Millionen-Klage Middelhoff droht Niederlage gegen Sal. Oppenheim

Ist Thomas Middelhoff bald auch noch pleite? Das Landgericht Köln macht dem Ex-Boss von Bertelsmann wenig Hoffnung, Millionen vom Bankhaus Sal. Oppenheim einzuklagen. Am Ende könnte Middelhoff auch das letzte Symbol seines einstigen Erfolges verlieren.
Middelhoff: Das Landgericht Köln dürfte seine Klage abweisen

Middelhoff: Das Landgericht Köln dürfte seine Klage abweisen

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Köln - Der vergangene Freitag war wohl der schwärzeste Tag in der Karriere des Thomas Middelhoff. Da verurteilte ihn das Landgericht Essen zu drei Jahren Haft, weil es ihn der Untreue und Steuerhinterziehung schuldig befand. Middelhoff hat zwar Revision gegen das Urteil einlegen lassen. Dennoch muss der Ex-Chef von Bertelsmann und Karstadt-Quelle seit Freitag in Untersuchungshaft ausharren.

Seine Freiheit hat Middelhoff also - zumindest temporär - eingebüßt. Aber wie steht es um sein Vermögen? Darüber verhandelte am Dienstag das Landgericht Köln. Und bescherte dem abwesenden Middelhoff einen weiteren schlechten Tag. Denn die Aussichten des ehemaligen Topmanagers, eine zweistellige Millionensumme vom Bankhaus Sal. Oppenheim einzuklagen, scheinen ausgesprochen miserabel zu sein.

Zur Hochzeit seines Schaffens, um die Jahrtausendwende, hatte sich Middelhoff gemeinsam mit seiner Frau Cornelie an acht geschlossenen Immobilienfonds beteiligt, die Sal. Oppenheim gemeinsam mit dem Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch aufgelegt hatte. Dem Vernehmen nach soll Middelhoff dabei etwa 150 Millionen Euro investiert haben. Einen großen Teil davon finanzierte er über Darlehen von Sal. Oppenheim. Als Sicherheit dienten ihm Festgelder über etwa 25 Millionen Euro, die er bei Sal. Oppenheim angelegt hatte.

Weil einige der Fonds nicht die kalkulierten Renditen einfahren und Middelhoff deshalb seit Jahren seine Kredite nicht mehr bedient, hat Sal. Oppenheim die Gelder kraft des Pfandrechts eingefroren. Middelhoff hingegen wirft der Bank Fehlberatung im Zuge seiner Fondsinvestments vor, er fordert sein Festgeld zurück und obendrein Schadenersatz - insgesamt gut 100 Millionen Euro.

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Thomas Middelhoff - seine Sicht der Dinge: Aufstieg und Fall von "Big T"

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Die Bank bestreitet die Vorwürfe. Sie hat ihrerseits Middelhoff wegen der offenen Darlehensforderungen auf Zahlung von 78 Millionen Euro verklagt.

Middelhoff dürfte durchaus auf einen Erfolg in Köln gehofft haben. Denn verhandelt wird sein Klage vor der 21. Zivilkammer des Landgerichts Köln. Die hatte unter ihrem Vorsitzenden Richter Stefan Singbartl im September einem anderen Kläger recht gegeben, der wegen eines Oppenheim-Esch-Fonds rund um ein Karstadt-Warenhaus in Potsdam geklagt hatte. In den gleichen Fonds hatte auch Middelhoff investiert.

Für Sal. Oppenheim und die Deutsche Bank , die die Kölner Privatbank 2010 übernahm, war das Urteil von Singbartl und seinen beiden Kollegen eine empfindliche Niederlage; schließlich laufen derzeit etwa ein Dutzend Klagen gegen die Bank wegen Oppenheim-Esch-Fonds. Jedes Urteil verschiebt das Kräfteverhältnis zwischen den verärgerten Anlegern und der Bank.

Middelhoff droht Verlust seines letzten Statussymbols

Aber im Fall Middelhoff machte Richter Singbartl sehr klar, dass seine Kammer dessen Klage wohl abweisen dürfte. Er sehe "alles in allem recht ungünstige Aussichten" für Middelhoff, sagte Richter Singbartl. Grund: Die Kammer habe "ziemliche Probleme mit der Substanz der Klage".

Das fängt schon damit an, dass das Gericht die meisten Vorwürfe Middelhoffs wohl als verjährt ansieht. Auch dessen Aussage, die Bank habe ihn über ihre Verflechtungen mit der Esch-Gruppe nicht genügend aufgeklärt, vermag Richter Singbartl kaum zu überzeugen. Im Gegensatz zu vielen anderen Oppenheim-Esch-Kunden hatte Middelhoff schließlich eine herausgehobene Stellung mit tiefen Einblicken in das Oppenheim-Esch-Universum: Als Aufsichtsrats- und dann Vorstandschef von Karstadt-Quelle (später: Arcandor) managte er ab 2004 eines der wichtigsten Investments der Bank.

Zudem war Esch Middelhoffs privater Vermögensverwalter. Middelhoff habe also - anders als die meisten anderen Fondszeichner -wohl "genügend Kenntnisse" gehabt, um das Risiko seines Investments früh einzuschätzen, schlussfolgert Richter Singbartl.

Auch krankt Middelhoffs Klage in den Augen des Gerichts daran, dass er nur Sal. Oppenheim verklagt hat, obwohl er nach eigener Aussage bei seinen Fondsinvestments stets von Esch beraten worden sei.

Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller von der Kanzlei Schelling & Partner wandte dagegen ein, Esch habe ja im Auftrag der Bank gehandelt, als deren "Erfüllungsgehilfe": Es könne nicht sein, dass das Bankhaus seine bankenrechtlichen Aufklärungspflichten "outsource" und sich hinter einem Externen wie Esch verstecke. Aber Middelhoff sei doch ein Kunde von Esch gewesen, hielt Sal.-Oppenheim-Anwalt Stefan Blum von der Kanzlei Noerr dagegen.

Middelhoff muss sich wohl von seiner Gläubiger-Ausrede verabschieden

Vieles spricht dafür, dass Thomas Middelhoff noch länger auf seine Millionen bei Sal. Oppenheim verzichten muss - wenn er sie denn überhaupt jemals zurück bekommt. Das schubst den Ex-Topmanger in ein neues Dilemma.

Denn nicht nur Sal. Oppenheim, auch andere Gläubiger wie der Unternehmensberater Roland Berger und auch Esch verlangen seit längerem Geld von Middelhoff zurück. Der hatte immer darauf verwiesen, er habe ja Geld, nur gebe Sal. Oppenheim das gerade leider nicht heraus. Aber es sei nur eine Frage der Zeit, bis er zahlen könne. Von dieser Ausrede muss sich Middelhoff wohl einstweilen verabschieden.

Und wenn Sal. Oppenheim auch noch mit der eigenen Klage auf 78 Millionen Euro gegen Middelhoff siegen sollte, könnte das ehemalige Darling der Kapitalmärkte wohl auch das letzte Symbol seines einstigen Status' verlieren: die Villa in Saint-Tropez.