Mobiles Bezahlen Starbucks mausert sich zum Tech-Unternehmen

Mit Heißgetränken wie Caramel Light Frappucino erzielt die US-Kaffeekette auch in Deutschland stolze Umsätze. Doch Starbucks-Gründer Howard Schultz hat jenseits des Kaffeegeschäfts noch andere Ziele.
In den Fußstapfen von Jeff Bezos: Starbucks-CEO Howard Schultz

In den Fußstapfen von Jeff Bezos: Starbucks-CEO Howard Schultz

Foto: Ted S. Warren/ AP/dpa

Hamburg - Die Ankündigung war gerade einmal sechs Zeilen lang - stand ganz am Ende des Briefes, den Starbucks-Chef Howard Schultz alljährlich an seine Aktionäre schreibt. Doch sie hatte es in sich. Gibt sie doch einen Ausblick darauf, wo der mit Abstand größte US-Kaffeeröster hin will. Mit Kaffee hat das nur noch am Rande zu tun.

Die Rede ist vom Engagement des Tech-Veteranen Kevin Johnson. Der 53-Jährige, der auch bereits als potenzieller Nachfolger von Gründer Howard Schultz gehandelt wird, soll neben diesem ab März das operative Geschäft von Starbucks führen. Und vor allem soll er Starbucks digital nach vorne bringen.

Erfahrungen auf diesem Gebiet bringt Johnson reichlich mit. So war er von 2008 bis 2014 Chef des Netzwerkausrüsters Juniper  , davor Manager bei IBM  und bei Microsoft Präsident der Abteilung Plattformen und Services, wo er die Aufholjagd im Suchbereich gegenüber Google  verantwortete.

Gründer Schultz scheint jedenfalls überzeugt davon, mit Johnson den richtigen Mann gefunden zu haben. In einem Telefongespräch mit Journalisten lobte er ausgiebig dessen "mobile und digitale Expertise".

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Kaffeehauskette: Starbucks neue "Roastery" in Seattle

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Und genau die braucht Schultz - denn alles deutet darauf hin, dass er mit Starbucks das tun will, was auch Amazon-Gründer Jeff Bezos bereits mit seinem Onlinehändler getan hat: Das Handelsunternehmen in ein Tech-Unternehmen zu verwandeln, das nebenbei auch weiter erfolgreich Kaffee verkaufen dürfte.

Was zukunftsweisende Technologien angeht, ist Starbucks schon jetzt gut aufgestellt. Und auch sonst expandiert der Konzern mit rasantem Tempo: Alleine 2014 machte die Kaffeehauskette knapp 1600 neue Läden auf. Und auch der Umsatz wächst stetig - in Amerika, wo mittlerweile 54 Millionen Kunden pro Woche bei Starbucks auf einen Kaffee vorbeischauen, alleine um 9 Prozent. Weltweit legte er um 6 Prozent zu.

Künftig liefert Starbucks auch Essen und Getränke aus

Damit das so weiter geht, arbeitet Starbucks mit Hochdruck an einer Ausweitung seines Angebots. Der Röster will sich von der Kaffeekette zum Allround-Anbieter im Food-Sektor wandeln.

So will Schultz auch mit der frisch lancierten Marke "La Boulange" den aktuell bei lediglich 18 Prozent des Umsatzes liegenden Essensabsatz in die Höhe treiben und mit Bier und Wein auch abends Kunden anlocken. Daneben betreibt Schultz mittlerweile auch eine Tee-Kette.

Und mit der neuen Starbucks-Edelversion "Roastery" wird künftig auch noch das höherpreisige Segment abgedeckt. Im Jahresverlauf soll in mehreren Metropolen dann auch noch ein Lieferservice an den Start gehen. 

Erklärtes Ziel für die nächsten fünf Jahre: Knapp 30 Milliarden Dollar Umsatz, mehr als 30.000 Läden weltweit (Ende 2014 waren es gerade einmal 21.366) eine Verdoppelung der Essens-Umsätze auf 4 Milliarden Dollar und eine Verdoppelung des operativen Gewinns von aktuell 3,1 Milliarden Dollar.

Um diese Ziele zu erreichen, setzt Starbucks, nach eigenen Aussagen schon jetzt "globaler Marktführer im Bereich mobile payment", massiv auf Technik. Und verfügt dabei bereits über einige Erfahrung.

13 Millionen Kunden bezahlen mit der Starbucks-App

Schon 2011 setzte der Kaffeeröster nach der Rückkehr von Gründer Howard Schultz auf eine App. Über die bezahlen mittlerweile 13 Millionen Kunden ihren Kaffee - 16 Prozent aller Einkäufe und mehr als sieben Millionen Transaktionen wöchentlich.

2013, seit dem sich die App-Nutzung noch einmal verdoppelt haben soll, liefen laut " MIT Technology Review"  Umsätze in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar über die digitale Prepaid-Karte, auf die laut dem Kaffeeröster alleine 2014 vier Milliarden Dollar Guthaben aufgeladen wurden.

Der Erfolg der App, die nicht viel mehr ist als eine digitale Wertkarte, ist leicht zu erklären. Für den Kunden ist sie bares Geld wert. Er kann mit ihr Bonuspunkte sammeln und diese gegen Getränke oder Essen eintauschen.

App treibt die Umsätze - alles auf "mobile"

Auch Starbucks spart damit richtig Zeit und Geld: Denn statt für jede einzelne per Kreditkarte bezahlte Bestellung Transaktionskosten zahlen zu müssen, kann die Kaffeekette die Einkäufe bündeln und muss nur noch einmal pro Aufladeprozess zahlen.

Damit spart das Unternehmen ganz beträchtliche Gebühren. Denn bislang werden seit einer gesetzlichen Neuregelung in den USA aus dem Jahr 2010 um die 22 Cent "Swipe Fee" pro Kartenbezahlung fällig. Bei zehn Bechern Kaffee á 1,75 Dollar, die ein Kunde über eine Prepayid-Karte kauft, können sich die Einsparungen so leicht auf zwei Dollar belaufen - pro Kopf.

Hinzu kommt, dass die durch die App und Vergünstigungen gebundenen Kunden deutlich öfter zurückkehren und zudem beträchtlich kauffreudiger sein dürften als Analog-Kunden.

Gleichzeitig liefert die App wertvolle Daten zu Kunden und deren Vorlieben, was weitere Effizienzgewinne mit sich bringt. Und mit denen Starbucks ihre Klientel mit speziell auf sie ausgerichtete Angebote wieder in seine Läden locken kann.

Howard Schultz sieht sich jedenfalls auf dem richtigen Weg. 2015 will er sein digitales Angebot ausbauen. Dann sollen Kunden ihren Kaffee schon vor dem Betreten des Ladens bestellen und auch gleich zahlen können - was den Kundendurchsatz und deren Zufriedenheit weiter erhöhen könnte. Bislang arbeitete Starbucks auf diesem Gebiet mit dem Mobile-Payment-Startup Square zusammen. Doch nun setzt Starbucks auf eine Eigenentwicklung.

Mobiles Bezahlen powered by Starbucks

Künftig will Schultz mit seinen Entwicklungen nicht mehr nur die eigenen Kunden beglücken, sondern die Technologie womöglich auch an andere Unternehmen verkaufen. 2016 schon könnte so ein "mobiles Bezahlnetzwerk" mit externen Händlern an den Start gehen, teilte das Unternehmen Ende Dezember mit.  Eine Strategie, bei der Neuzugang Johnson, mit seinen Kontakten zu Handelsunternehmen sehr nützlich sein könnte.

Wie weit Gespräche mit anderen Händlern bereits gediehen sind, dazu äußerte sich der Kaffeeröster nicht. Ebensowenig zu möglichen Details. Doch die Zurückhaltung des Handels gegenüber mobilen Bezahllösungen scheint spätestens seit der Einführung von Apple Pay Geschichte. 

Viele von ihnen wie Walmart, CVS, Rite Aid und Bestbuy, 7Eleven, K-Mart, Dunkin Donuts oder Wendy's arbeiten bereits mit Hochdruck an einer eigenen mobilen Bezahllösung "CurrentC", mit der sie Apple  Paroli bieten wollen. Allerdings soll die erst in diesem Jahr auf den Markt kommen. Starbucks mit seiner Bonuskarten-App ist schon da.

Dass es Howard Schultz mit seinen Plänen ernst meint, darauf deutet neben dem Engagement von Kevin Johnson aber noch ein anderes Detail hin. Laut CNN Money  fiel bei einer Analystenkonferenz nach der Verkündigung der Personalie alleine 34 Mal das Wort "mobile". Genauso oft wie das Wort "Kaffee".

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