Angriff auf Aldi und Lidl Delhaize und Ahold verhandeln über neuen Supermarktriesen

In Deutschland ist der niederländische Handelskonzern Ahold mit Filialen "Albert Heijn to go" bekannt. Fusionierten Ahold und der belgische Wettbewerber Delhaize, könnten sie Edeka und Rewe gefährlich werden - allerdings wohl eher in den USA, wo Aldi und Lidl noch kräftig wachsen wollen

In Deutschland ist der niederländische Handelskonzern Ahold mit Filialen "Albert Heijn to go" bekannt. Fusionierten Ahold und der belgische Wettbewerber Delhaize, könnten sie Edeka und Rewe gefährlich werden - allerdings wohl eher in den USA, wo Aldi und Lidl noch kräftig wachsen wollen

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In der Supermarktlandschaft könnte schon bald ein neuer Riese entstehen. Die beiden Supermarktketten Ahold aus den Niederlanden und Delhaize aus Belgien verhandeln über einen Zusammenschluss. Die beiden Unternehmen bestätigten am Montag einen Bericht von "De Tijd " und "L'Echo" aus Belgien, wonach sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium  befinden. Sollte das Zusammengehen Realität werden, entstünde jedoch ein neuer Riese am Handelsmarkt, der sich dem Siegeszug von Aldi und Lidl entgegenstemmen könnte.

Größer als Rewe und Edeka

Mit einem zusammengenommenen Umsatz von mehr als 54 Milliarden Euro kämen die beiden zwar noch immer noch nicht an Discounterriesen wie Aldi oder Lidl heran, die zum Teil fast den doppelten Umsatz erwirtschaften. Ein fusionierter Delhaize/Ahold-Riese allerdings würde Rewe und Edeka umsatztechnisch klar überholen.

Zudem gäbe der Zusammenschluss den Händlern die Chance, Synergien freizusetzen, die sie gegenüber der Billig-Konkurenz wieder wettbewerbsfähiger machen würde. So schätzen die Experten der Rabobank  dieses Potenzial auf satte eine Milliarde Euro. ING immerhin auf 0,6 bis 0,8 Prozent des Gesamtumsatzes von aktuell 52,4 Milliarden Euro - immerhin rund 400 Millionen Euro.

Die Aktien der beiden Händler jedenfalls reagierten am Montag mit einem Kurssprung auf die Gerüchte. Die Papiere von Delhaize und Ahold  kletterten zeitweise um 10 und knapp 19 Prozent in der Spitze.

Aktien von Ahold und Delhaize schießen in die Höhe

Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass die beiden Händler über ein Zusammengehen nachdenken. Einen ähnlichen Anlauf gab es bereits vor rund zehn Jahren. Er scheiterte aber, weil sich die beiden offenbar nicht auf einen Preis einigen konnten.

Während bei Ahold vor allem institutionelle Investoren wie BlackRock, JP Morgan Chase oder BNP Paribas eine Rolle spielen, gibt es bei Delhaize noch eine große Unbekannte - die Familie, deren Anteil von geschätzt 20 Prozent sich laut l'Echo allerdings nicht in einer gemeinsamen Holding sondern im Splitterbesitz befindet . Nach Marktwert ist Ahold ungefähr doppelt so groß wie Delhaize.

Aldi und Lidl dürften die Vorgänge in Belgien und den Niederlanden vor allem deshalb mit Argusaugen verfolgen, weil die beiden einen Großteil ihres Geschäftes auf dem US-Markt machen. Delhaize mit Food Lion und Hannaford sogar zwei Drittel. Ein Markt, auf den auch Aldi und Lidl große Hoffnungen setzen.

Umkämpfter US-Markt

Aldi ist bereits seit mehreren Jahrzehnten vorort und hat sich selbst das Ziel gesetzt, sein Marktnetz bis 2018 auf knapp 2000 Läden auszuweiten. Doch auch Konkurrent Lidl hat die Vereinigten Staaten ins Visier genommen und feilt laut Medienberichten aktuell an einem Einstieg auf dem US-Markt. 

Deutschland bislang Nebenschauplatz

Welche Konsequenzen ein Zusammenschluss für die Supermarktlandschaft in Deutschland haben könnte, ist noch offen. Hier hatten zuletzt die Supermärkte gegenüber den Discountern wieder an Boden gewonnen.

Delhaize hatte sich aber vor einigen Jahren von seinen vier deutschen Märkten getrennt und diese an Rewe verkauft. Auch für Ahold ist Deutschland bislang nur ein Nebenschauplatz. Die Niederländer sind hier bislang nur mit wenigen Standorten der Convenience-Kette "Albert Hejn to go" am Start.

Ob die Kartellwächter für ein Zusammengehen grünes Licht geben würden, ist ebenfalls noch offen. In Deutschland hatte zuletzt das Kartellamt die Übernahme von Tengelmann durch Edeka verboten. Die beiden haben in dem Streitfall nun allerdings eine Ministererlaubnis beantragt.

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