Letzte Hoffnung Schutzschirm Modefirma Wöhrl droht die Pleite

Am Abgrund: Die Modefirma Wöhrl kämpft gegen die drohende Pleite

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Die fränkische Modehaus-Kette Wöhrl steht am Rande der Pleite. Das Familienunternehmen flüchtet sich in ein Schutzschirmverfahren und sucht nach neuen Investoren, wie Wöhrl am Dienstag mitteilte.

Die Eigentümerfamilie Gerhard Wöhrl sei dabei auch bereit, die Mehrheit an dem Unternehmen mit rund 2000 Mitarbeitern abzugeben. Derzeit werde mit etwa zehn potenziellen Investoren gesprochen, sagte ein Sprecher. Unrentable Filialen, die auf absehbare Zeit keine Gewinne versprechen, sollen geschlossen werden, die Filiale in Nürnberg verkleinert. "Dabei wird es auch personelle Einschnitte geben", sagte der Sprecher. Wöhrl betreibt 34 Modehäuser, die meisten davon in Bayern.

Das Schutzschirmverfahren gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt aber den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Unter dem Schutzschirm ist ein Unternehmen für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger sicher.

Wöhrl-Aufsichtsratschef Andreas Mach, ein Berater und ehemaliger Banker, löst Olivier Wöhrl als Vorstandschef ab. "Unser Ziel ist es, die Gruppe als Ganzes zu erhalten", sagte Mach. Als Sanierer rückt zudem Christian Gerloff in den Vorstand, der bereits bei den Modefirmen Escada und Rena Lange aktiv war.

Olivier, der Sohn von Gerhard Wöhrl, soll sich nur noch um die neue Strategie kümmern. Das Sortiment soll umgebaut, das Online-Geschäft intensiviert werden - was Wöhrl bisher verpasst hatte. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 (Ende Juli) war der Umsatz auf 300 (Vorjahr: 316,2) Millionen Euro geschrumpft, der Verlust - 2014/15 bei einer Million Euro - aber gestiegen.

Im Zuge der Sanierung müssen aller Voraussicht nach auch die Zeichner einer 30 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe bluten. Gerhard Wöhrl und der Familie gehört seit 2013 auch die Modekette Sinn Leffers. Sie ist von der Sanierung zunächst nicht betroffen. Zudem hält Wöhrl gut 5 Prozent an der Billigkette Adler Modemärkte.

Hintergrund: Mode, Fliegerei und Politik - das ist die Familie Wöhrl

Die Modehauskette Wöhrl wird inzwischen in der dritten Generation von der Familie geführt. 1933 wurde das Unternehmen von Rudolf Wöhrl in Nürnberg gegründet. Er nannte es "Zetka" ("Zuverlässige Kleidung"). Wöhrl hatte einst in seinem Heimatort Dettingen bei Aschaffenburg auf der Straße einen Knopf gefunden, den er aufhob und fortan als Talisman mit sich trug. Der Knopf wurde später das Markenzeichen der Wöhrl-Modehäuser.

1970 übertrug Rudolf Wöhrl das Unternehmen auf seine Söhne Gerhard und Hans Rudolf. Der Hobby-Pilot Hans Rudolf wurde später auch durch Investitionen in die Fliegerei, etwa bei der Deutschen BA und LTU bekannt. Er heiratete die CSU-Bundestagsabgeordnete und ehemalige Miss Germany, Dagmar Wöhrl. 2002 schied Hans Rudolf aus dem operativen Geschäft des Modeunternehmens aus.

2004 übernahm Gerhard Wöhrl die Mehrheit der Anteile. Den Vorstandsvorsitz gab er 2010 ab. 2012 übernahm Gerhards damals 31 Jahre alter Sohn Olivier die Führung der Kaufhauskette. Inzwischen werden die Anteile am Modeunternehmen laut Sprecher Frank Elsner zu 100 Prozent von dem Familienzweig von Gerhard Wöhrl gehalten.

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cr/dpa/rtr