Gastronomiegeschäft leidet Metro erwartet Druck durch Corona bis Mitte 2021

Noch-Konzernchef Olaf Koch gibt sich optimistisch, doch damit kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Corona-Krise in den Geschäftszahlen der Metro deutlich bemerkbar macht. Bis es besser wird, dürften noch Monate vergehen.
"Metro hat sich (...) als sehr krisenfest erwiesen": Konzernchef Olaf Koch übt sich in Zuversicht

"Metro hat sich (...) als sehr krisenfest erwiesen": Konzernchef Olaf Koch übt sich in Zuversicht

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die Corona-Pandemie wird den Großhandelskonzern Metro auch im neuen Geschäftsjahr belasten. Es dürfte weiterhin vor allem das Geschäft mit der Gastronomie treffen, die derzeit unter Schließungen in vielen europäischen Ländern leidet. Die Beschränkungen könnten dabei Metros Prognose zufolge bis in das zweite Quartal dauern. Doch danach rechnet der Großhändler mit einem Nachholeffekt - und einer schnellen Erholung von Gastronomie und Tourismus. Die Aktie  gewinnt zunächst 1,7 Prozent.

So geht Metro für 2020/21 (per Ende September) insgesamt von weiteren Rückgängen bei Umsatz und operativem Ergebnis aus, wie das Unternehmen am Montag in Düsseldorf mitteilte. Der Großhändler erwartet einen leichten währungs- und portfoliobereinigten Umsatzrückgang. Auch flächenbereinigt dürften die Erlöse sinken. Die größten Belastungen erwartet Metro dabei in Regionen mit hohem Gastronomieanteil, insbesondere in Westeuropa.

Russland, das noch zu Beginn des vergangenen Geschäftsjahres wegen der schwachen Entwicklung das Sorgenkind des Konzerns gewesen war, dürfte sich hingegen besser entwickeln als die Metro insgesamt. Dies liegt auch an den selbstständigen Händlern, die dort einen großen Anteil des Geschäfts ausmachen. Auch Asien soll stärker abschneiden als der Gesamtkonzern.

Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) erwartet Metro ein Minus im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. So geht das Management für einen Monat mit vollständigem Lockdown von Umsatzeinbußen im gesamten Länderportfolio von durchschnittlich 400 Millionen Euro aus. Für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres erwartet das Unternehmen dann eine deutlich bessere Entwicklung als in den ersten sechs Monaten.

Corona-Krise brockt Metro Verluste ein

Das vergangene Geschäftsjahr war von der Pandemie geprägt, insbesondere das dritte Quartal, in das der erste flächendeckende Lockdown fiel. Die Ergebnisse fielen dabei am oberen Ende der von Metro im August ausgegebenen Prognose aus. So sank das bereinigte Ebitda um knapp 17 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro. Unter dem Strich profitierte Metro von dem Verkauf der Mehrheit des China-Geschäfts und steigerte den Gewinn von 322 Millionen auf 460 Millionen Euro. Im fortgeführten Geschäft - ohne die China-Aktivitäten und die ebenfalls verkaufte Supermarkttochter Real - stand jedoch ein Verlust von 140 Millionen Euro.

Der Umsatz nahm wie bereits berichtet um 5,4 Prozent auf 25,6 Milliarden Euro ab. Flächenbereinigt lag das Minus bei 3,9 Prozent. Dabei konnten steigende Erlöse etwa mit selbstständigen Händlern das Umsatzminus aus der Gastronomie zum Teil auffangen. Im vierten Quartal sei eine weitere erhebliche Trendverbesserung in allen Regionen und eine Geschäftsentwicklung annähernd auf dem Niveau des Vorjahres erreicht worden, hieß es von Metro. Der Konzern konnte dabei eigenen Angaben zufolge sogar deutliche Marktanteile im Kerngeschäft gewinnen.

Der zum Jahresende ausscheidende Konzernchef Olaf Koch (50) zeigte sich daher recht zufrieden. "Metro hat sich mit dem ganzheitlichen Großhandelsansatz als sehr krisenfest erwiesen", erklärte er zu den Zahlen. Metro habe zudem die Verkäufe des China-Geschäfts und Real wie geplant abschließen können und sich weiter entschuldet. Als nun reiner Großhändler habe der Konzern die Weichen für künftiges Wachstum gestellt. Eine Rückkehr auf den Wachstumspfad erwartet das Unternehmen nach der Corona-Pandemie.

Die Anteilseigner - angeführt von den Großaktionären Daniel Kretinsky (45) und den Familien Beisheim und Schmidt-Ruthenbeck der beiden Metro-Mitgründer - sollen eine unveränderte Dividende von 0,70 Euro je Aktie erhalten. Kretinsky hatte seinen Anteil zuletzt über ein freiwilliges Übernahmeangebot auf gut 40 Prozent erhöht. Die Beisheim Holding und die Meridian Stiftung, in der die Schmidt-Ruthenbeck-Anteile liegen, kommen zusammen auf gut 23 Prozent.

cr/dpa-afx
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