Wie Nestlé den Reimann-Clan ausbremsen will Machtkampf um den Kaffee-Thron

Kaffeetrinkerin: Nestlé will bei US-amerikanischen Edel-Kaffeetrinkern wieder Boden gut machen

Kaffeetrinkerin: Nestlé will bei US-amerikanischen Edel-Kaffeetrinkern wieder Boden gut machen

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Der Konsumgüterhersteller Nestlé greift tief in die Tasche, um dem deutschen Reimann-Clan die Stirn zu bieten. 7,15 Milliarden Dollar (knapp 6 Milliarden Euro) lassen sich die Schweizer das Handelsgeschäft von Starbucks kosten - mehr als das Dreifache des Jahresumsatzes des akquirierten Geschäftes. Für Nestlé ein Preis, den der Schweizer Konsumgüterriese bereitwillig zahlt, steht für ihn doch etwas enorm Wichtiges auf dem Spiel: die Vorherrschaft auf dem globalen Kaffeemarkt.

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Mit seiner Edel-Marke Nescafé war Nestlé lange der klare weltweite Branchenführer im Premium-Kaffee-Segment und ist es bis heute. Doch in den USA hat die deutsche Milliardärsfamile Reimann zusammen mit einer Gruppe finanzstarker Investoren die Schweizer mittlerweile klar ausgestochen.

Innerhalb weniger Jahre hat die Familienholding der Reimanns, JAB, geführt von erfahrenen Managern aus der Branche ein Kaffee- und Frühstücksimperium zusammengekauft, das den Schweizer Konsumgüterhersteller auf dem größten Kaffeemarkt der Welt zuletzt regelrecht blass aussehen ließ. Und das Nestlé auch außerhalb der USA aggressiv anging.

"Materialschlacht" in den USA

Neben dem Kaffeeriesen Jacobs Douwe Egberts ("Jacobs", "Tassimo", "Senseo") und dem direkten amerikanischen Nespresso-Konkurrenten Keurig kaufte JAB in den vergangenen Jahren für mehr als 30 Milliarden Dollar Ketten wie Baresso, Balzac, Espresso House, Peet's Coffee, Intelligentsia, Stumptown, Panera Bread, Krispy Kreme Doughnuts und Einstein Bros Bagels, Caribou Coffee und Au Bon Pain zusammen. Zudem beteiligten sich die Deutschen an einem Onlinemarktplatz für Edel-Kaffee, der ikonische Marken wie Stumptown oder Intelligentsia auch zu Kaffeefreunden in abgelegenere Ecken der USA bringen soll.

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Über die Übernahme von Dr Pepper Snapple, der Nummer drei auf dem US-Erfrischungsgetränkemarkt, sicherte sich der Clan kürzlich zusätzliche Marktzugänge und einen weiteren Distributionskanal - und drängte damit die Schweizer in den USA weiter in die Enge. Der Gegner, machte das JAB-Management schon damals klar, sei nicht Starbucks, sondern Nestlé.

Dessen CEO Mark Schneider holt nun mit der Übernahme des Starbucks-Handelsgeschäftes zu einem teuren Verteidigungsschlag aus. Künftig liegen die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks damit bei den Schweizern. Die weltweit über 28.000 Starbucks-Kaffeehäuser sind von dem Deal nicht betroffen, ebenso wie Starbucks-Fertiggetränke.

Schneiders Aufholjagd in den USA

Mit der Premium-Marke Starbucks hofft Nestlé unter anderem in den USA wieder eine stärkere Basis zu bekommen , um dem neuen Konkurrenten Paroli bieten zu können. Dass hier dringend Aufholbedarf besteht, war Schneider, der seinen Job Anfang 2017 angetreten hatte, bereits seit längerem klar. So übernahm Nestlé bereits vergangenen Spätsommer für geschätzt 425 Millionen Dollar die Mehrheit an der US-Luxuskaffeekette Blue Bottle, die ihre hochpreisigen Cold-Brew-Getränke auch in ausgewählten US-Supermärkten vertreibt.

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Im November folgte dann ein weitere Schritt der Aufholjagd - mit der Übernahme des Bio-Cold-Brew-Marktführers Chameleon Cold Brew. Offenbar lässt Nestlé dabei - auch aus Imagegründen - die zugekauften Unternehmen weiter unabhängig vom Konzern agieren. Eine Strategie, die sich beim Rivalen JAB bislang als sehr erfolgreich erwiesen hat.

Neben dem Bohnengeschäft, wo Starbucks bereits seit Jahren in den USA zu den führenden Anbietern gehört, dürfte Nestlé sich auch für den mittlerweile milliardenschweren sogenannten "Ready-to-Drink"-Kaffeemarkt interessieren, für den Experten vor allem in den USA massives Wachstum prognostizieren.

Wann folgt der nächste Coup?

"Das ist ein bedeutender Schritt für unser Kaffeegeschäft", freute sich Vorstandschef Mark Schneider anlässlich der Bekanntgabe des Deals. Mit Starbucks, Nescafé und Nespresso fänden sich nun drei ikonische Marken der Kaffeewelt unter einem Dach. Bereits bei seinem Amtsantritt 2017 hatte der Manager das Kaffeegeschäft als eines der wachstumsstärksten Segmente im Konzern identifiziert, das es zu stärken gelte.

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Entsprechend begeistert zeigten sich Analysten - trotz des recht hohen Preises, den Nestlé zahlt. "Der Deal mit Starbucks ermöglicht es Nestlé, JAB auf Distanz zu halten", schrieb Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. Schließlich könnten die Schweizer damit eine Schwachstelle ausmerzen und in den USA deutlich wachsen. Auch die Zürcher Kantonalbank bewertete den Ausbau des Nestlé-Kaffeegeschäftes als "strategisch schlüssig".

Von JAB war zunächst kein Kommentar zu dem Milliardengeschäft des Erzkonkurrenten zu bekommen. Um ihren Expansionsdrang zu stillen, arbeitet die Familienholding schonlänger nicht mehr nur mit eigenem Geld, sondern auch mit dem externer Investoren. Es dürfte also spannend bleiben im Kaffee-Kampf.

mit Material von reuters
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