Kinnevik lässt bei Rockets Mode-Geschäft die Luft raus Großaktionär führt Oliver Samwer vor

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer:

Rocket Internet-Chef Oliver Samwer:

Foto: Tobias Hase/ dpa

Herber Rückschlag für Rocket Internet. Nachdem die Berliner Startup-Schmiede noch vor wenigen Tagen beim Kapitalmarktag die Zukunft ihrer Mode-Töchter in den schillerndsten Farben beschrieben hat , hat die Wirklichkeit Rocket-Unternehmer Oliver Samwer nun wieder eingeholt.

Großinvestor Kinnevik lässt die Luft aus Rockets Modegeschäft. Bei seinen Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen schrieb der schwedische Investor den Wert seines Anteil an Rockets Global Fashion Group (GFG) um 38 Prozent oder rund 163 Millionen Euro auf umgerechnet 275 Millionen Euro ab.

Wenig später zieht Rocket mit einer eigenen Mitteilung nach: Statt mit rund drei Milliarden bewertet die Berliner Beteiligungsgesellschaft die in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten Modefirmen nun nur noch mit einer Milliarde Euro.

Zur GFG gehören sechs Online-Modeversender, darunter Dafiti in Lateinamerika, Lamoda in Russland und Zalora in Südostasien. Rocket ist mit 23 Prozent, Kinnevik mit 26 Prozent an der GFG beteiligt. Die Schweden sind mit 13 Prozent zudem auch noch direkt an Rocket Internet beteiligt.

Die Reaktion an der Börse ließ nicht lange auf sich warten. Nach Bekanntgabe der neuen Bewertung brach die Rocket-Aktie um mehr als 14 Prozent ein. Kinnevik-Aktien büßten am Mittwoch 2,7 Prozent ein.

Kinnevik-CEO sieht "perfekten Sturm"

"Von der Bewertung her gesehen ist alles schiefgegangen," kommentierte Kinnevik-CEO Lorenzo Grabau die Bewertung. Es sei ein "perfekter Sturm". Dabei sehe im Unternehmen alles gut aus, zitierte ihn die Nachrichtenagantur Reuters. Auch Rocket-Chef Oliver Samwer betonte, man sei "weiterhin von den positiven Aussichten von GFG überzeugt."

Bislang ist die Gruppe allerdings noch ein massives Zuschussgeschäft.

2015 erwirtschaftete sie bei 930 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust (Ebitda) von 275 Millionen Euro.

Um die Modeversender weiter auf Kurs zu halten, schießen Rocket und der schwedische Co-Investor Kinnevik zusammen denn auch nochmals 300 Millionen Euro nach.

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Rocket investiert in der jüngsten Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro in die GFG, Kinnevik sogar 200 Millionen. 50 Millionen Euro davon haben die Schweden schon im ersten Quartal vorgestreckt.

Die Modeversender sind indes nicht die einzigen Beteiligungen, bei denen die Bewertungen von Kinnevik und Rocket Internet zeitweise massiv auseinanderklafften oder Kinnevik massive Abschreibungen gemacht hat.

Der Online-Möbelhändler Home 24, an dem die Schweden 17 Prozent halten, steht laut Reuters in den Kinnevik-Büchern nur noch mit 61 Prozent der Summe, die das Unternehmen in den Börsenkandidaten gesteckt hat. Beim Internet-Einrichtungshaus Westwing ist Kinnevik dagegen leicht im Plus. Rocket hat die Beteiligungen zuletzt doppelt so hoch bewertet wie die Schweden.

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