Mondelez bläst Megaübernahme ab Aus der Schokoladentraum - Hershey mag Milka nicht

Es sollte der größte Süßwarenhersteller weltweit entstehen. Doch das Familienunternehmen Hershey will weiter selbständig bleiben. Der Konzern Mondelez hätte es eigentlich ahnen können. Denn schon einmal ließ Hershey einen milliardenschweren Werber abblitzen.
Der gut 120 Jahre alte US-Schokoladenhersteller Hershey bleibt selbständig. Der Wettbewerber Mondelez zieht sein feindliches Übernahmeangebot zurück

Der gut 120 Jahre alte US-Schokoladenhersteller Hershey bleibt selbständig. Der Wettbewerber Mondelez zieht sein feindliches Übernahmeangebot zurück

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Übernahmen in der Lebensmittelbranche gehen nicht immer so vergleichsweise unkompliziert über die Bühne, wie zuletzt bei Danone und Whitewave Foods. Für 12,5 Milliarden Dollar wollen die Franzosen ihr Sortiment mit gesunden Lebensmitteln aus den USA aufstocken. Die Parteien sind sich einig. Der Deal dürfte zum Jahresende abgeschlossen sein, heißt es.

Der Lebensmittelriese Mondelez ("Milka", "Cadbury", "Oreo") hatte rund 23 Milliarden Dollar für den bekannten Schokoladenproduzenten Hershey ("Kisses") auf den Süßwarentisch gelegt. Doch das Traditionsunternehmen in Familienbesitz will eigenständig bleiben, hatte die Offerte schon im Juni ausgeschlagen - und blieb standhaft bis zuletzt.

Mondelez zog nun am späten Montagabend entnervt sein Angebot zurück. Es sei kein Weg der Einigung zu erkennen, teilte das Unternehmen schmallippig mit. Mondelez, mit Sitz in Illinois, das auch Nahrungsmittel herstellt, erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 30 Milliarden Dollar Umsatz. Hershey brachte es mit 7,4 Milliarden Dollar gerade mal auf ein Viertel davon.

Das fusionierte Unternehmen hätte zum Branchenführer in der Süßwarenindustrie aufsteigen können und dabei den US-Konzern Mars von Platz eins verdrängt. Doch daraus wird nun nichts. Aus der Schokoladentraum!

Süßwarenmarkt steht unter Druck

Dabei steht die Süßwarenindustrie unter Konsolidierungsdruck, sind die Umsätze insgesamt rückläufig. Das schafft Möglichkeiten: So kaufte zuletzt der italienische traditionelle Schokoladenhersteller Ferrero ("Nutella", "Ferrero-Küsschen", "Kinderschokolade") den angeschlagenen britischen Hersteller Thorntons.

Mondelez, das aus einer Abspaltung von Kraft entstanden war, hätte es im Grunde wissen müssen. Schon einmal, im Jahr 2002, hatte die auf Unabhängigkeit bedachte Hershey-Treuhandgesellschaft, der 80 Prozent des Unternehmens gehören, ein Übernahmeangebot von gut 12 Milliarden Dollar kühl abgelehnt. Der Kaugummihersteller Wrigley ging damit leer aus.

Mondelez bleibt somit im Ranking der weltgrößten Süßwarenhersteller auf Platz zwei, Hershey auf Rang sechs. Weltweiter Umsatzprimus ist Mars. Die Schweizer Konzerne Nestle und Lindt & Sprüngli liegen an dritter beziehungsweise siebter Stelle.

rei