Hohe Frachtraten Lidl will eigene Containerschiffe kaufen

Die Hafenstadt Shanghai ist noch im Lockdown, die Frachtraten ziehen weiter an, die Lieferketten sind gestört. Der Discounter Lidl will sich gegen die Verwerfungen auf den Frachtmärkten jetzt mit dem Kauf eigener Schiffe absichern.
Containerhafen Hamburg: Container sind knapp, die Frachtraten hoch

Containerhafen Hamburg: Container sind knapp, die Frachtraten hoch

Foto: Daniel Bockwoldt/ picture alliance / dpa

Die Frachtraten im internationalen Seeverkehr werden nicht so schnell sinken. Im Gegenteil: Experten rechnen angesichts des kürzlich verkündeten Lockdowns der Hafenstadt Shanghai sogar mit weiter steigenden Preisen. Wer jetzt noch Fracht zu verschicken hat, wenn er denn überhaupt Container bekommt, muss also tief in die Tasche greifen.

Der deutsche Lebensmittelriese Lidl reagiert auf die Verwerfungen auf den internationalen Frachtmärkten mit dem Kauf eigener Schiffe. Der Schwarz-Discounter will so seine Lieferketten absichern. "Wir können bestätigen, dass Lidl künftig in Teilen eigene Kapazitäten in der Seefracht zum Einsatz bringen wird. Dies ist ein weiterer Baustein zur Sicherung unserer Lieferketten und der Warenverfügbarkeit in unseren Filialen", erklärte ein Sprecher am Freitag auf Anfrage von manager magazin.

Zuvor hatte die "Lebensmittel-Zeitung"  exklusiv darüber berichtet. Infolge der Verwerfungen auf den Frachtmärkten habe Lidl vergangenes Jahr zunächst versucht, eine Beteiligung an einem Reeder zu ergattern, berichtete die Zeitung. Offenbar vergeblich – stattdessen kaufe man nun Schiffe.

Einen Namen habe der neu gegründete Bereich auch schon. "Tailwind Shipping Lines" – zu Deutsch Rückenwind – soll das jüngste Kind der Schwarz-Gruppe heißen. Aus der Anmeldung beim europäischen Markenamt geht hervor , dass Lidl unter diesem Namen Fracht mit Schiffen oder Flugzeugen transportieren will, heißt es in dem Bericht.

Ziel sei es, "das gestiegene Volumen von unterschiedlichen Produktionsstätten langfristig in Teilen flexibler managen zu können", zitiert die Zeitung Lidl-Logistik-Vorstand Wolf Tiedemann. Wie viel Schiffe Lidl zu kaufen gedenkt, sagte der Discounter nicht. Schon bisher verhandelte das Unternehmen direkt mit Reedern. Nur ein kleiner Teil des Volumens werde über Speditionen abgewickelt. Gemessen an der Verfügbarkeit von Ware in den Filialen habe diese Strategie vergleichsweise gut funktioniert. Nach Recherchen der Zeitung beträgt das wöchentliche Frachtvolumen von Lidl 400 bis 500 TEU, also 20-Fuß-Container.

Lidl erklärte gegenüber manager magazin: "Wir möchten betonen, dass wir weiterhin im großen Umfang auf die wertvolle und eingespielte Zusammenarbeit mit unseren Partnern setzen."

Lidl ist indes nicht der erste Konzern, der sich mit eigenen Frachtkapazitäten gegen Lieferkettenprobleme und hohe Frachtraten abzusichern versucht. Händler wie Walmart oder Ikea haben bereits Schiffe gechartert. Mit dem Aufbau eigener Kapazitäten geht Lidl nun aber offenbar einen Schritt weiter.

rei
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