Angebliche Beeinflussung bei Preisen Kartellamt hat Amazon erneut im Visier

Amazon soll versucht haben, in der Corona-Zeit die Preise von Händlern zu beeinflussen. Das Kartellamt untersucht die Beschwerden. Amazon erklärt, dass sein System Preistreiberei unterbinde.
Erneut beschweren sich Händler beim Kartellamt über eine marktbeherrschende Stellung von Amazon

Erneut beschweren sich Händler beim Kartellamt über eine marktbeherrschende Stellung von Amazon

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Das Bundeskartellamt geht dem Vorwurf nach, dass Amazon während der Corona-Pandemie eine marktbeherrschende Stellung missbraucht hat. "Wir untersuchen derzeit, ob und wie Amazon die Preissetzung der Händler auf dem Marketplace beeinflusst", sagte Amtspräsident Andreas Mundt (60) der "FAZ" (Montagausgabe). Während der ersten Monate der Corona-Pandemie habe es Beschwerden darüber gegeben, dass Amazon Händler wegen angeblich überhöhter Preise gesperrt habe. "Amazon darf kein Preiskontrolleur sein. Das gilt auch jetzt."

Amazon habe inzwischen auf erste Auskunftsersuchen geantwortet. Dies werde jetzt ausgewertet. Der mögliche Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung sei "natürlich der Ansatz bei solchen Untersuchungen", sagte Mundt. Amazon sei für sehr viele Händler eine unverzichtbare Plattform. "Andererseits haben wir eine Marktbeherrschung bisher nicht formell festgestellt."

Ein Amazon-Sprecher sagte auf Anfrage, die Amazon-Verkaufspartner legten ihre eigenen Produktpreise im Amazon-Store fest. "Unsere Systeme sind so konzipiert, dass sie Maßnahmen gegen Preistreiberei ergreifen." Die Preise für viele Quarantäne-Produkte wie Atemschutzmasken, die mit Ausbruch der Pandemie besonders gefragt waren, hatten sich zeitweilig mehr als vervierfacht. Amazon betonte dem Bericht zufolge jetzt: Wenn Verkaufspartner Bedenken hätten, würden sie ermutigt, sich an den Support für Verkaufspartner zu wenden.

Deutschland ist für den US-Konzern der zweitgrößte Markt nach den USA. In den ersten Monaten der Infektionswelle blieben viele Geschäfte geschlossen und Kunden kauften verstärkt im Internet ein.

Richtet sich die aktuelle Untersuchung des Bundeskartellamtes offenbar gegen eine mögliche Kontrolle bei den Preisen, ging die Behörde Ende April bereits Beschwerden nach, dass Amazon in der Corona-Krise angeblich Händler bei Lieferengpässen angeblich benachteiligt haben soll. Das Kartellamt hatte den Online-Riesen aufgefordert darüber Rechenschaft abzulegen, wie mit Lieferengpässen umgegangen werde und welche Lieferungen im Zweifel bevorzugt oder eben nachrangig behandelt würden. Auch die EU-Kommission prüft bereits seit Monaten mögliche Kartellverstöße der Online-Plattform im Umgang mit Händlern.

 "Auch wenn es vielen nicht gefällt und es Handelsexperten schon fast nicht auszusprechen wagen: Schon jetzt ist Amazon systemrelevant." Die Marktmacht des Konzerns sei in der Krise "auf ein besorgniserregendes Maß gestiegen", sagte Heinemann Ökonom und Handelsexperte Gerrit Heinemann (60) von der Hochschule Niederrhein der Ende April der "Welt". Nach Einschätzung des Experten werde die Marktmacht nach der Corona-Krise weiter zunehmen.

rei mit Reuters
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