Freitag, 20. September 2019

459 Millionen Euro Quartalsverlust Real peinigt Metro - und wird aufgespalten

Steht zum Verkauf: die Supermarktkette Real

Der Handelskonzern Metro steht kurz vor der Trennung von seiner sanierungsbedürftigen Supermarktkette Real. Doch auch im Kerngeschäft des einst blühenden Großhändlers sacken die Gewinne ab.

Abschreibungen auf die Supermarkttochter Real haben den Handelskonzern Metro im zweiten Geschäftsquartal tief ins Minus gedrückt. Unter dem Strich belief sich der Verlust auf 459 Millionen Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte.

Am Vorabend hatte Metro exklusive Verkaufsgespräche für Real mit der Bietergrupupe Redos angekündigt. Im Rahmen des fortgeschrittenen Prozesses schrieb der Konzern daraufhin 385 Millionen Euro ab. Nach Informationen von manager-magazin.de soll Real nach dem Verkauf aufgespalten werden: Die Immobilien sollen an ECE gehen, den Hamburger Spezialisten für Einkaufszentren unter Führung von Alexander Otto, sowie Morgan Stanley. Um die darbenden Supermärkte, derzeit die Mieter dieser Immobilien, soll sich dann Redos kümmern. Nur an dieser Gesellschaft bleibt Metro mit 24,9 Prozent beteiligt.

Allerdings bietet auf das fortgeführte Geschäft ohne Real Anlass zur Sorge. Der operative Gewinn (Ebitda) im Großhandel sank bereinigt um Erträge aus Immmobilienverkäufen um ein Viertel auf 83 Millionen Euro. Dabei belastete weiterhin ein schwieriges Geschäft in Russland sowie Kosten für die IT und die Digitalisierung das Ergebnis. Negativ wirkte sich auch die Schwäche der russischen sowie türkischen Währungen aus.

Zudem fiel das Ostergeschäft dieses Jahr im Gegensatz zum Vorjahr erst in das dritte Geschäftsquartal. Der Umsatz stieg leicht um 0,2 Prozent auf knapp 6,8 Milliarden Euro. Die Jahresprognose wurde bekräftigt.

Aktien sinken auf Zweimonatstief

Die Aktien des Handelskonzerns sind am Vormittag auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten eingeknickt. Sie sackten als Schlusslicht im Index der mittelgroßen Werte MDax um 5,23 Prozent auf 14,31 Euro ab.

Trotz der Fortschritte beim geplanten Verkauf der Supermarktkette Real habe die Metro im Kerngeschäft weiterhin mit Problemen zu ringen, erklärte Analyst Borja Olcese von der Bank JPMorgan. Der Umsatz habe im zweiten Geschäftsquartal zwar die Erwartungen insgesamt erfüllt, allerdings habe der Mix enttäuscht. So sei es etwa in Asien besser gelaufen, in Russland und Deutschland aber schlechter.

Wie Metro gestern Abend mitgeteilt hatte, sieht die Vereinbarung vor, dass Real als Ganzes an Redos veräußert werden soll. Metro soll zunächst mit 24,9 Prozent am operativen Geschäft von Real beteiligt bleiben, erhält jedoch eine Put Option zum Verkauf der restlichen Anteile, die frühestens nach drei Jahren ausübbar ist.

Der aktuelle Verhandlungsstand impliziert einen Unternehmenswert von etwa einer Milliarde Euro, hieß es weiter in der Erklärung. Rund 500 Millionen Euro davon sollen Metro zufließen. Die Transaktion ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Vorstand und Aufsichtsrat der Metro müssten einem etwaigen Vertragsabschluss noch zustimmen, hieß es weiter.

rei/dpa/soc

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