Mittwoch, 26. Juni 2019

Zu verkaufen: Filialbetrieb inkl. Kapitalspritze Metro will Zerschlagung von Real verhindern - und könnte draufzahlen

Real-Filiale in Dresden: Um eine Zerschlagung zu verhindern, will Metro offenbar die Immobilien und das operative Geschäft getrennt verkaufen

Der Handelsriese Metro könnte Insidern zufolge beim geplanten Verkauf der Supermarktkette Real die Immobilien und das operative Geschäft getrennt verkaufen. Der Konzern erwäge, den Betrieb der Supermarktkette und die Immobilien zu trennen und separat zu veräußern, um das Filialgeschäft komplett erhalten zu können, sagten mehrere Insider am Mittwoch und bestätigten damit einen Bericht des "Handelsblatt".

Parallel zu Gesprächen mit Investorenkonsortien über den eigentlich angestrebten Gesamtverkauf verhandele Metro mit dem Einkaufsverbund Markant über den Betrieb der Filialen. Dabei würde der Konzern dem "Handelsblatt" zufolge Geld drauflegen: Der Kaufpreis liege zwar bei 99 Millionen Euro, Metro würde vor dem Verkauf aber 300 Millionen an Kapital einbringen. "Die Verkaufsgespräche laufen und befinden sich im fortgeschrittenen Stadium", sagte ein Metro-Sprecher. Metro verhandele mit verschiedenen Parteien. Zu Inhalten wollte er sich nicht äußern.

Die im MDax Börsen-Chart zeigen gelisteten Metro-Aktien Börsen-Chart zeigen verloren zum Handelsstart rund ein Prozent an Wert.

Konsortium um Redos hat wohl Interesse an Real verloren

Metro-Chef Olaf Koch hatte im vergangenen Jahr angekündigt, Real verkaufen zu wollen. Die Gespräche darüber sind in die heiße Phase eingetreten. Insidern zufolge verhandelte Metro mit dem Immobilieninvestor X+Bricks sowie einem Konsortium der Redos-Gruppe, der auf Handelsimmobilien spezialisierten ECE und Morgan Stanley Real Estate.

Das Konsortium um Redos habe sich nun aber aus dem Prozess verabschiedet, berichtete die "Börsen-Zeitung" am Mittwoch. Metro habe darauf bestanden, dass der Käufer das kartellrechtliche Risiko vollständig übernehme, das habe das Konsortium aber abgelehnt, hieß es in dem Bericht. Ein Metro-Sprecher wollte dies nicht kommentieren. Die übrigen Unternehmen wollten sich nicht äußern oder waren nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Markant machte indes indirekt deutlich, dass der Einkaufsverbund mit Metro verhandelt: Markant werde sich "zu einem laufenden Prozess" nicht äußern, erklärte ein Sprecher.

Zuletzt hatte der Real-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Werner Klockhaus, vor einer Zerschlagung von Real gewarnt. Diese würde drohen, wenn ein Immobilieninvestor Real insgesamt übernimmt. Die Arbeitnehmer fürchten, dass ein solcher Investor nur Interesse an dem Grundbesitz der Filialen hat und die einzelnen Geschäfte dann an Real-Konkurrenten vermieten könnte - oder sie für andere Projekte nutzen könnte.

Die zur Schwarz-Gruppe gehörende Kaufland-Gruppe hatte in der Vergangenheit etwa bereits Interesse an einzelnen Real-Märkten angemeldet, auch Konkurrent Rewe hatte erklärt, einzelne Filialen übernehmen zu können. "Eine Zerschlagung von Real darf es nicht geben", hatte Klockhaus gesagt. "Die Berichte über einen Verkauf an Immobilieninvestoren verunsichern die Mannschaft."

Der Betriebsratschef sagte weiter, er werde Metro-Chef Koch an sein Versprechen erinnern, Real als Ganzes zu verkaufen. Er setze auf einen strategischen Investor - also einen Käufer aus der Handelsbranche: "Ich bin mir sicher, dass Gespräche mit strategischen Investoren geführt werden."

mg/rtr

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