Donnerstag, 18. Juli 2019

Pudding-Clan Schiedsgericht soll Machtkampf bei Oetker entschärfen

Oetker-Gruppenchef Richard Oetker (links, neben Vorgänger August Oetker): Seit der Amtsübernahme schwelt der Streit zwischen den Familienstämmen

Kampf um die Macht im Oetker-Imperium: Ein Schiedsgericht soll den sich zuspitzenden Generationenkonflikt zwischen den Gesellschaftern der Oetker-Gruppe schlichten. Namhafte Juristen fungieren als Schlichter zwischen den Familienstämmen.

Hamburg - Dem Gremium gehören renommierte Juraprofessoren an, wie das manager magazin in seiner neuen Ausgabe (Erscheinungstag 24. Januar) berichtet: Klaus Hopt (73) vom Hamburger Max-Planck-Institut und Peter Hommelhoff (71) aus Heidelberg. Den Vorsitz führt ein ehemaliger Präsident des Bundesgerichtshofs, Karlmann Geiß (78).

Die Familie Oetker hatte das Schiedsgericht unter größter Geheimhaltung eingesetzt. Ursprung des langwierigen Konflikts ist die Neubesetzung der Unternehmensspitze.

Alfred Oetker (46), Sohn des legendären Patriarchen Rudolf-August Oetker (1916-2007), bewarb sich um den Posten des persönlich haftenden Gesellschafters. Überraschend wurde jedoch Alfred Oetkers älterer Halbbruder Richard (63) zum Gruppenchef ernannt.

Führungsstreit entzweit die Familie

Seither entzweit ein Führungsstreit die Familie. An den Auseinandersetzungen scheiterte nicht zuletzt die zwischenzeitlich verhandelte Fusion zwischen der Reederei Hapag-Lloyd und dem Oetker-Unternehmen Hamburg Süd. Die jüngere Generation um Alfred Oetker hatte sich dagegen ausgesprochen.

Unter Mitwirkung des Schiedsgerichts hat sich die Familie bereits auf eine Regel geeinigt, wie der Beirat besetzt wird. Dieser ist neben der Gesellschafterversammlung das wichtigste Kontrollgremium der Gruppe. Festgelegt wurde, dass die drei Familienstämme, die durch die drei Ehen des Patriarchen Rudolf-August Oetker markiert sind, jeweils einen Vertreter in den Beirat entsenden. Dieser Schritt ermöglichte Alfred Oetker, 2011 in das mächtige Gremium aufzusteigen.

Der Führungsstreit in der Familie kommt für Oetker zu einer ungünstigen Zeit: Jahrelang stand der Nahrungsmittel- und Reedereikonzern für Solidität und wirtschaftlichen Erfolg, doch in jüngster Zeit zeigt Oetker ungewohnte Schwächen.

Wenn es nicht gelingt, den Führungsstreit durch den Einsatz der professionellen Schlichter zu befrieden, könnte der gesamte Konzern in Gefahr geraten. Denn Baustellen gibt es genug im Oetker-Imperium: Ein peinliches Kartellverfahren belastet die Biertochter Radeberger. Die Krise der Schifffahrt entwickelt sich zum Großrisiko. Und das Geschäft mit Pudding und Pizza kommt nicht recht voran.

Oetker-Baustelle Radeberger: Mangelnde Marktmacht

Mit seiner Biersparte hatte der Oetker-Konzern einst große Pläne. Die Kriegskasse sei prall gefüllt, protzte 2006 der damalige Radeberger-Chef Ulrich Kallmeyer: "Wir werden Marken und Brauereien erwerben". Das ambitionierte Ziel: Innerhalb von vier Jahren sollte die Radeberger-Gruppe in Deutschland einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen. Koste es, was es wolle. Die versprochene Offensive blieb jedoch aus. Heute kommt die Oetker-Tochter gerade mal auf magere 15 Prozent - den Anteil des Jahres 2006.

Die mangelnde Marktmacht hat fatale Folgen. Denn die 15-Prozent-Quote reicht nicht aus, um die Bierpreise zu bestimmen - und dadurch hohe Gewinnmargen zu erzielen. Wer höhere Summen verlangt, wird im fragmentierten deutschen Markt sofort von der Konkurrenz unterboten. Deshalb versuchen Großbrauereien immer wieder, die Preise abzusprechen. Nun droht Oetker eine schmerzhafte Kartellstrafe, womöglich sogar im dreistelligen Millionenbereich.

Warum die Familie Oetker Schwachstellen im Portfolio nicht entschlossen bekämpft, analysiert das manager magazin in der Titelgeschichte seiner aktuellen Ausgabe: "Pudding-Krieg bei Oetkers".

Die neue Ausgabe des manager magazin finden Sie ab Donnerstag, 12 Uhr, in digitaler Form in unserem Online-Kiosk, ab Freitag im Zeitschriftenhandel. Abonnenten erhalten die Print-Ausgabe ebenfalls bereits am Donnerstag.

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