Montag, 20. Mai 2019

Nach CEO-Abschied Was Karstadt nach dem Abgang Sjöstedts droht

Geht nach fünf Monaten: Karstadt-Chefin Sjöstedt

Nur fünf Monate hat es Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt bei Karstadt ausgehalten. Sie vermisste Unterstützung für ihren Sanierungskurs - ein Zeichen, dass Berggruen für den Konzern immer mehr zur Belastung wird.

Hamburg - Sie wurde präsentiert als Hoffnungsträgerin, schwedisch, dynamisch und dann auch noch weiblich. Und dynamisch und voller neuer Ideen, so schien es, wollte sie ihren Job auch angehen. Nicht nur dass sie die Filialen abklapperte, um die Mitarbeiter kennenzulernen und sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Sie stellte sich auch selbst an die Kasse und gab freimütig Interviews zu ihrem Familienleben.

Doch mit der Hoffnung auf einen Rest heiler Welt ist es bei Karstadt nun offenbar vorbei. Nach nur fünf Monaten hat Sjöstedt hingeworfen. Von jetzt auf gleich.

Die Gründe dafür kommunizierte die Schwedin ungewöhnlich deutlich. Sie habe den Job in Essen in fester Annahme angetreten, "ein angeschlagenes, in einer sehr schwierigen Situation befindliches Unternehmen übernehmen und entwickeln zu dürfen", begründete Sjöstedt am Montag ihren Schritt. Dafür seien ihr von Seiten der Berggruen Holding "volle Unterstützung für meine Strategie und meine Investitionspläne für die 83 Warenhäuser zugesagt" worden. Nun habe sich jedoch herausgestellt, dass die Voraussetzungen für den von ihr "angestrebten Weg nicht mehr gegeben" seien.

Dass Anklagen wie die von Sjöstedt auf direktem Weg in die Öffentlichkeit gelangen, ist ungewöhnlich. "Das ist ziemlich bemerkenswert. Es scheint, dass sich die verschiedenen Interessengruppen im Konzern zumindest darüber einig sind, dass Berggruen sich jetzt erheblich stärker - auch und gerade finanziell - engagieren muss als bisher", sagt Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Berggruen wurde vom Retter zur Belastung für Karstadt

Entsprechend forderte auch der Verdi-Bundesvorstand Stefanie Nutzenberger angesichts des "bedauerlichen" Rücktritts von Sjöstedt dringend finanzielle Mittel für den anschlagenen Konzern. "Investitionen sind dringend nötig", sagte Nutzenberger.

Wirklich überraschend kommt der Rückzug Sjöstedts für die Branche allerdings nicht. Wetten, wie lange die Schwedin bei dem Warenhauskonzern durchhalten würde, liefen seit länger. Selbst einige Insolvenzverwalter sollen sich bereits in Stellung bringen.

Denn die Spielraum der Schwedin war schon bei ihrem Start minimal. Zwar verkündete sie wenige Wochen nach ihrem Jobantritt, den Filialen mehr Eigenverantwortung geben zu wollen. Auf finanzielle Hilfe von Eigentümer Nicolas Berggruen wartet man in Essen jedoch bislang vergeblich. Er zieht stattdessen Millionenbeträge aus der Firma, wie manager magazin bereits berichtete.

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