Nach Übernahmekampf Meyer kann bei Hawesko jetzt durchregieren

Die Übernahmeschlacht um Hawesko endet für Großaktionär Detlev Meyer als Sieg auf ganzer Linie. Mit knapp 80 Prozent der Anteile kann er durchregieren - und tut das auch schon.
Niederlage: Alexander Margaritoff (mit Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers) räumt seinen Platz für Großaktionär Detlev Meyer

Niederlage: Alexander Margaritoff (mit Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers) räumt seinen Platz für Großaktionär Detlev Meyer

Foto: Getty Images for hawesko.de

Hamburg - Es war eine Übernahmeschlacht, wie Hamburg sie selten gesehen hat. Klarer Sieger des Pokers um den Weinhändler Hawesko: Großaktionär Detlev Meyer. Dass sich der Textilunternehmer gegen seinen Widersacher, den noch amtierenden Hawesko-Vorstandschef Alexander Margaritoff, durchgesetzt hatte, war seit dessen angekündigtem Abgang Ende Januar klar.

Nach dem Ende des Übernahmeangebotes steht nun auch fest, wie es künftig um die Eigentumsverhältnisse bei Hawesko bestellt ist. Wie aus einer Mitteilung von Tocos hervorgeht, hält Meyer künftig 78,96 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte an der Hawesko-Holding.

Ein Squeeze-out sei aber ebensowenig geplant, wie das Unternehmen von der Börse zu nehmen, ließ Tocos mitteilen. "Hawesko soll auch weiterhin als unabhängiges Unternehmen mit einem ausreichenden Free Float an der Börse notiert bleiben."

Zu den Aktionären, die das Angebot von Tocos angenommen haben, gehören neben Margaritoff auch die DWS Investments, die zuletzt etwas mehr als 5 Prozent an Hawesko hielt. Michael Schiemann, der mit seiner Vermögensverwaltung Augendum ebenfalls zu den größten Einzelaktionären gehörte, hat ebenfalls Aktien an Meyer abgegeben, bleibt aber an Hawesko beteiligt.

Aufsichtsratschef Jacobs geht

Im Aufsichtsrat kommt es vor den Hintergrund der neuen Eigentümerstrukturen bereits zu einigen Änderungen. So will sich der neue Eigner Detlev Meyer bei der anstehenden Aufsichtsratssitzung zum neuen Vorsitzenden wählen lassen. Der aktuell amtierende Aufsichtsratschef Christian Jacobs jedenfalls macht den Weg frei. Er kündigte an, sein Mandat zum 26. März niederlegen.

Den durch das Ausscheiden Jacobs freiwerdenden Sitz im Gremium soll der Wettbewerbsrechtler Franz Jürgen Säcker übernehmen, der dem Gremium bereits bis 2014 angehörte. Seinen Sitz hatte nach seinem Ausscheiden Ex-Linde-Chef Wolfgang Reitzle übernommen.

Chefsuche läuft

Ende 2014 war es bei Hawesko zu einem Übernahmekampf gekommen, in dessen Zuge Alexander Margaritoff den Kürzeren zog. Im Januar kündigte er an, seinen rund 30-prozentigen Anteil an Meyer zu verkaufen und sein Amt zum 30. Juni 2015 niederzulegen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits. Daran seien auch "externe Experten" beteiligt, ließ das Unternehmen mitteilen.

Der Hawesko-Konzern ist in den drei Geschäftsfeldern Versandhandel, Groß- und Einzelhandel tätig. Zu dem Unternehmen gehört auch die Filialkette Jacques' Wein-Depot mit 284 Niederlassungen in Deutschland und 2 in Österreich. Der Konzernumsatz soll 2014 bei rund 465 Millionen Euro liegen, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen bei 24 bis 25 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 925 Mitarbeiter.

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