Sonntag, 5. April 2020

Zalando-Börsengang Es sind doch nur Schuhe!

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Seit Monaten putzt sich der Online-Händler Zalando für seinen Börsengang heraus. Für einen unbeschwerten Glücksschrei sorgen die jüngsten Zahlen aber nicht. Sie halten drei unangenehme Botschaften bereit - und zeigen, dass Zalando noch viel Arbeit vor sich hat.

Hamburg - Was haben drei deutsche Internetinvestoren-Brüder, ein schwedisches Unternehmens-Konglomerat, ein russischer Facebook-Geldgeber und die gesamte Berliner Tech-Startup-Szene gemeinsam? Sie alle wetten drauf, dass Zalando, der Mode-Versandhändler mit dem eingebauten Schrei vor Glück, zur größten Erfolgsstory der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte wird.

Denn noch nie hat ein Startup aus Deutschland so viel Geld eingesammelt wie Zalando - unter anderem von den drei Samwer-Brüdern, von der Unternehmerin und Chefin der Kinnevik-Gruppe, Cristina Stenbeck, oder dem Tech-Milliardär Yuri Milner. Und noch nie ist ein Jungunternehmen so schnell gewachsen wie der 2008 gegründete Klon des US-Vorbilds Zappos. Das Motto in Berlin lautet deshalb: Mögen sie im Silicon Valley Dropbox haben, auch wir können IPO, bald mit Zalando!

Die Geschäftszahlen des Online-Händlers von heute sollten die Euphorie indes trüben. Zwar wächst Zalando immer noch stattlich und hat den Umsatz um 50 Prozent auf nun 1,76 Milliarden Euro gesteigert. Die Phase des steilen Wachstums aber scheint vorerst vorbei. Angepeilt für 2013 waren schließlich zwei Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte Zalando es zudem noch geschafft, seine Erlöse zu verdoppeln. Die zweite schlechte Botschaft heute lautet: Die Berliner Truppe hat die Profitabilität kaum verbessert, das Unternehmen schreibt weiter Verluste.

Zalando muss sein Geschäftsmodell noch kräftig optimieren

Die dritte - und wichtigste - Nachricht aber ist: Schuld ist das Wetter! Nur eine unfreiwillig komische Entschuldigung des Managements? Nein, sie zeigt das eigentliche Problem hinter dem Geschäftsmodell von Zalando: Beim Startup aus Berlin geht es nicht um Algorithmen, Software oder die neueste coole App, die das Potenzial haben, Millionen von Usern weltweit zu begeistern - und kostengünstig im Hintergrund von wenigen Programmieren gesteuert werden.

Als Instagram für eine Milliarde an Facebook verkauft wurde, hatte das Unternehmen 13 Mitarbeiter. Zalando hat heute 2500. Und mag Zalando auch im Internet zu Hause sein, so verkauft das Unternehmen immer noch echte Schuhe, Mäntel und Sommerkleider - die bei unpassendem Wetter oder einem unvorhergesehen Mode-Trend im Regal liegen bleiben können.

Wie schwer es ist, das Geschäft mit dem Online-Modehandel nachhaltig zu betreiben, lernt derzeit selbst noch Amazon Börsen-Chart zeigen, der König des Internet-Handels.Will Zalando demnächst also an die Börse, muss das Unternehmen noch kräftig an der Optimierung seines Businessmodells nacharbeiten. Und künftige Anleger müssen sich fragen, wie viel von der Verheißung vom großen Tech-Börsenglück dabei eigentlich auch für sie reserviert ist.

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