Samstag, 18. Januar 2020

Übernahmespekulation treibt Mode-Aktien Kering greift nach Luxus-Jackenhersteller Moncler

Moncler-Kollektion: Die italienische Firma ist vor allem für ihre wattierten Daunenjacken bekannt

Der französische Luxuskonzern Kering hat erste Gespräche mit dem italienischen Edelbekleider Moncler über eine mögliche Übernahme geführt. Es sei nicht sicher, dass diese zu einem Zusammenschluss führen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Nach verzögerter Eröffnung kletterten die Anteilsscheine des italienischen Edelbekleiders um mehr als 12 Prozent auf ein Rekordhoch. Auf Nachfrage von Bloomberg wollte Kering die im Raum stehenden Übernahmegespräche nicht kommentieren, Moncler war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kering wurde 1963 von dem französischen Unternehmer François Pinault gegründet, heute führt sein Sohn François-Henri Pinault die Geschäfte. Mit 31.000 Mitarbeitern erlöste das Unternehmen 2018 rund 13,67 Milliarden Euro. Zu dem Konzern gehören Marken wie Gucci, Saint Laurent und Boucheron.

Moncler wurde 1952 in Frankreich gegründet und 1992 von der italienischen Pepper Industries gekauft. Der vor allem für seine wattierten Daunenjacken bekannte Modehersteller erlöste 2018 mit rund 3500 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat in diesem Jahr fast 50 Prozent an Wert gewonnen und kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 11 Milliarden Euro. Größter Aktionär ist Vorstandschef Remo Ruffini, der über eine von ihm kontrollierte Investmentfirma rund 22,5 Prozent der Anteile hält.

Sollte Kering der Moncler-Zukauf gelingen, würde das dem Luxuskonzern helfen, mit seinem großen Rivalen LVMH Börsen-Chart zeigen Schritt zu halten, der erst kürzlich den Kauf des bekannten Juweliers Tiffany angekündigt hatte. Mit einem Preis von 16,2 Milliarden US-Dollar wäre dies der teuerste Deal aller Zeiten im Luxussegment.

Wettrennen zwischen Arnault und Pinault

Die Rivalität zwischen LVMH-Chef Bernard Arnault und Francois Pinault, der den Konzern immer noch über seine Anteile kontrolliert, hat die Transformation des Luxussektors in den letzten Jahrzehnten angetrieben. Die beiden französischen Großkonzerne hatten sich dabei ein Wettrennen im Zukauf von Marken geliefert und ihr Portfolio stetig erweitert.

Die Tiffany-Übernahme durch LVMH setze den Markt insgesamt unter Druck, befand Bernstein-Analyst Luca Solca. Aus seiner Sicht würde ein Moncler-Zukauf durch Kering vor allem für die Anteilseigner der Italiener positiv sein, während die Vorteile für Kering eher moderat ausfallen dürften und auch vom Preis abhängig seien. Obwohl Kering stark darin sei, Marken neu zu erfinden und das bereits bei Gucci, Saint Laurent und Balenciaga erfolgreich umgesetzt habe, sei Moncler bereits jetzt äußerst erfolgreich. Dennoch würden die Italiener Kering aus Solcas Sicht dabei helfen, sich breiter aufzustellen und weniger abhängig von der Marke Gucci zu sein.

Die italienische Modemarke trug in der ersten Jahreshälfte mehr als drei Viertel zum operativen Gewinn von Kering bei. Die starke Abhängigkeit von ihrem Erfolg ist für den Konzern also nicht von der Hand zu weisen. Gucci wuchs in den letzten Jahren deutlich stärker als der Luxusgütersektor - allerdings zeigten sich Experten bei den jüngsten Umsatzzahlen der Marke nicht mehr ganz so begeistert wie früher, denn die Wachstumsdynamik schwäche sich ab. Daher ist Kering verstärkt unter Druck, sein Portfolio breiter aufzustellen und sich gegen das Risiko sinkender Nachfrage nach Gucci-Produkten abzusichern.

Moncler ragt selbst im boomenden Luxussektor heraus

Sollte der Moncler-Deal zustande kommen, würde Kering eine Marke dazu bekommen, deren Wachstum im letzten Jahrzehnt enorm war und selbst im boomenden Luxussektor herausragte. Die Italiener sind vor allem für ihre dicken und hochpreisigen Winterjacken bekannt, bieten aber auch Schwimmbekleidung und Schuhe an.

Hinter dem Unternehmen steht Remo Ruffini, der Moncler im Jahr 2003 kaufte und zu einer der angesagtesten Luxusmarken umbaute. Die Italiener sind überall dort vertreten, wo die Reichen gerne einkaufen - etwa auf dem Rodeo Drive in Beverly Hills, in den französischen Alpen in Chamonix oder auch mit vielen Läden in China, wo die Kunden stark an Luxuswaren interessiert sind und das Wachstum der Branche antreiben.


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Von den Übernahmefantasien profitierten auch andere Modehersteller wie beispielsweise Hugo Boss Börsen-Chart zeigen. Als einer der Favoriten im MDax Börsen-Chart zeigengewannen die Anteile des Unternehmens zuletzt 2,50 Prozent auf 43,05 Euro. Auch die Titel der italienischen Modefirmen Salvatore Ferragamo und Tod's notierten jeweils mehr als 4 Prozent im Plus.

mg/dpa-afx, rtr

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