Mittwoch, 13. November 2019

Online-Lebensmittelversand Wie Lidl Amazon angreift

Kochzauber-Kochbox: Lidl hat das Berliner Start-up übernommen

Bei Lidl läuft es aktuell rund. Der Discounter erobert immer neue Kundenschichten und verdient trotz sinkender Preise prächtig. Um auch online seine Marktposition auszubauen, hat der Händler nun einen unerwarteten Schritt ins Digitalgeschäft gewagt. Er übernimmt den Berliner Kochboxenversender Kochzauber.

Wieviel das verschwiegene Unternehmen von Dieter Schwarz dafür an die früheren Startup-Eigner, Ottos Mytoys-Gruppe und den ebenfalls mit Otto verbundenen Company-Builder Project A Ventures gezahlt hat, dazu machte Lidl gegenüber manager-magazin.de keine Angaben. Es hieß lediglich, Kochzauber werde als eigenständige Marke bestehen bleiben und das Geschäft mit Kochboxen weiter betreiben und ausbauen.

Die Übernahme des Startups, über dessen Ende bereits in der Fachpresse gemutmaßt wurde, zeigt die Bedeutung, die selbst traditionelle Discounter digitalen Geschäftsmodellen mittlerweile beimessen.

Zwar betreibt Lidl bereits seit längerem einen Webshop. Angesichts der Tatsache, dass auch der Onlineversender Amazon Börsen-Chart zeigen immer mehr nach Deutschland drängt und sein Angebot auch immer mehr auf Waren des täglichen Bedarfs ausrichtet, steigt allerdings auch hierzulande der Druck auf die Konkurrenz, sich online nicht abhängen zu lassen.

Amazon liefert Boxen mit Lebensmitteln - nun kontert Lidl

So startete Amazon erst kürzlich in Deutschland seinen Service Amazon Pantry, bei dem sich Kunden eine 20-Kilo-Box mit Drogerieartikeln und Lebensmitteln für 4,99 Euro nach Hause liefern lassen können. Und bald soll auch der Frisch-Lebensmittel-Lieferdienst Fresh folgen.

Dass Lidl-Gründer Dieter Schwarz den Kampf gegen Amazon aufnehmen will, hatte sich bereits kürzlich abgezeichnet, als Lidl mit der Lidl-Vorratsbox einen eigenen Pantry-Konkurrenten an den Start gebracht hatte. Dass der als extrem sparsam bekannte Unternehmer nun Geld für einen Zukauf in die Hand nimmt, ist aber doch bemerkenswert.

Dass Kunden in Kürze Kochboxen mit Lidl-Produkten samt Rezepten zu sich nach Hause bestellen können, ist indes wohl nicht zu erwarten. Es sei nicht geplant, unter der Marke Lidl zu agieren, zitierte das Online-Magazin "Gründerszene", die als erste über die Übernahme berichtet hatte, eine Sprecherin des Unternehmens. Ebenso gäbe es zumindest aktuell keine Pläne, Lidl-Produkte in den Boxen zu verschicken.

Angesichts so viel digitalen Lernwillens bleibt nur abzuwarten, wann Aldi mit dem ewigen Rivalen auch im Digitalgeschäft gleichzieht.

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung