Sonntag, 31. Mai 2020

Logistik Fünf Innovationen, die den Güterverkehr drastisch verändern

Paket-Hauszustellung per Flugroboter, ermüdungsfreie Trucker, Containerschiffe ohne Kapitän: Was utopisch klingt, könnte in wenigen Jahren Alltag sein. Welche Neuerungen die Logistik von morgen prägen werden.

Paket-Drohne von DHL: Seit Ende September fliegt ein verbessertes Modell regelmäßig die Nordseeinsel Juist an
Zustell-Drohnen: Der erste Feldversuch läuft bereits

Als der Versandhändler Amazon vor einem Jahr ankündigte, Minidrohen für die Zustellung von Paketen zu entwickeln, hielten das einige für einen PR-Gag. Tatsächlich meint es der Internetriese ernst, und er ist damit nicht alleine. Nicht nur der Internetkonzern Google, auch die Paketzusteller UPS und Fedex haben ähnliche Pläne bekanntgeben.

Die Deutsche-Post-Tochter DHL will ebenfalls in ein neues Zustell-Zeitalter starten - und hat dafür dem Vernehmen nach einen zweistelligen Millionenbetrag in ein eigenes Forschungszentrum in Troisdorf investiert. Tatsächlich ist DHL bei der Entwicklung seiner Lieferdrohne offenbar schon ziemlich weit. Das Botendienst-Fluggerät wirdbereits im Feldversuch getestet - und zwar in Deutschland.

Seit Ende September transportiert der "DHL Paketkopter 2.0" Medikamente aus der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu einer Apotheke auf der Nordseeinsel Juist. Die 12 Kilometer lange Distanz legt die Lieferdrohne mit vier Rotoren autonom, also ohne Eingriff von außen, zurück - mit einer Geschwindigkeit von bis zu 65 km/h. Die Flüge finden regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten statt und werden von einer mobilen Bodenstation überwacht. Etwas mehr als einen Kilo Ladung kann der Paketkopter auf einmal transportieren, der Feldversuch läuft noch bis Jahresende.

Für einen regulären Zustellbetrieb mit derartigen Drohnen hat DHL nach eigenen Angaben aber noch keine konkreten Pläne. In dünn besiedelten oder schwer erreichbaren Gebieten kann sich DHL den Einsatz jedoch vorstellen - wenn er wirtschaftlich sinnvoll und technisch machbar ist.

Allerdings gilt es dafür noch einige Hürden zu überwinden. Um künftig gefahrenfrei Pakete zu liefern, müssen Drohnen in der Luft besser Objekte erkennen und Kollisionen selbstständig ausweichen können, fordert etwa ein US-Experte. In den USA bremsen behördliche Richtlinien kommerzielle Drohnenflüge aus. Dennoch scheint das Zeitalter, in dem ferngesteuerte Mini-Helikopter Waren in schwer erreichbare Gebiete liefern, nicht mehr allzu weit entfernt.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung