Nächste Knappheit Preisexplosion bei Milchprodukten

Der Krieg in der Ukraine treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe. Nun zeichnet sich auch auf dem Milchmarkt eine Preisrallye ab, wie die Branche sie lange nicht gesehen hat.
Knappheit: Molkereien werden in diesem Jahr noch weniger Milch liefern als im Vorjahr

Knappheit: Molkereien werden in diesem Jahr noch weniger Milch liefern als im Vorjahr

Foto: Lino Mirgeler/ dpa

Der Ukraine-Krieg erhöht Energiekosten, bremst Lieferketten und sorgt für Engpässe. Supermärkte haben bereits die Preise bei vielen Produkten angehoben. Nun warnen Experten vor einem Preisanstieg, den es lange nicht gegeben hat: bei Milchprodukten.

Ende März stieg der Börsenmilchwert auf einen Rekordstand von knapp 70 Cent je Kilogramm. Das ist doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die Butterpreise sind auf 7200 Euro je Tonne und Magermilchpulverpreise auf 4.200 Euro je Tonne gestiegen. Diese beiden Produkte gelten wegen ihrer schnellen Reaktion am Markt als richtungsweisend. Im April sollen die Preise noch weiter steil nach oben gehen.

Denn die Milch ist knapp: Molkereien werden wegen der steigenden Kosten für Energie, Futter und Dünger in diesem Jahr noch weniger Milch liefern als im Vorjahr, prognostiziert die "Lebensmittelzeitung". Wenn das Angebot kleiner wird, müssen sich Verbraucher auf steigende Preise an der Supermarktkasse einstellen. Nach Angaben der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade liegt der Preisindex in diesem Jahr 22 Prozent über dem Vorjahresniveau und erreicht damit sein zweithöchstes Ergebnis seit Anfang 2013.

Milchpreise schon vor Krieg hoch

Laut Zahlen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) lagen die Preise für Produkte wie Milch, Butter, Joghurt, Sahne, Quark und Kondensmilch bereits im Januar 8,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Nun erhöht der Krieg die Preise weiter. Die steigenden Energiekosten belastet nicht nur die Produzenten, sondern auch die Verbraucher. Laut einer Befragung des Ifo-Instituts planen fast alle Firmen aus Deutschlands Nahrungs-Einzelhandel Preiserhöhungen. Der Discounter Aldi hat schon mehrfach seit Beginn des Jahres die Preise erhöht und die Konkurrenz zog nach. Eine Packung Milch in der untersten Preislage ist 8 Cent teurer nun für 88 Cent zu haben. Das 250 Gramm Päckchen Butter kostet etwa 1,89 Euro. Das ist ein Anstieg von 25 Cent. Eine ähnliche Situation ist bei Käse zu beobachten. Weitere Preissteigerungen sollen folgen.

"An Normalität ist im Moment kaum zu denken – eine scheinbar unendliche Verfügbarkeit von Waren und Produkten zeigt nun doch immer wieder Engpässe auf", schreibt die Süddeutsche Butter- und Käse-Börse in ihrem aktuellen Marktbericht. Wegen der sehr hohen Kosten für Futtermittel und Dünger wird wohl die Milchanlieferung an die Molkereien mittelfristig weiter auf einem geringen Niveau bleiben und die Preise weiter steigen lassen, erwarten die Marktbeobachter.

sio