E-Commerce Klarna führt Bezahlsystem ohne Login und Passwort ein

Der Payment-Dienst Klarna setzt ab sofort ein neues Bezahlsystem in Deutschland ein, bei dem Kunden nur noch ihre E-Mail-Adresse und eine Postleitzahl eingeben müssen. Mit diesem Schritt kommen die Schweden dem Marktführer Paypal zuvor.
Von Kristian Klooß
Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski: "Intel Inside" als Vorbild

Klarna-Chef Sebastian Siemiatkowski: "Intel Inside" als Vorbild

Foto: Klarna

Stockholm/Berlin - Das schwedische Start-up Klarna, einer der führenden Payment-Dienstleister Europas, will künftig Passwörter und Login-Prozesse aus deutschen Online-Shops verbannen. Das Unternehmen hat angekündigt, sein bislang nur in Schweden getestetes Bezahlsystem "Klarna Checkout" nun auch in Deutschland einzusetzen.

Das optisch in die E-Commerce-Websites eingebundene, aber auf Klarna-Servern verwaltete System, ermöglicht Online-Shoppern, Einkäufe nur mit Angabe der E-Mail-Adresse und Postleitzahl abzuschließen - solange sie auf Rechnung zahlen. Auf einen Login im Online-Shop kann daher verzichtet werden. Bei der Auswahl alternativer Zahlungsmethoden wie der Kreditkarte sind allerdings weiterhin Eingaben notwendig.

Um sicherzustellen, dass niemand die auf den ersten Blick simple Methode missbraucht, haben sich die Schweden rund 200 verschiedene Methoden überlegt, wie sich die Identität des Käufers eindeutig zuordnen lässt. So merkt sich "Checkout" unter anderem das Smartphone oder Tablet, mit dem Kunden regelmäßig einkaufen, prüft die Plausibilität von Transaktionen zum Beispiel anhand der Uhrzeit, des Orts und der Menge der Einkäufe, bezieht IP-Adressen mit ein, vergleicht die Tippgeschwindigkeit des Nutzers und prüft die Verwendung der Copy & Paste-Funktion.

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Das schwedische Start-up, dessen Wert von Investoren wie Sequoia und DST auf mittlerweile gut eine Milliarde Euro taxiert wird, will mit dem neuen Bezahlsystem dem Marktführer Paypal Kunden streitig machen. Gelingen soll dies über die wegen der Vereinfachung des Bezahlvorgangs steigenden Konversionsrate. Sie beschreibt grob den prozentualen Anteil der zuendegeführten Einkäufe.

Nur 33 Prozent der Shop-Besucher bringen ihren befüllten Warenkorb derzeit tatsächlich zur virtuellen Kasse, haben beispielsweise die Marktforscher des E-Commerce-Centers Köln berechnet. Auf Smartphones und Tablets sind es den Experten zufolge gar nur bei 16 Prozent. Das soll sich nun ändern. "Den größten Effekt hat unser System auf das mobile Bezahlen", sagt Siemiatkowski.

In Schweden nutzt beispielsweise die größte einheimische Internet-Buchhandlung, Adlibris, seit einem Jahr das passwortlose Bezahlsystem - und berichtet von einer Steigerung der Konversionsrate um 80 Prozent. Im Heimatland Klarnas werden darüber hinaus nach nur einem Jahr schon rund 40 Prozent des gesamten Klarna-Transaktionsvolumens mit "Checkout" abgerechnet. Das wiederum entspricht ungefähr 10 Prozent des schwedischen Online-Handels.

"Wir sehen das als powered by Intel-Ansatz"

In Deutschland führt das junge Unternehmen nun Gespräche mit Partnern über die Integration des neuen Verfahrens. Unternehmenschef Siemiatkoski betont, dass "Klarna Checkout" mehr sei als eine weitere Zahlungsmethode. "Wir sehen das ähnlich wie beim Powered-by-Intel-Ansatz." Während viele Computer von Intel-Chips betrieben würden, solle Klarna diese Stellung künftig für die Bezahlsysteme der Online-Shops verschiedener Anbieter einnehmen. "Wir wollen die besten in dieser spezifischen Nische werden", sagt Siemiatkowski.

Nach dem Start des Roll-outs in Deutschland sollen noch in diesem Jahr ein großes europäisches Land und einige kleinere Länder folgen, bevor Klarna Checkout 2015 global eingeführt werde, sagt Siemiatkowski gegenüber manager magazin online.

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Ob die Online-Händler trotz der Erfolge in Schweden mitspielen, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Denn für sie ist es meist teurer, wenn Kunden per Rechnung anstatt mit anderen Zahlungsmethoden einkaufen. "Hier wird entscheidend sein, wie hoch die Steigerung der Konversionsrate durch das System wirklich ist und ob sie die höheren Kosten überkompensiert", sagt ein Shop-Entwickler gegenüber manager magazin online.

Europaweit beschäftigt Klarna derzeit rund 1100 Mitarbeiter, inklusive der rund 150 übernommenen Angestellten des deutschen Direktüberweisungsanbieters Sofort. Die Lösungen des integrierten Unternehmens finden sich in rund 45.000 Online-Shops. In Deutschland nutzen rund sechs Millionen Kunden die Bezahlsysteme von Klarna. Marktführer Paypal kommt auf rund 15 Millionen Benutzerkonten.

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