Spielzeughersteller Das Ende des Lego-Steins naht

Lego zählt zu den erfolgreichsten Spielwarenherstellern weltweit. In fast jedem Kinderzimmer findet sich der berühmte Lego-Stein. Doch nun muss sich das Unternehmen neu erfinden: Nicht nur die Konkurrenz, auch die Kunden verlangen nach Alternativen.
Legostein: Langfristig Alternativen zum Hartplastik anzubieten, ist laut Lego alternativlos

Legostein: Langfristig Alternativen zum Hartplastik anzubieten, ist laut Lego alternativlos

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Sie sind bunt und eckig, haben Noppen und im Inneren Röhrchen, die der Stabilität dienen. Seit 90 Jahren füllt sich damit fast jedes Kinderzimmer. Jeder kennt sie – die Lego-Bausteine.

Das dänische Unternehmen gehört zu den größten Spielwarenherstellern der Welt. Und zu den erfolgreichsten: Lego ist der umsatzstärkste Spielwarenhersteller weltweit, gefolgt von den US-amerikanischen Unternehmen Hasbro und Mattel. Lego beschäftigt mehr als 17.400 Mitarbeiter in rund 30 Ländern weltweit, davon etwa 440 in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Familienunternehmen einen Gewinn in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, bei einem Umsatz von rund 7,4 Milliarden Euro. Das ist der dritte Rekord in Folge. Doch nun muss sich der Marktführer neu orientieren.

In Zeiten des Klimawandels hat der klassische Lego-Stein aus Plastik keine Zukunft mehr. Seit vier Jahren stellt Lego zwar biegbare Teile – wie Minifiguren, Zubehörteile oder Pflanzenelemente – aus Zuckerrohr her, doch für die berühmten Steine gibt es bislang noch keine Alternative auf dem Markt.

400 Millionen Euro will der Konzern investieren, um bis 2030 Ersatz für die Steine aus erdölbasiertem Plastik zu finden. Dazu wird derzeit an Pflanzenfasern wie Mais, Weizen und Zellulose geforscht. Im vergangenen Jahr stellte Lego einen Prototyp aus recycelten PET-Flaschen vor. "Der Prototyp ist das Ergebnis von drei Jahren intensiver Arbeit, in der über 250 unterschiedliche PET-Materialien getestet wurden" sagt Lego-Umweltexperte Tim Brooks. Doch dieser müsse nun mindestens ein weiteres Jahr getestet und optimiert werden, bevor die Produktion starten könne. Die Entwickler tüfteln noch an der Farbgestaltung, denn die Farben wirken auf den Legosteinen aus den neuen Materialien noch etwas blasser.

Nicht nur bei dem Stein ist der Druck von außen groß: Lego erntet Kritik, weil das Spielzeug in Einwegplastik verpackt ist. Auch das soll sich ändern. Bis 2025 will der Konzern nur noch Verpackungen aus Papier anbieten. Dazu bauen die Dänen in Vietnam gerade ihre erste klimaneutrale Fabrik.

Weg zurück in die Nachhaltigkeit

Der Weg in die Nachhaltigkeit ist lang – oder vielmehr dorthin zurück. Vor genau 90 Jahren startete Lego bereits mit einem nachhaltigen Grundbaustein aus Holz. Der Tischlermeister Ole Kirk Kristiansen bastelte erstmals aus Holzresten zusammensteckbares Spielzeug. 26 Jahre später patentierte sein Sohn Godtfred Kirk Kristiansen den heute bekannten Stein. Mittlerweile gibt es über 18.000 Produkte. "Allein der Lego-Baustein aus Plastik machte das Unternehmen so erfolgreich – sonst wäre Lego bei Weitem nicht so bekannt geworden", sagt Christine Spiller, Leiterin des Deutschen Spielzeugmuseums. Als Holzspielzeug-Hersteller war Lego nur ein Hersteller unter vielen.

Konkurrenten Hasbro und Mattel wollen Plastik ebenfalls ersetzen, Playmobil prescht vor

Ein Hersteller von vielen ist Lego auch heute: einer von vielen, die den Weg in die Nachhaltigkeit suchen. Der Spielzeugriese Mattel will ebenso wie Lego bis 2030 auf nachhaltige Materialien umstellen. Dann sollen die Spielzeuge und Verpackungen nur noch aus recycelten, wiederverwertbaren oder biobasierten Kunststoffen bestehen. Als ersten Schritt bringt Mattel Bauklötze auf den Markt, die aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt sind. Und auch Hasbro hat ein Konzept: Der "Monopoly"-Hersteller will bis Ende 2022 auf Kunststoffe in allen neuen Verpackungen verzichten. Danach sollen die Produkte folgen.

Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass die drei Spielzeugriesen nicht die ersten sind, die eine Nachhaltigkeitsstrategie angehen. Playmobil befindet sich schon auf der Überholspur. So bietet das Unternehmen Produkte an, die etwa 80 Prozent aus recycelten sowie nachhaltigen Kunststoffen bestehen. Bereits bis 2027 will die Horst Brandstätter Unternehmensgruppe, zu der Playmobil gehört, klimaneutral sein und Emissionen vermeiden. Das Unternehmen will in den kommenden Jahren rund 50 Millionen Euro in Klimaschutz investieren.

Lego-Konkurrent Open Brick Source verkauft bereits Klemmbausteine aus Holz. Geschäftsführer Stefan Reißner arbeitet darüber hinaus an einem Konzept, Klemmbausteine aus anderen umweltfreundlicheren Materialien auf den Markt zu bringen.

Das Rennen um nachhaltiges Spielzeug wird in den kommenden Jahren Fahrt aufnehmen. Wer sich mit dem Thema Zeit lässt, riskiert, Umsatzanteile an die Konkurrenz zu verlieren.

Doch was passiert, wenn die Lego-Steine aus neuem Material nicht so gut bei den Kunden ankommen? "Dann suchen wir weiter, es ist alternativlos", sagt der Lego-Umweltexperte Tim Brooks. Das Problem: "Die Eigenschaften von Plastik sind für Hersteller überragend. Sie sind äußerst schwer zu ersetzen", sagt Gerda Schwab, Sprecherin vom Deutschen Verband der Spielwarenindustrie. Dennoch müsse zwingend ein nachhaltiger Ersatz her, da auch bei den Kunden die Nachfrage nach nachhaltigen Materialien steige.

Damit gilt nicht nur für Lego: Die Suche geht weiter.

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