Rasantes Wachstum der Logistiksparte Wie Amazon an der Postfiliale der Zukunft baut

Amazon Hub Locker: Auch Amazon setzt mittlerweile auf "bemannte" Annahmestationen

Amazon Hub Locker: Auch Amazon setzt mittlerweile auf "bemannte" Annahmestationen

Foto: amazon

Es war letztlich nur ein Machtspiel. Klein - aber effektiv. Als Amazon im Dezember verkündete, dass externe Händler ab sofort keine Prime-Päckchen mehr über FedEx verschicken dürften, war das für den ohnehin angeschlagenen US-Logistiker ein herber Rückschlag. Als Begründung führte der Onlinehändler an, dass der Logistiker den Anforderungen nicht mehr genügt habe. Allerdings hatte FedEx, das Amazon mittlerweile auch offiziell als Konkurrenten ansieht, zuvor seinerseits einen Express-Liefervertrag mit Amazon nicht verlängert.

Mittlerweile hat Amazon den Fedex-Bann für externe Händler wieder aufgehoben. Und seine Position im Logistikmarkt weiter gestärkt. Mit 3,5 Milliarden zugestellten  Paketen 2019, mehr als 800 Partnerunternehmen und 75.000 Fahrern alleine in den USA, hat sich der Onlinehändler innerhalb weniger Jahre zu einem der führenden Logistiker entwickelt.

Und dürfte Experten zufolge weiter massiv wachsen. So schätzt JP Morgan, dass Amazon in den USA bereits etwa die Hälfte seiner Pakete selbst verschickt . Und das offenbar deutlich schneller und günstiger als über die Konkurrenz. Zudem dürfte sich deren Menge bis 2022 um durchschnittlich 68 Prozent pro Jahr auf dann 6,5 Milliarden Pakete fast verdoppeln, so JP Morgan.

Im Ausland - beispielsweise in Großbritannien - bietet Amazon seine Logistik-Dienste mittlerweile sogar externen Unternehmen an. Für die 2016 noch unter dem Label "Prime Air" gestartete Fluglinie Amazon Air sind mittlerweile 50 Transportflugzeuge unterwegs. Bis 2021 sollen es 70 sein. 

2020 könnte Amazon schon UPS und FedEx überholen

Geht es nach den Experten  dürfte Amazon schon 2022 Konkurrenten wie UPS und FedEx in den USA in den Schatten stellen. Deren Volumen schätzt JP Morgan zum selben Stichtag mit fünf Milliarden beziehungsweise 3,4 Milliarden Paketen deutlich geringer ein.

Bislang sind die Zahlen nur eine Projektion. Und Amazon konzentriert sich vor allem auf dicht besiedelte Gegenden und Städte. Doch schaut man sich an, wie Amazon in der Logistik aufrüstet, um für seine Kunden das Shoppen und die zugehörigen Lieferungen und Retouren so bequem wie möglich zu machen, sollten Logistiker wie DHL und Hermes - bislang Partner von Amazon - sich durchaus Sorgen machen.

Zwar haben auch diese in der Vergangenheit aufgerüstet. So betrieb beispielsweise DHL nach eigenen Angaben 2018 knapp 13.000 Filialen und zuletzt mehr als 11.000 Paketshops und 4400 Packstationen. An das Wachstum und das Angebot, das Amazon an den Tag legt, kommen die Konkurrenten jedoch nicht ansatzweise heran.

Fast jede fünfte Packstation ist hierzulande bereits von Amazon

Da sind zum einen die traditionellen Mechanismen wie Packstationen, oder Paketboxen, um die steigenden Kosten für die letzte Meile zu reduzieren, wie sie auch die Konkurrenz nutzt. Fast jede fünfte Packstation , Locker genannt, wird hierzulande mittlerweile von Amazon betrieben. In den USA unterscheidet der Händler noch zwischen besetzten und unbesetzten Lockers, mit unterschiedlichen Aufbewahrungsszeiten zwischen drei und 15 Tagen - und damit zum Teil deutlich länger als mancher Konkurrent.

Auch eine Alternative zur deutschen Paketbox, die sich Kunden für den Empfang ihrer Pakete hierzulande anschaffen können, bietet Amazon in den USA bereits an. Dort können sich Wohnhäuser für ihre eigene Amazon Locker-Box bewerben, in denen die Zusteller dann ihre Amazon-Lieferungen abgeben können.

Auch was Abholstationen in Läden angeht, versucht Amazon zu seinen Logistikkonkurrenten aufzuschließen und ist dazu - auch in Deutschland bereits Partnerschaften mit Händlern und externen Dienstleistern eingegangen. Beispielsweise betreibt Karstadt in München bereits ein sogenanntes Amazon Hub. Und über den Dienstleister Pakadoo, können sich Kunden - sofern eine Partnerschaft mit dem Arbeitgeber besteht - ihre Privatpäckchen auch an die Jobadresse schicken lassen sowie Retouren wieder abgeben.

In den USA und Spanien können Kunden Retouren sogar unverpackt zurückbringen

Seit neuestem erspart Amazon Kunden in einigen Ländern sogar das Wiederverpacken unerwünschter Ware. In den USA können bereits an 5800 Punkten - darunter mehr als 100 Niederlassungen des Warenhauses Kohl's - Retouren ohne den mit einem Retourenlabel versehenen Versandkarton abgegeben werden. 

Auch in Spanien läuft dazu bereits ein Pilotversuch. Aktuell nehmen dort 2000 Niederlassungen des Dienstleister Celeritas Ware ohne Karton und Retourenlabel an. "Uns ist klar, dass einen Karton zu finden und ein Etikett zu drucken für unsere Kunden ein Problem darstellen kann", begründete die für Spanien und Italien zuständige Amazon-Managerin Mariangela Marseglia  den Testlauf. Man sei ja schließlich bemüht, den Einkauf sowie die Rückgabe für die Kunden so einfach und effektiv wie möglich zu gestalten.

Darüber hinaus haben Amazons Techniker für Kunden diverse Anwendungen gebaut,  die die Annahme von Paketen bequemer machen sollen. So können in den USA und offenbar auch in Deutschland Kunden über das Angebot "Amazon Map Tracking" auf einer Karte den Fortschritt ihrer Lieferung verfolgen - und sehen, wie viele Stopps der Fahrer noch vor der Auslieferung des eigenen Paketes vor sich hat. Diese Tracking-Informationen lassen sich auch mit anderen teilen.

Kunden können ein Lieferfenster von zwei bis vier Stunden angeben, in denen sie ihre Ware erhalten wollen. Über "Photo-On-Delivery" können sie ein Foto anfordern, wenn ihre Lieferung erfolgt ist und darauf genau nachverfolgen, wo der Fahrer es abgelegt hat.

Mit der Videotürklingel Ring hat Amazon zudem ein weiteres Produkt im Angebot, das Kunden nutzen können, um ihre Paketlieferungen zu überwachen und dem Paketboten vor Ort Anweisungen zu geben - auch wenn die Technologie zuletzt mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen hatte.

Bislang ist nur ein Bruchteil dieser Technologien weltweit ausgerollt, vielleicht werden es einige Angebote nie nach Deutschland schaffen. Doch mit seiner Kundenzentrierung gibt Amazon den Weg vor - und die Konkurrenz wird wohl oder übel folgen müssen.

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