Erfolgreicher Börsengang in New York Bewertung von Mytheresa springt auf drei Milliarden Dollar

Das deutsche Modeportal Mytheresa profitiert vom aktuellen Börsenboom: Der Preis für eine Aktie konnte aufgrund der hohen Nachfrage auf 26 Dollar angehoben werden - und sprang zum Debüt an der Wall Street nochmals hoch.
Erfolgsgeschichte aus Aschheim: Mytheresa wurde 1987 mit der Eröffnung eines stationären Ladens gegründet, 2006 wurde der Onlineshop gestartet - und nun geht es an die Börse

Erfolgsgeschichte aus Aschheim: Mytheresa wurde 1987 mit der Eröffnung eines stationären Ladens gegründet, 2006 wurde der Onlineshop gestartet - und nun geht es an die Börse

Foto: Florian Holzherr / Myheresa

Der Münchener Onlineluxusmodehändler Mytheresa wird bei seinem Börsengang in New York mit mehr als drei Milliarden Dollar bewertet. Die US-Hinterlegungsscheine (ADS) der niederländischen Holding MYT Netherlands , die zu 26 Dollar platziert worden waren, schossen zum Handelsstart am Donnerstag um 38 Prozent auf 35,85 Dollar nach oben.

Der Ausgabepreis lag schon am oberen Ende der Spanne, die wegen der großen Nachfrage am Tag vor dem Ende der Zeichnungsfrist auf 24 bis 26 (vorher 16 bis 18) Dollar erhöht worden war. Die Emission hat damit ein Volumen von bis zu 407 Millionen Dollar, statt wie bislang kommuniziert 324 Millionen Dollar. Zudem gebe es die Möglichkeit einer Mehrzuteilung von weiteren rund 2,35 Millionen Aktien zum ursprünglichen Preis, der Bruttoerlös könnte somit noch auf rund 468 Millionen Dollar steigen.

Mytheresa selbst fließen davon bis zu 370 Millionen Dollar zu, der Rest geht direkt an die Altaktionäre. Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld soll das Angebot 27-fach überzeichnet gewesen sein. Bloomberg hatte Mytheresa im November unter Berufung auf Insider mit 1 bis 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Damals war allerdings nur von 150 Millionen Dollar angepeiltem Erlös die Rede.

"Wir freuen uns über unser gelungenes Börsendebüt und werden auch zukünftig alles daran setzen, unsere Investoren und Kunden zufriedenzustellen", sagte Mytheresa-Chef Michael Kliger. Er erklärt das große Interesse der Investoren im Gespräch mit Reuters mit dem "enormen Wachstumspotenzial" bei reichen Kunden: "Luxus war bisher deutlich weniger digital als andere Branchen. Heute liegt der Anteil von Luxusmode, die online gekauft wird, bei ungefähr 12 Prozent. Das dürfte auf 30 Prozent steigen."

Jährliches Wachstum von 22 bis 25 Prozent

Mit dem frischen Geld will Mytheresa ein gut 200 Millionen Dollar schweres Gesellschafterdarlehen tilgen, mit dem mehrere Finanzinvestoren das Unternehmen aus dem Strudel der Insolvenz des US-Einzelhandelskonzerns Neiman Marcus im Mai vergangenen Jahres herausgehalten hatten. Neiman Marcus hatte Mytheresa 2014 für 150 Millionen Dollar übernommen. "Der Börsengang erschien unserer Gesellschaft als attraktivste Möglichkeit, um die Schulden zurückzuführen", erklärte Mytheresa-Chef Michael Kliger im Gespräch mit manager magazin.

Die Wurzeln der Firma liegen in der Münchener Innenstadt, wo die Modehändler Susanne und Christoph Botschen 1987 unter dem Namen "Theresa" einen Laden eröffneten, 2006 starteten sie den Onlineshop "Mytheresa.com" (lesen Sie hier  die Erfolgsgeschichte des Unternehmens). Das Unternehmen, das Luxusmode von Designern wie Gucci, Yves St. Laurent, Prada, Burberry und Valentino verkauft, profitiert vom Boom des Onlinehandels in der Corona-Pandemie.

Im Geschäftsjahr 2019/20 (per Ende Juni) erzielten die rund 850 Mitarbeiter einen Umsatz von 450 Millionen Euro, 19 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. In den sechs Monaten von Juli bis Dezember wuchs er sogar um 30 Prozent auf rund 285 Millionen Euro. "Unser Ziel ist es, weiterhin ein kontinuierliches Umsatzwachstum von 22 bis 25 Prozent zu erzielen", so Mytheresa-Chef Kliger weiter. Der operative Gewinn hat sich im vergangenen Geschäftsjahr bereinigt auf 26,8 Millionen Euro verdoppelt. Ende 2020 zählte Mytheresa 568.000 Kunden, die im Schnitt Waren im Wert von 600 Euro bestellen.

Ähnlicher Erfolg wie bei The Hut Group?

Nach dem Börsengang sind bis zu 21 Prozent der Aktien von Mytheresa im Streubesitz. Organisiert wurde die Neuemission von den US-Investmentbanken Morgan Stanley und JPMorgan. Bereits Ende Dezember hatte Mytheresa den Entwurf für den Börsenprospekt bei der US-Marktaufsicht SEC eingereicht.

Dass das Unternehmen nicht in Deutschland, sondern den USA an die Börse geht, begründete Finanzchef Martin Beer unter anderem mit der globalen Ausrichtung. Zudem verspreche man sich davon auch eine Steigerung der Markenbekanntheit im wichtigen Markt USA. Dort mache Mytheresa derzeit rund 10 Prozent seiner Umsätze. Etwa 25 Prozent entfallen auf den Bereich Asien-Pazifik, 60 Prozent auf Europa. Weiteres Wachstum erhofft sich Mytheresa-Chef Kliger durch den Ausbau der Personal-Shopper sowie der Veranstaltung von Events nach der Corona-Pandemie. Dass Mytheresa eine Erfolgsgeschichte bleibt, dürfte ihm auch persönlich am Herzen liegen: Kliger selbst hält rund 1 Prozent an dem Unternehmen.

Mytheresa könnte mit dem Börsengang einen ähnlichen Erfolg verzeichnen wie das britische E-Commerce-Unternehmen The Hut Group (THG) im September vergangenen Jahres. Die Holding, unter dessen Dach Gründer und CEO Matthew Moulding über 20 Marken aus dem Beauty-, Mode- und Nahrungsergänzungssgeschäft vereint sind, hatte damals über zwei Milliarden Euro eingesammelt. Erst 2004 gegründet, erwirtschaftet THG inzwischen mit rund 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Derzeit wird das Unternehmen mit rund acht Milliarden Euro bewertet.

mg, mhu, ak/Reuters, dpa-afx