Dritter CEO seit 2017 Paternó verlässt Lidl nach nur wenigen Monaten

Das war es schon wieder: Nach nur wenigen Monaten im Amt verlässt Lidl-Chef Paternó den Discounter. Offiziell auf eigenen Wunsch. Der Verschleiß an Lidl- und Kaufland-Chefs bei der Schwarz-Gruppe bleibt damit hoch.
Lidl-Filiale: Paternó verlässt den Discounter nach Angaben des Unternehmens auf eigenen Wunsch

Lidl-Filiale: Paternó verlässt den Discounter nach Angaben des Unternehmens auf eigenen Wunsch

Foto: Sven Severing / imago images/Jan Huebner

Der Generalbevollmächtigte der Schwarz-Gruppe, Klaus Gehrig (72), tauscht erneut Spitzenpersonal aus. Der bisherige Vorstandsvorsitzende des Discounters Lidl, Ignazio Paternò (40), verlasse das Unternehmen mit sofortiger Wirkung und "auf eigenen Wunsch", hieß es am Dienstag in einer Firmenmitteilung. Sein Lebensmittelpunkt in Italien habe ihn dazu bewogen, das Amt niederzulegen. Interimsweise soll Gerd Chrzanowski (48) die Geschäfte des Discounters leiten. Zuvor hatte die "Lebensmittel Zeitung" über Paternòs Abgang berichtet. Zur Schwarz-Gruppe gehören die Handelsketten Lidl und Kaufland.

Der in Deutschland aufgewachsene Italiener Paternò fing 2004 bei Lidl an und hatte sich seitdem hochgearbeitet. Im April 2019 übernahm er den Chefposten bei der Supermarktkette zunächst kommissarisch - und erst vor wenigen Monaten mit einem festen Vertrag. Die Frage ist nun, was Paternó zu dem Abgang bewog. War es wirklich die Heimatliebe zu Italien oder waren es doch Differenzen mit Gehrig, dem designierter Nachfolger von Dieter Schwarz (80), dem Eigentümer der Schwarz-Gruppe?

Schließlich hat der Vertraute und allmächtige Vertreter von Schwarz seit 1999, als er das Alltagsgeschäft der Schwarz-Gruppe übernommen hatte, einen Haufen Vorstandsvorsitzende sowohl bei Lidl als auch bei Kaufland verschlissen. Paternò hatte vor etwas mehr als einem Jahr Jesper Hojer (41) abgelöst, der ebenfalls nur zwei Jahre an der Spitze des Unternehmens gestanden hatte. Hojer wiederum hatte 2017 den Chefposten von seinem Vorgänger Sven Seidel übernommen. Beide Manager verließen Lidl aufgrund erheblicher Differenzen mit Gehrig.

Immerhin haben Schwarz und Gehrig mit Chrzanowski inzwischen den lang ersehnten potenziellen Nachfolger von Gehrig in Stellung gebracht. Der Manager wird derzeit eingearbeitet. Wann genau er die Leitung der Schwarz-Gruppe übernehmen soll, ist noch unklar.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr zwischen März 2019 und Februar 2020 hat die Schwarz-Gruppe ihren Gesamtumsatz um 8,6 Prozent auf 113,3 Milliarden Euro gesteigert. Lidls Umsatz legte um fast 10 Prozent auf 89 Milliarden Euro zu, bei Kaufland gab es ein Plus um 4,5 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro. Die beiden Supermarktketten sind mit mehr als 12.500 Filialen in 33 Ländern aktiv.

mg/dpa-afx