Montag, 9. Dezember 2019

Spitze empfiehlt Ablehnung des Angebots Metro will sich nicht von Milliardär übernehmen lassen

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will Metro übernehmen. Die Konzernführung hält das Angebot für zu niedrig
imago images/CTK Photo
Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will Metro übernehmen. Die Konzernführung hält das Angebot für zu niedrig

Der Handelsriese Metro will sich nicht vom tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky übernehmen lassen. Dessen Offerte von 16 Euro pro Stammaktie sei deutlich zu niedrig. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen ihren Aktionären, das Angebot abzulehnen.

Der Handelskonzern Metro hat die Übernahmeofferte des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky abgelehnt. Der von Kretinskys Holding EPGC gebotene Preis sei nicht angemessen, teilte Metro in Düsseldorf mit. Zudem sorge sich Metro, dass die eigene operative Flexibilität und die strategische Handlungsfähigkeit durch eine Übernahme eingeschränkt werden könnte, da das Angebot zu einem guten Teil fremd finanziert sei.

Vorstand und Aufsichtsrat sehen die aus ihrer Sicht erreichten Fortschritte beim Umbau zu einem reinen Großhändler und die daraus resultierenden Wachstumspotenziale in dem Angebot "nicht hinreichend reflektiert".

"Wir sind gegenüber Änderungen im Aktionärskreis aufgeschlossen", erklärte Metro-Chef Olaf Koch. Unabhängig davon sei Metro jedoch "bereits heute in der Lage, auf das sich dynamisch entwickelnde Marktumfeld zu reagieren".

Der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Steinemann forderte zudem mehr Klarheit über die künftige Strategie der Kretinsky-Holding EPGC sowie über die Auswirkungen "der Akquisitionsfinanzierung auf die Handlungsfähigkeit des Unternehmens".

Was will Kretinsky? - Metro-Aufsichtsrat fordert Transparenz

So sorgt sich Metro darum, dass der hohe Anteil des Fremdkapitals den Verschuldungsgrad des Handelskonzerns erhöhen könnte und fürchtet negative Auswirkungen auf die Bonität. So hatten die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's bereits eine Prüfung der Bonität auf eine mögliche Herabstufung angekündigt.

Metro begrüße jedoch die grundsätzliche Unterstützung des derzeit laufenden Umbauprogramms durch die EPGC. Der Handelskonzern erkenne auch an, das "kurzfristig orientierte Anleger" sich für eine Annahme des Gebots entscheiden könnten.

Metro-Chef Olaf Koch

Andrew Gwynn vom Analysehaus Exane BNP hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen am Vorabend erklärt, eine Ablehnung sei wahrscheinlich. Er gehe dabei nicht von einer Erhöhung des Angebots aus, der faire Wert liege unter der Offerte.

Kretinsky und sein slowakischer Partner Patrik Tka wollen Metro in einem rund 5,8 Milliarden Euro schweren Angebot übernehmen. Dabei biete die Holding EPGC für die Stammaktien der Metro AG 16,00 Euro und für die Vorzugsaktien 13,80 Euro. Die Mindestannahmeschwelle liegt bei 67,5 Prozent, das Angebot läuft noch bis 7. August. Kretinsky hat sich indes bereits knapp 33 Prozent der Metro-Stammaktien gesichert.

Zweifel, dass Kretinsky die Annahmeschwelle erreicht

Vorstand und Aufsichtsrat der Metro melden aber Zweifel an, dass der Milliardär das Ziel von 67,5 Prozent der Stammaktien erreicht: "Solange zwei wesentliche Großaktionäre das Angebot nicht annehmen, erscheint die Mindestannahmeschwelle (..) sehr ambitioniert", hieß es in der Stellungnahme zu Kretinskys Offerte. Die Beisheim Holding und die Meridian Stiftung, die insgesamt über 20 Prozent der Anteilsscheine halten, schweigen sich bislang zum Angebot aus.

Metro hatte bereits am Dienstagabend die Zahlen für das abgelaufene dritten Quartal vorgelegt. Dank des späten Ostergeschäfts stieg der Umsatz. Der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft stagnierte jedoch. Dabei ist das Geschäft in Russland weiter schwierig, Umsatz und Ergebnis gingen in dem für Metrowichtigen Markt weiter zurück. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2018/19 (per 30. September) bekräftigte der Handelskonzern. Die Zahlen und die Ablehnung des Angebots wurden am Markt zunächst negativ aufgenommen - die Aktie stand vorbörslich unter Druck.

rei/dpa-afx/Reuters

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