Montag, 14. Oktober 2019

Schweizer Handelsgenossenschaft trennt sich von Unternehmensteilen Migros will Globus, Depot und Interio verkaufen

Die Schweizer Handelsgenossenschaft Migros will Globus, Depot und Interio verkaufen

Die Schweizer Handelsgenossenschaft Migros will sich von ihrem Non-Food-Geschäften trennen. Dazu zählen die Warenhausgruppe Globus, die Möbelkette Interio, der E-Bike-Händler M-Way und die Gries Deco Guppe mit der Marke Depot für Dekowaren. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Die Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) habe entschieden, die entsprechenden Verkaufsprozesse einzuleiten, teilte die Handelsgenossenschaft mit. Analysen hätten gezeigt, dass die genannten Unternehmen außerhalb der Migros-Gruppe bessere Erfolgsaussichten hätten, die Synergien mit dem Kerngeschäft von Migros seien zu gering. "Migros ist heute nicht mehr die beste Eigentümerin", ließ Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen in bestem PR-Sprech wissen.

Tatsächlich aber bereiten das Warenhaus Globus und die drei Töchter der Migros seit geraumer Zeit wenig Freude. Im vergangenen Jahr musste Globus 90 Millionen Franken abschreiben. Wer die Unternehmensteile kaufen soll, ist noch völlig offen. Einen konkreten Zeitplan für den Verkaufsprozess hat Migros offenbar nicht.

Greifen René Benko und Ikea jetzt zu?

Der "Tagesanzeiger" spekuliert darüber, dass für Globus die Signa Holding des österreichischen Investors René Benko infrage kommen könnte. Benko erwarb erst kürzlich den deutschen Warenhausriesen Galeria Karstadt Kaufhof.

Für die Filialen von Interio und Depot wiederum kämen Mitbewerber wie Ikea und Pfister in Frage. Von Ikea wisse man, dass die Schweden auf neue, kleinere Geschäften in den Innenstädten setzten. Fraglich sei allerdings , ob jemand bei den heutigen Schwierigkeiten des stationären Handels alle Standorte von Interio und Depot übernehmen würde.

Künftig will Migros verstärkt in das strategisches Kerngeschäft und den Online-Handel investieren. Schlagwortartig nennt Migros die Strategie: Profilierung im Kerngeschäft, Ausbau des Convenience-Segments, der digitalen Vertriebskanäle und des Gesundheitsbereichs sowie die Weiterentwicklung der Fachmärkte Do it + Garden, OBI, Melectronics, Micasa, SportXX und Bike World. Zu Migros gehört zudem die in Deutschland ansässige Lebensmittelkette Tegut.

Laut "Lebensmittelzeitung" investierte Migros im vergangenen Jahr bereits 1,5 Milliarden Schweizer Franken (circa 1,35 Milliarden Euro) in E-Commerce und die Modernisierung von stationären Flächen. Der Umsatz lag 2018 mit einem Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei 28,5 Milliarden Schweizer Franken. Der Gruppengewinn sank aufgrund von Wertberichtigungen bei Globus um 5,5 Prozent auf 475 Millionen Schweizer Franken.

akn

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