigen konsumierten laut einer Aral-Studie des vergangenen Jahres demnach noch täglich Kaffee. 2012 waren es noch 63 Prozent. Seitdem fiel der Anteil kontinuierlich.

Nestlé hatte 2018 rund 7,15 Milliarden Dollar (gut 6 Milliarden Euro) an Starbucks gezahlt, um Produkte der Amerikaner wie Bohnen oder gemahlenen Kaffee etwa in Supermärkten verkaufen zu dürfen. Ausgenommen sind fertige Getränke und der Verkauf sämtlicher Produkte in Starbucks-Cafés.

Das Bündnis mit Starbucks soll das Portfolio von Nestlé vor allem in Nordamerika deutlich ausweiten. Nestlé ist mit Marken wie Nespresso und Nescafé weltweit größter Kaffeeproduzent, gilt aber in den USA als unterrepräsentiert. Für Starbucks wiederum wächst damit die Reichweite der Marke, da sie so in neue Vertriebskanäle kommt.

Starbucks verdient blendend mit Kaffee

Der in Seattle ansässige Starbucks-Konzern hatte 2018 mit dem Verkauf von Kaffeespezialitäten, Getränken und Essen einen Umsatz von 24,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Experten rechnen mit weiter wachsenden Umsätzen von rund 28 Milliarden Dollar bis 2020.

Starbucks betreibt weltweit mehr als 28.000 Kaffees. Während der westliche Markt weitgehend als gesättigt gilt, sieht der Konzern Wachstumschancen vor allem noch in Indien, China und anderen Emerging Markets. In diesen Regionen erwirtschaftet Starbucks pro Kunde schon mehr Gewinn als in den USA und kommt dabei auf Margen von bis zu 45 Prozent an einem Getränke oder jeweiligen Produkt, wie Analysten und Vermögensverwalter berichten.

rei mit dpa-afx

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