Kaufhof-Bietergefecht entschieden Benko geht leer aus - Metro-Aktionäre auch

Von mm-newsdesk
Kaufhof: Für 2,8 Milliarden Euro geht die Warenhauskette nach Kanada. Karstadt-Eigner Signa geht leer aus. Metro wird den Sondererlös wohl investieren und nicht an die Aktionäre ausschütten. Die zeigen sich am Montag verschnupft und schicken die Metro-Aktie tief ins Minus

Kaufhof: Für 2,8 Milliarden Euro geht die Warenhauskette nach Kanada. Karstadt-Eigner Signa geht leer aus. Metro wird den Sondererlös wohl investieren und nicht an die Aktionäre ausschütten. Die zeigen sich am Montag verschnupft und schicken die Metro-Aktie tief ins Minus

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Das Bieterrennen um die Warenhauskette Kaufhof ist entschieden. Der deutsche Handelsriese Metro  verkauft Kaufhof für 2,85 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay aus Toronto. Das teilte Metro am Montag in Düsseldorf mit.

Der deutsche Marktführer soll für die Kanadier die Basis für eine weitere Expansion in Europa bilden. Hudson's-Bay-Chef Richard Baker versicherte am Montag, sein Konzern plane auch deshalb keine Stellenstreichungen bei Kaufhof. Vielmehr wolle er massiv in die Kette mit ihren 21.500 Mitarbeitern investieren.

Die Vereinbarung umfasst der Metro-Mitteilung zufolge das in Deutschland vornehmlich unter Galeria Kaufhof sowie in Belgien unter Galeria Inno operierenden Warenhausgeschäft und die dazugehörenden Immobilien.

Mit dem Verkauf von Kaufhof an Hudson's Bay platzt nicht nur der Traum von Karstadt-Eigner Benko von einer deutschen Warenhaus AG aus den beiden Ketten. Karstadt muss sich künftig auch auf verstärkte Konkurrenz einstellen. Der österreichische Investor hatte seine Fühler bereits in der Vergangenheit nach Kaufhof ausgestreckt, nun kam er erneut nicht zum Zug. Benkos Signa Holding war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Nach früheren Informationen hat Benko rund 2,9 Milliarden Euro geboten.

Für Metro ergibt sich aus dem Verkauf ein positiver Sonderertrag für das Betriebsergebnis (Ebit) von 700 Millionen Euro. Zudem könne der Düsseldorfer Handelskonzern seine Nettoverschuldung um rund 2,7 Milliarden Euro reduzieren. Auf eine Sonderdividende können die Aktionäre indes nicht hoffen. Die Transaktion wird voraussichtlich Ende September 2015 abgeschlossen sein.

Hudson's Bay erklärte, Kaufhof schon länger im Auge gehabt zu haben. Hudson's Bay habe großen Respekt vor den Leistungen der Kaufhof-Mannschaft, versicherte Baker. Die Hauptverwaltung von Kaufhof bleibe in Köln. Zudem wollen die Kanadier mit dem bestehenden Management-Team von Kaufhof weitermachen.

Kaufhof betreibt knapp 140 Waren- und Sporthäuser in Deutschland und Belgien. Im Geschäftsjahr 2013/14 setzte die Kette rund 3,1 Milliarden Euro um. Konkurrent Karstadt betreibt noch gut 80 klassische Warenhäuser.

Der über Jahre geplante Verkauf des Kaufhof lässt bei Metro die Kassen klingeln. Ein positiver Sonderertrag für das Betriebsergebnis (Ebit) von 700 Millionen Euro sei die Folge, berichtete Metro-Chef Koch. Zudem könne der Düsseldorfer Handelskonzern seine Nettoverschuldung um rund 2,7 Milliarden Euro reduzieren. Die Transaktion werde wohl Ende September abgeschlossen sein. Analysten begrüßten den Verkauf - dieser sei eine gute Nachricht für die Metro-Anteilseigner, erklärte die DZ Bank.

Metro-Aktionäre sahen das am Montag zunächst anders und schickten das Papier mit Kursabschlägen von mehr als 5 Prozent in der Spitze auf den tiefsten Stand seit Ende Februar. Offenbar hatten sie einen höheren Verkaufspreis erwartet.

Keine Sonderdividende, Koch will Erlös investieren, Aktionäre enttäuscht

Koch will die Einnahmen auch investieren und vor allem mit den Großmärkten expandieren. Hier sei auch wieder ein Markteintritt in neue Länder möglich, auch Übernahmeziele könnten ins Visier genommen werden. Koch machte damit auch deutlich, dass die Metro-Aktionäre nicht mit einer Sonderdividende aus dem Verkauf rechnen können - vermutlich der entscheidende Grund für den kräftigen Kursabschlag.

Hudson's Bay, gegründet 1670, ist nach eigenen Angaben Nordamerikas ältestes Unternehmen. Der Konzern betreibt in den USA und Kanada mehr als 300 Warenhäuser und Fachgeschäfte. Zum Firmenimperium gehört auch die bekannte US-Warenhauskette Saks Fifth Avenue. Die Übernahme von Kaufhof wäre ein erster Schritt auf den europäischen Markt.

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Metro-Chef Koch hatte Kaufhof ins Schaufenster gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht. Er will den Konzern auf die Media-Saturn-Elektromärkte und das Geschäft mit den Großmärkten konzentrieren.

ts/rei/dpa-afx/Reuters
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