Kreditversicherer geben Risiken ab Bund sichert Handel mit 30-Milliarden-Schutzschirm ab

Wenn Kunden ihren Lieferanten nicht bezahlen, kann es eng werden. Deshalb schützt eine Warenkreditversicherung die Lieferanten. Doch die Versicherer selbst geben jetzt in der Krise einen Teil dieser Risiken an den Bund ab, der mit milliardenschweren Garantien in die Bresche springt. Dafür reichen die Kreditversicherer einen Teil der Prämien an den Bund weiter.

Wenn Kunden ihren Lieferanten nicht bezahlen, kann es eng werden. Deshalb schützt eine Warenkreditversicherung die Lieferanten. Doch die Versicherer selbst geben jetzt in der Krise einen Teil dieser Risiken an den Bund ab, der mit milliardenschweren Garantien in die Bresche springt. Dafür reichen die Kreditversicherer einen Teil der Prämien an den Bund weiter.

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa-Zentralbild/ DPA

Die Bundesregierung will mit einem milliardenschweren Schutzschirm verhindern, dass die Lieferketten im Handel in der Corona-Krise abreißen. Der deutsche Staat nimmt den Kreditversicherern - allen voran der Allianz-Tochter Euler Hermes - Ausfallrisiken im Volumen von bis zu 30 Milliarden Euro ab, teilten das Finanz- und Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit.

Diese Risiken sind normalerweise mit Warenkreditversicherungen abgesichert. Doch die Branche hatte befürchtet, dass ihr die Schäden angesichts des brachliegenden Einzelhandels und Produktionsstopps über den Kopf wachsen könnten. Sie überlassen dem Bund im Gegenzug 65 Prozent der Prämieneinnahmen für dieses Jahr.

Die Kreditversicherung erfüllt vor allem für den Handel eine wichtige Funktion. Sie schützt Lieferanten davor, dass ihr Kunde die Rechnung nicht zahlen kann oder will. Die Lieferanten würden sonst auf Vorkasse bestehen - was die Händler angesichts knapp kalkulierter Margen überfordern könnte. Laut Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) decken die Kreditversicherer mit ihren Zusagen auch 15 Prozent der deutschen Exporte ab.

"Für viele Unternehmen ist diese Krise bedrohlich, weil sie keine Aufträge mehr erhalten", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. "Und wenn noch Aufträge da sind, ist ungewiss, ob der Kunde am Ende zahlen kann." Finanzminister Olaf Scholz sagte, mit dem Schutzschirm werde der Warenverkehr abgesichert. Damit werde für einen reibungslosen Warenstrom gesorgt, der gerade nun dringend gebraucht werde. Zurzeit könnten viele Unternehmen die Probleme aber noch alleine lösen.

Garantien hebeln Absicherung auf 400 Milliarden Euro Geschäftsvolumen

Die EU-Kommission hatte den Schutzschirm bereits gebilligt. Durch die Hebelwirkung der Milliarden-Garantien des Bundes werde die Absicherung eines Geschäftsvolumens in Höhe von insgesamt rund 400 Milliarden Euro erreicht, heißt es. Zudem tragen die Kreditversicherer laut Ministerien Verluste bis zu einer Höhe von 500 Millionen Euro selbst und übernehmen die Ausfallrisiken, die über die Garantie des Bundes hinausgehen.

2019 deckten die Kreditversicherer laut GDV Lieferungen im Wert von 411 Milliarden Euro ab. Die Bundesregierung hofft, dass sie ihre Deckungszusagen noch ausbauen. Die Branche bremst diese Erwartung aber. Man könne dank des Schutzschirms zwar den größten Teil der Zusagen aufrecht erhalten, sagte Euler-Hermes-Deutschland-Chef Ron van het Hof. Er sei aber "kein genereller Freifahrtschein" für Unternehmen, die schon vor der Corona-Krise in Schwierigkeiten gewesen seien. Die Entscheidung über die Limite träfen weiterhin die Versicherer. Sie können dabei aber laut GDV großzügiger sein als ohne die Garantien.

Euler Hermes ist mit einem Marktanteil von 43 Prozent der mit Abstand größte Warenkreditversicherer, dahinter rangieren Coface und Atradius. Die Beitragseinnahmen in der Warenkreditversicherung lagen 2019 bei 817 Millionen Euro, die Versicherer mussten gut 400 Millionen an Schäden begleichen.

Im laufenden Jahr nehmen sie die erste halbe Milliarde Euro auf sich, ehe der Bund einspringen würde. Die Staatsgarantie gilt rückwirkend für Kreditausfälle seit März bis zum Jahresende.

rei/Reuters/dpa
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